Die Schweiz hat eine der härtesten Isolation-Regeln

Die Schweiz hat eine der härtesten Isolation-Regeln

Der Bundesrat will die Quarantänezeiten anpassen, belässt bei der Isolation aber – fast – alles beim Alten. Damit ist die Schweiz eines der strengsten Länder in Europa.

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von Serkan Abrecht am 31.12.2021, 13:51 Uhr
Will handeln, ist aber langsamer als die anderen Länder: Gesundheitsminister Alain Berset (SP). Bild: Keystone-SDA
Will handeln, ist aber langsamer als die anderen Länder: Gesundheitsminister Alain Berset (SP). Bild: Keystone-SDA
Einmal mehr wusste der «Blick» als Erster, was der Bundesrat beschliessen möchte: Die Dauer der Quarantäne für Personen, die mit einem Covid-Infizierten Kontakt hatten, soll von zehn auf sieben Tage reduziert werden. Bei der Isolation für positiv Getestete bleibt die Regelung gleich: Sie müssen sich für zehn Tage in ihrem Heim isolieren – ausser sie haben keine Symptome mehr. Dann darf derjenige ebenfalls nach sieben Tagen das Haus verlassen (lesen Sie in unten die neusten Ankündigungen des Bundesrates).
Der Schweizer Komiker Gabriel Vetter macht sich deshalb auf Twitter über den Bundesrat lustig. «Bundesrat verkürzt Schwangerschaften auf 5 Monate, um den Nachschub an Nachwuchs-Pflegekräften zu beschleunigen», schreibt Vetter.


Seine humoristische Kritik an der Regierung greift aber zu kurz, da die Schweiz nicht nur bei der Isolation, sondern auch bei der Quarantäne eine der strengsten Regeln hat. Da sich bei höheren Fallzahlen auch immer wie mehr Menschen in Quarantäne oder Isolation begeben müssen und somit in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst fehlen, haben etliche Länder ihre Regelungen schon länger angepasst.

Kurze Isolation – trotz Fallzahlen-Rekord

In Holland darf man bei einem negativen Resultat bereits nach fünf Tagen die Isolation verlassen. In den USA darf man die Isolation verlassen, wenn man zwei Tage symptomfrei ist. Die gleiche Regel gilt auch in Dänemark.
In Schweden reicht es, wenn man nach sieben Tagen keine Symptome mehr hat, um das Haus wieder zu verlassen. Ist man in Ungarn symptomfrei und kann einen negativen Covid-Test vorweisen, darf man die Isolation beenden – unabhängig davon, wie lange man sich isoliert hat. In Spanien dürfen Infizierte nach sieben Tagen wieder in die Freiheit. Dasselbe gilt in Portugal. Dies, obwohl dort am Donnerstag mit 28’659 Fallzahlen der höchste Wert seit Beginn der Pandemie verzeichnet wurde.

Freie Finnen in Quarantäne

Auch bei der Quarantänefrist sind die meisten europäischen Länder bereits weiter als in der Schweiz. In Finnland etwa darf man nach sechs Tagen und einem negativen Test die Quarantäne beenden. Während dieser Zeit müssen die Finnen aber nicht zu Hause sitzen und Däumchen drehen. Wenn sie enge Kontakte und öffentliche Orte wie Bars, Restaurants, Einkaufszentren oder Büros vermeiden, dürfen sie sich frei bewegen.
Einen Ausflug auf die finnische Seeplatte oder alleine in der Werkstatt weiterarbeiten, ist dort auch während der Quarantäne möglich. So versuchen die Finnen, die Wirtschaftsproduktivität trotz der steigenden Fallzahlen einigermassen konstant zu behalten.

«Gutschweizerische Sicherheitsmarge»

Bei den genannten Ländern fällt eine strenge Quarantäne-Pflicht für Geimpfte und Genese aus. In der Schweiz ist das ebenfalls so – ausser in den Kantonen Aargau, Bern und Tessin. Dort müssen alle Betroffenen in Quarantäne. Egal, ob geimpft, genesen oder ungeimpft.
Im «Blick» sprechen Experten zur geplanten 7-Tage-Regelung von einer «gutschweizerischen Sicherheitsmarge». Es ist wohl eher der berüchtigte «Swiss finish», wie bei der Regulierung. Folgekosten inklusive.

Ausserordentliche Bundesratssitzung

Der Bundesrat hat sich am 31. Dezember an einer ausserordentlichen, telefonisch abgehaltenen Sitzung über die epidemiologische Lage ausgetauscht. Er betont die schwierige Situation in den Spitälern. Es sei davon auszugehen, dass die Zahl der Ansteckungen und Hospitalisierungen weiter zunehmen wird. Unklar sei aber, wie viele der hospitalisierten Personen auf einer Intensivpflegestation behandelt werden müssen. Der Bundesrat verzichtet im Moment auf weitergehende Massnahmen. Ein Massnahmenpaket sei aber bereit.

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Serkan Abrecht31.12.2021comments

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