Pizza-Gate: Die Schweiz steht auf eine kulinarische Todsünde

Pizza-Gate: Die Schweiz steht auf eine kulinarische Todsünde

Ananas auf einer Pizza? Jeder Italiener kriegt da Schnappatmung. Laut einer Umfrage finden auch 63 Prozent der Schweizer: Das geht gar nicht. Die Realität sieht aber anders aus: «Hawaii» ist die zweitbeliebteste Pizza im Land. Jedenfalls laut einer Umfrage.

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von Stefan Millius am 14.4.2021, 12:00 Uhr
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Zugegeben: Repräsentativ ist die Befragung des deutschen Kochboxen-Vertreibers «HelloFresh» nicht. Dort hat man einfach eine Googleumfrage lanciert, an der mit 743 Personen auch nicht gerade Heerscharen teilnahmen. Aber immerhin sind Teilnehmer aus allen Kantonen und Altersgruppen vertreten. Für eine Art Pizza-Stimmungsbarometer reicht es damit.

2 Prozent Totalverweigerer

Die erste Überraschung wartet bei der Frage, wie oft Herr und Frau Schweizer im Restaurant eine Pizza essen. Fast 70 Prozent sagen: 1 bis 2 Mal pro Monat reicht. 17 Prozent können mit der italienischen Spezialität gar nichts anfangen. Regelrechte Pizza-Junkies, die wöchentlich 2 oder mehr Pizzen brauchen, gibt es nur 2 Prozent.
Aber die wahre Enthüllung der Umfrage liegt in der Ananas. 63 Prozent der Befragten sagen, dass die tropische Frucht auf keinen Fall auf einen italienischen Untergrund gehört. Die deutliche Ablehnung zieht sich durch beide Geschlechter, alle Altersgruppen und alle Kantone.
Was zur Frage führt: Warum steht die Pizza Hawaii denn überhaupt noch auf irgendeiner Speisekarte?

Umstrittener Topseller

Ganz einfach: Weil sie sich verkauft. Und wie. Die beliebteste Pizza in der Schweiz – immer laut dieser Umfrage – ist zwar diejenige mit Salami als Belag. Rund ein Drittel gibt an, sich am liebsten für sie zu entscheiden. Aber bereits Platz 2 mit 25 Prozent gehört der süss-sauren Variante. Für fast zwei Drittel geht die Ananas also überhaupt nicht, für einen Viertel hingegen muss es genau sie sein. Es klingt schon fast wie eine Religion.
Haben wir vielleicht einen Ananasgraben statt eines Röstigrabens? Wenn, dann eher im individuellen Geschmacksempfinden als zwischen den Landesteilen. Denn die Pizza Hawaii ist quer durch die Schweiz weit oben auf der Liste, in der Deutschschweiz genau wie in der Westschweiz. Nur in ganz wenigen Kantonen wird sie nicht in der engsten Auswahl erwähnt, darunter – es war zu erwarten – im Tessin. Aber fast überall sonst findet man sie auf Platz 2 oder 3 der Topseller. Im Aargau ist sie sogar die Spitzenreiterin (31 Prozent). Aber auch im mondäneren Kanton Zug ist die Ananas die erste Wahl.

Ergebnis wird bestätigt

Wer es nicht glaubt, weil bekanntlich nicht sein kann, was nicht sein darf: Eine Umfrage der Bestellplattform eat.ch ergab vor vier Jahren ein ähnliches Resultat. Dort war die «Hawaii» in sechs von acht ausgewerteten Städten die am dritthäufigsten georderte Pizza. Und natürlich sind diese Zahlen, die sich auf echte Bestellungen beziehen, noch viel aussagekräftiger als eine Onlineumfrage. Denn anonym zu behaupten, man habe gern Pizza Hawaii oder sie tatsächlich auch essen: Das ist ein ziemlicher Unterschied.
Übrigens geben 54 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer an, die Pizza lieber selbst zuhause zuzubereiten als sie im Restaurant zu essen. Ob das aussagekräftig ist, nachdem man seit Monaten gar nicht mehr auswärts essen kann, ist eine andere Frage.

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