«Eine Schande»: Deutscher soll in den Verwaltungsrat der Post

«Eine Schande»: Deutscher soll in den Verwaltungsrat der Post

Tessiner Parlamentarier protestieren gegen Personalentscheid von Bundesrätin Sommaruga.

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von Dominik Feusi am 18.6.2021, 07:33 Uhr
Bundesrätin Sommaruga erzürnt die Tessiner Parlamentarier. (Bild: World Economic Forum, CC-Lizenz)
Bundesrätin Sommaruga erzürnt die Tessiner Parlamentarier. (Bild: World Economic Forum, CC-Lizenz)
Simonetta Sommaruga schlägt den in Deutschland aufgewachsenen Doppelbürger Dirk Reich dem Bundesrat für den Verwaltungsrat der Post vor. Im Parlament und der Bundesverwaltung regt sich dagegen Widerstand.

Dritte Gelegenheit

Der Grund: Es ist das dritte Mal in Folge, dass Bundesrätin Sommaruga das Tessin und das italienisch sprechende Graubünden bei der Besetzung des Verwaltungsrates der Post nicht berücksichtigt. Im Moment stammt kein einziges Mitglied des Verwaltungsrates aus der italienischen Schweiz. Letzten Sommer hat Sommaruga dem Bundesrat sogar den abgewählten SP-Nationalrat Pardini als Tessiner verkaufen wollen, weil er italienisch spricht.
Im Parlament versprach Sommaruga danach auf eine Frage von Marco Romano (Mitte), dass der Bundesrat die Vertretung der Sprachregionen bei der nächsten Gelegenheit wieder respektieren werde. Doch auch bei der Nachfolge für Post-Präsident Urs Schwaller bevorzugte sie einen Parteigenossen statt einen Vertreter der Südschweiz. Weder Pardini noch Levrat zeichnen besondere Kenntnisse des Postgeschäfts aus. Levrat erfüllt nicht einmal das offizielle Anforderungsprofil, das «umfassende Erfahrung und erfolgreiche Tätigkeit in leitenden Positionen von grösseren, wenn möglich international tätigen Unternehmen» verlangt.

Verwaltungsrat muss Regionen abbilden

«Es ist eine Schande», sagt Marco Romano heute. «Etwas im Parlament versprechen und sich dann nicht daran halten, das ist das Schlimmste, was man machen kann.» Der Verwaltungsrat der Post müsse die Regionen der Schweiz abbilden, es gehe um Themen wie Versorgung und Service Public. Mit der Wahl von Dirk Reich sei das wieder nicht der Fall. «Die SP tut immer so, als sei ihr die regionale und sprachliche Vielfalt wichtig, aber ihre Bundesrätin macht das Gegenteil.»

Aus bundesratsnahen Kreisen heisst es, Reich habe bei der Post die Aufgabe, jene Kenntnisse in den Verwaltungsrat zu bringen, die den Herren Pardini und Levrat fehlen.


Reich ist Profi-Verwaltungsrat in zahlreichen Unternehmen der Logistikbranche und kam in den Neunzigerjahren für den weltweit erfolgreichen Logistikkonzern Kühne & Nagel in die Schweiz, für den er insgesamt 20 Jahre arbeitete. Aus bundesratsnahen Kreisen heisst es, Reich habe bei der Post die Aufgabe, jene Kenntnisse in den Verwaltungsrat zu bringen, die den Herren Pardini und Levrat fehlen würden.
«Der Kandidat mag ein Fachmann für Logistik sein, aber die Post ist viel mehr als Logistik», findet Romano. «Und selbst dieses Wissen findet man in der italienischen Schweiz genau so, wir sind der Kanton mit der wichtigsten Logistikroute der Schweiz.»

Frauenquote nicht eingehalten

Sogar das Eidgenössische Personalamt (EPA) hat sich ins Personalgeschäft eingeschaltet und weist darauf hin, dass die Besetzung der vom Bundesrat selber vorgesehenen Anteilen der Regionen widerspricht. Und auch die angestrebte Frauenquote von 40 Prozent werde mit dem Entscheid von Bundesrätin Sommaruga nicht eingehalten
Die Tessiner Delegation im Parlament hat in einer Medienmitteilung den Vorschlag scharf kritisiert. Marco Romano hat zudem eine Interpellation eingereicht. Er will von Bundesrätin Sommaruga wissen, wieso sie sich nicht an ihr eigenes Versprechen halte und ob sie ein Problem mit der italienischsprachigen Schweiz habe. Diese Fragen muss Bundesrätin Sommaruga bis zur nächsten Session beantworten. Auf Fragen des «Nebelspalters» schreibt Sommarugas Departement nur, man kommentiere solche Informationen nicht.
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