Fleischlos studieren

Fleischlos studieren

In der Mensa der Universität Luzern gibt es ab August kein Fleisch mehr. Gegen vegetarische Kost ist nichts einzuwenden, gegen die Ideologisierung des Essens hingegen schon.

image
von Claudia Wirz am 21.7.2021, 04:00 Uhr
Gemüse statt Fleisch gibt es künftig in der Mensa der Universität Luzern.
Gemüse statt Fleisch gibt es künftig in der Mensa der Universität Luzern.
Für die Studenten und Mitarbeiter der Universität Luzern beginnt ab Ende August eine neue Ära. Sie werden, sofern sie sich nicht ausserhalb der Universität – und somit zu einem deutlich höheren Preis – verpflegen, zu Werktags-Vegetariern. Sie müssen sich also einstellen auf Dinge wie Quinoaplätzchen statt Hamburger oder Tofu mit Broccoli statt Geschnetzeltem mit Rösti. Das Fleisch wird gestrichen, fertig mit «Lozärner Chögali-Pastete». Und zwar wegen dem Klima. Man wolle, schreibt die Kommunikationsstelle der Universität, «wichtige nachhaltige Akzente setzen».

Umerziehung statt Innovation

Der formelle Anlass für diesen Paradigmenwechsel ist eine neue Mensa-Betreiberin. Ab Ende August übernimmt die Zürcher Genossenschaft ZFV dieses Mandat, nachdem die bisherige Betreiberin, die Compass Group, ihren Vertrag wegen der Pandemie gekündigt hatte. Danach wurde der Auftrag ausgeschrieben, wobei die ZFV mit ihrer Liebe zum Fleischlosen das Rennen gemacht hat.
Nun ist gegen vegetarische Ernährung per se überhaupt nichts einzuwenden; die hier Schreibende kennt sich damit seit vielen Jahren bestens aus und ist als Sinologin und erfahrene Asienreisende auch dem in der Schweiz wenig beliebten Tofu ausgesprochen zugetan, vorausgesetzt, er wird in chinesischer, koreanischer oder japanischer Art zubereitet. Doch in der Luzerner Mensa geht es nicht um Ernährung oder um eine innovative Idee zur kulinarischen Weiterentwicklung der vegetarischen Küche. Hier geht es um Ideologie und Moralisierung.
Im Zuge der Klimadebatte wird auch die Ernährung zunehmend politisiert. Es eröffnen sich auf diesem Feld für links-grüne Gruppen, «achtsame» Unternehmen und regulierungsfreudige Politiker ungezählte Möglichkeiten, um die Bevölkerung oder die Belegschaft in einer paternalistischen Weise zu besseren Menschen zu erziehen und auf ein vermeintlich klimafreundliches persönliches Verhalten zu trimmen.

Der Wirt ist König

Das Stossende am Luzerner Fall ist das Fehlen einer Wahlmöglichkeit und die daraus resultierende Bevormundung, ja vielleicht sogar Stigmatisierung der Nichtvegetarier, die, glaubt man den Statistiken, wohl auch an der Universität Luzern die überwiegende Mehrheit stellen. Sie gehören als Studenten zwar zur künftigen Elite im Land, dürfen aber trotzdem nicht mehr selber entscheiden, was sie essen wollen. Das übernimmt künftig der Wirt.
Nun wird aber vielleicht auch in Luzern nicht alles so heiss gegessen wie gekocht. Der Fall ist schon zum Politikum geworden. Ausserdem will der Verband der Studierenden, dessen Leitung dem vegan-vegetarischen Mensaplänen positiv gegenübersteht, auch die kritischen Stimmen in die Evaluation der neuen Esskultur einfliessen lassen. Das lässt hoffen. Und schliesslich sei ein mobiles Ergänzungsangebot im Aussenbereich vorgesehen, das Fleisch und Fisch «punktuell einsetzen» könne, liess die Universität der «Luzerner Zeitung» ausrichten.

Verbieten statt überzeugen

Gleichwohl gibt der Fall zu denken. Nicht nur, weil auch an anderen Universitäten Bestrebungen in Richtung obligatorischem Vegetarismus laufen. Die Dynamik dieser schleichenden Verbote und Eingriffe in die Privatsphäre ähnelt doch sehr dem Werdegang des Rauchverbots. Weil es mühsam ist zu überzeugen, wird einfach verboten.
Und da die Liebe von Linksgrün zu Verbot, Vorschrift und Erziehung unendlich ist, ist es durchaus denkbar, dass dereinst auch die Fleischesser, die Weintrinker und die Schleckmäuler in die Raucherecke verbannt werden - oder vor die Tür - wie an der Universität Luzern.

Mehr von diesem Autor

image

Kampfbegriffe: Die Steueroase

Claudia Wirz18.10.2021comments

Ähnliche Themen