Fake News: Wie Journalisten sich lächerlich machen

Fake News: Wie Journalisten sich lächerlich machen

Gesucht wird der Schweizer Journalist des Jahres. Die Auswahl ist ideologisch gefärbt – und die Medienschaffenden verhalten sich peinlich. So kann man diesen Berufsstand nicht mehr ernstnehmen.

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von Sebastian Briellmann am 5.11.2021, 13:36 Uhr
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In diesen Tagen zeigt sich in den sozialen Medien, und das ist noch vornehm formuliert, die unsympathische Seite des Journalismus. Anlass ist die Wahl zum «Journalisten des Jahres», durchgeführt vom Branchenmagazin «Schweizer Journalist:in», früher bekannt als «Schweizer Journalist».
Je fünf Personen in 14 Kategorien sind nominiert, also 70 insgesamt; man könnte etwas ironisch anmerken, dass genug Preise für alle da wären. Schaut man jedoch ins Internet, muss man ernüchtert konstatieren: dem ist nicht so: Da wird unter dem Deckmäntelchen-Satz, «wie viel einem die Nomination bedeutet», das eigene Ego gekitzelt, kurz: geblufft.
Die renommierte Journalistin Michèle Binswanger, die in diesem Jahr eine bemerkenswerte Recherche über den mehrfachen Mörder Günther Tschanun geschrieben hat, stellte zudem folgenden (und sicher nicht zwingend nötigen) Verdacht in den Raum: Dass sie wegen ihres Buchprojekts über Jolanda Spiess-Hegglin, das sie zum Feindbild vermeintlicher Gutmenschen gemacht hat, «oh Wunder» nicht nominiert worden sei: Da mokierten sich viele Branchenkollegen mit ironischen Tweets. Wären sie es nicht selber gewesen, die diese Zeilen geschrieben hätten, sie hätten bestimmt von Hetze gesprochen.


Man kommt nicht drumrum zu sagen: Dieses Verhalten ist beschämend, mehr noch: gruusig; ein Verhalten auch, das dem ganzen Berufsstand schadet. Wer das sieht, kann uns eigentlich nicht mehr ernstnehmen. Kein Wunder, denkt man sich, wollen genau diese Journalisten unbedingt staatliche Subventionen. Ein Gedanke noch am Rande: Staatsgelder für Hetze. Diese Rechnung kann aufgehen, wenn man die Geschichte von Spiess-Hegglin kennt. Man könnte sie durchaus als staatlich finanzierte Hate-Speecherin bezeichnen.

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Oberflächlich, abschätzig: Geht es um Binswanger, ist Spiess-Hegglin nicht weit. Gleich doppelt.

Leider, muss man sagen, wurde durch diese peinliche Posse eine vielleicht weniger beschämende, aber nicht minder demaskierende Tatsache übertüncht: die Auswahl der Nominierten, verantwortet von den beiden Chefredaktorinnen Charlotte Theile und Samantha Zaugg.
Es ist ein ideologisch gefärbtes Sammelsurium linker Journalisten, was aber durchaus in Ordnung ist. Grotesk wird es, wenn die Hauspostille der linksextremen Berner Reitschule, das «Megafon», als «Chefredaktor des Jahres» nominiert ist; ein anonymes «Kollektiv», dessen Methode die des linkssituierten Denunziantentums ist. Auch das «Megafon» könnte künftig in den Genuss von Batzeli in Form der Medienförderung kommen, sollte das Mediengesetz angenommen werden.
Staatlich finanzierter Untergrund. Ist das noch die Schweiz?
Es wirkt nicht sehr überzeugend, wenn man solche Nominationen trifft – und gleichzeitig immer von mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit spricht.

Die Welt, eine Komödie

Weitere Beispiele, bei denen man, frei nach Dürrenmatt, sagen muss: Dieser Welt ist nur noch mit der Komödie beizukommen. Das kleine Basler Jugendportal «Bajour», acht Redaktoren umfassend (die meisten in Teilzeit), bringt gleich vier Journalisten in die Auswahl – gleich viele wie der grosse Medienkonzern Ringier. Man fragt sich unweigerlich: Sind die, die in Basel nur für die eigene Bubble schreiben, wirklich so gut? Nun, so ganz sicher ist das nicht, wenn sogar «Bajour»-zugeneigte Beobachter diese Häufung für ziemlich übertrieben halten.
Weiter ist ein Journalist für die «Hauptstadt» nominiert, ein Berner Projekt, das publizistisch noch gar nicht gestartet ist. Was soll's? Lustig ist auch die Nominierung von Roger Schawinski. Und bitte nicht falsch verstehen: Schawinski hätte den Preis als «Audiojournalist des Jahres» zweifelsohne verdient, dass er aber fürs SRF nominiert ist, mutet merkwürdig an.
Da stellen sich Fragen: Wer setzt die Liste zusammen? Wie werden die Nominierten ausgewählt?


Gerne hätten wir diese Fragen und weitere besprochen, auch zum Eindruck der ideologischen Färbung. Eine Anfrage des «Nebelspalters» an die beiden Chefredaktorinnen blieb aber bis zur Publikation unbeantwortet. Allfällige Antworten reichten wir gerne nach. (*Das Statement zu den Fragen finden Sie am Ende des Textes.)
Es gibt aber auch einen Hoffnungsschimmer. Nominiert zum «Journalisten des Jahres» ist unter anderem Oliver Meiler, Italien-Korrespondent des «Tages-Anzeigers». Meiler, nicht unter Verdacht stehend, dem «Nebelspalter» nahe zu stehen, berichtet seit Jahren aus Rom über das Geschehen im Land, weit über die Politik hinaus, gut geschrieben, mit einem Faible für humorvolle, manchmal skurrile Geschichten auch. In diesem Jahr hat er auch ein lesenswertes Buch über die italienische «Agromafia» geschrieben. Sollte Meiler den Preis erhalten, wäre die Glaubwürdigkeit des Branchenmagazins zumindest oberflächlich gerettet.
Vergessen machen würde dies die fragwürdige Auswahl – und vor allem das juvenile Verhalten vieler Medienschaffender rund um diesen Preis – jedoch nicht.

*Statement von Charlotte Theile

«Wir haben Ende September mehr als 500 Journalist:innen angeschrieben und zudem auf Social Media um Nominationen gebeten. Uns erreichten in der Folge einige hundert Mails mit Nominationen – nicht wenige davon waren seitenlange Lobeshymnen auf Kolleg:innen. Dieser enorm positive Blick auf andere Journalistinnen und Journalisten hat uns sehr gefreut – genau das sollte auch der Geist dieser Auszeichnung sein. Bei der Auswahl haben wir es so gehalten: Wer mehrfach nominiert war, schaffte es fast automatisch auf die Kandidat:innenliste. Das war zum Beispiel beim Megafon der Fall. Was Bajour angeht: Auch hier gab es sehr viele Nominationen – vielleicht weil diese Publikation vergleichsweise neu ist und viele Kollegen so ihre Anerkennung zeigen wollten. Wir haben hier bereits eingegriffen und nicht alle mehrfach Nominierten von Bajour aufgeführt.»

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