Fall Hirschmann: Strafanzeige wegen Steuerbetrug

Fall Hirschmann: Strafanzeige wegen Steuerbetrug

Die Strafanzeige gegen die Hirschmann-Brüder betrifft mutmasslichen Steuerbetrug in Millionenhöhe. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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von Stefan Millius am 23.6.2021, 08:05 Uhr
Küsnacht am Zürichsee. (Bild; Wikimedia/ Roland zh)
Küsnacht am Zürichsee. (Bild; Wikimedia/ Roland zh)
Gegen die Millionenerben Carl und Michael Hirschmann ist Strafanzeige erstattet worden (der Nebelspalter berichtete). Im Zentrum steht der Vorwurf, sie hätten ein Testament vernichtet sowie weitere Dokumente beiseitegeschafft und so die Gerichte in einer erbrechtlichen Auseinandersetzung irregeführt. Michael Hirschmann hat die Vorwürfe auf Anfrage des Nebelspalters als «haltlos» zurückgewiesen. Für ihn wie für seinen Bruder Carl gilt die Unschuldsvermutung.
Die Strafanzeige erstattet haben die ehemalige Lebenspartnerin von Erblasser Carl Hirschmann sen., S. Z., und deren Tochter. Sie machen geltend, arglistig um ein 10-Millionen-Legat gebracht worden zu sein.

Strafanzeige spricht von «fingiertem Sitz» in London

Die Strafanzeige erhebt aber noch einen weiteren schweren Vorwurf: «Steuerbetrug nach Bundesrecht und kantonal-zürcherischem Recht». Strafrechtlich sei zu beachten, «dass die Beschuldigten den Schweizer Gerichten vormachten, sie wohnten nach wie vor in Küsnacht/ZH. Tatsächlich hatten sie aus Steuergründen ihren Wohnsitz längst nach London/UK verlegt, um in der Schweiz weder Einkommens- noch Vermögenssteuer (allenfalls mit Ausnahme von hiesigen Liegenschaften) entrichten zu müssen», heisst es in der Strafanzeige.
Zu den Unterlagen, welche die Erben hätten «verschwinden lassen», gehörten «alle weiteren Dokumente über massgebliche Vermögenswerte des Erblassers auf Off-Shore-Banken», namentlich in Luxemburg und auf den Kanalinseln. Dies, so behaupten die Anzeigeerstatterinnen, sei «im Wissen darum» geschehen, «dass der Erblasser und sie als Erben der Steuerhoheit in der Schweiz (Gemeinde Küsnacht, Kanton Zürich, Schweizerische Eidgenossenschaft) unterlagen und mitnichten der Steuerhoheit UK, wo lediglich ein fingierter Sitz (non domicile resident) begründet worden war».

Sind «enorme Vermögenswerte» dem Steuerzugriff entzogen worden?

Der Vorwurf, den Fiskus in der Schweiz betrogen zu haben, steht gemäss Strafanzeige im Zusammenhang mit den «enormen Vermögenswerten», die Carl Hirschmann sen. mit dem Verkauf des Familienunternehmens Jet Aviation zugeflossen seien. Zusätzlich vergrössert worden sei das Vermögen des Erblassers aus dem Jet-Aviation-Verkauf durch ein Finanzkonstrukt, das die Strafanzeige als «Permira-Deal» bezeichnet. Die Erlöse aus diesem Deal seien in Off-Shore-Gesellschaften «schwarz parkiert» worden, um sie dem Steuerzugriff der schweizerischen Behörden auf «manipulative Weise» zu entziehen.
Um welche Dimensionen es sich dabei angeblich handelt, solle durch die Strafuntersuchung mit detaillierten Angaben zu einzelnen Gesellschaften und Transaktionen belegt werden. So seien 279'433'708.00 Franken – also über 279 Millionen – aus dem Verkaufserlös der Jet Holding AG von einer Dreamliner Lux. S.à.r.l. an eine Gesellschaft namens Aviation Finance SA geflossen, die sich «im wirtschaftlichen Eigentum des Erblassers Carl. W. Hirschmann befand». Es sei «indiziert, dass auch dieser Betrag an den schweizerischen Steuerbehörden vorbei geschleust wurde».

Schweizer Staat soll zu seinem Recht kommen

Gemäss Darstellung der Strafanzeige hat der im Jahr 2010 verstorbene Carl Hirschmann sen. Vermögenswerte im dreistelligen Millionenbereich am Schweizer Fiskus vorbeigeschleust. Was hätte dies nun aber mit seinen beiden Söhnen zu tun? Gegen Tote kann man bekanntlich nicht ermitteln, und das Schweizer Recht kennt keine Sippenhaft.
Die Strafanzeige macht geltend, dass die Beschuldigten «von dem gigantischen Steuerbetrug wussten und diesen weiterhin beförderten». In der Strafanzeige heisst es dazu: «Um nicht in die Problematik von Nach- und allfälligen Strafsteuern zu gelangen, waren die Beschuldigten bestrebt, Unterlagen bezüglich steuerrechtlicher Anknüpfung und Vermögenswerte, die im wirtschaftlichen Eigentum des Erblassers lagen, zu unterdrücken.»
Als Fazit formuliert die Strafanzeige zum Thema des von ihr behaupteten mutmasslichen Steuerbetrugs: «Es ist schwer nachvollziehbar, wieso der Schweizer Fiskus sich offenkundig nicht um diesen millionenfachen Betrug kümmerte und die Steuern, welche rechtens hätten erhoben werden müssen, offenbar weder verlangte noch einzog.» Die Staatsanwaltschaft werde ersucht, «die Strafuntersuchung gegen die Beschuldigten nachdrücklich und entschieden durchzuführen und dafür zu sorgen, dass sowohl die Strafanzeigeerstatterinnen als auch der einheimische Staat zu ihrem Recht kommen und die Beschuldigten zur Rechenschaft gezogen werden.»

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Stefan MilliusHeute, 07:46comments

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