Die Hälfte der Älteren will länger arbeiten

Die Hälfte der Älteren will länger arbeiten

Eine Studie der Swiss Life zeigt: Die Zahl der über das Rentenalter hinaus Erwerbstätigen hat deutlich zugenommen, aus Freude an der Arbeit. Und der Trend könnte weitergehen.

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von Dominik Feusi am 27.4.2021, 08:05 Uhr
Die Hälfte der älteren Generation will weiter arbeiten, wenn die Bedingungen stimmen. (Bild: shutterstock)
Die Hälfte der älteren Generation will weiter arbeiten, wenn die Bedingungen stimmen. (Bild: shutterstock)
Während die Politik seit Jahren über eine Anpassung des ordentlichen Rentenalters an die gestiegene Lebenserwartung diskutiert, sehen das viele Betroffenen längst flexibler. Rund ein Drittel der Männer und ein Viertel der Frauen arbeiten bereits heute über das Rentenalter hinaus. Im Jahr 2019 waren das 190000 Personen, 75 Prozent mehr als noch zur Jahrtausendwende. Am häufigsten waren Selbstständige, Freiberufler, Ärzte oder Landwirte länger tätig als nötig.
Und dieser Anteil könnte bald noch steigen. Knapp die Hälfte der 1472 im Auftrag der Versicherung Swiss Life befragten 55- bis 70-Jährigen können es sich vorstellen, länger als bis zum Rentenalter zu arbeiten. Nur 29% gaben an, dass dies nicht infrage gekommen wäre. Für zwei Drittel der Befragten ist die freie Wahl des Pensionierungszeitpunktes Ausdruck der Selbstbestimmung.

Anreize sind entscheidend

Entscheidend dafür sind gemäss der Studie nur bei einem Viertel der Befragten finanzielle Gründe, sondern Freude an der Tätigkeit (zwei Drittel). Entsprechend sagen die Betroffenen, dass die Wertschätzung des Arbeitgebers und ein gutes Arbeitsklima die Voraussetzung sind, um über 64/65 hinaus zu arbeiten. Knapp die Hälfte der Befragten wünschen sich bessere finanzielle Bedingungen, beispielsweise einen höheren Lohn oder tiefere Steuern als Anreiz weiter zu arbeiten.
Wer länger arbeitet, der kann heute seine Rente aufschieben. Doch fast niemand tut das. «Oft findet der Altersrücktritt gestaffelt statt», sagt Studienautor Andreas Christen. Nahezu alle Erwerbstätigen würden ab dem ordentlichen Rentenalter eine Altersleistung beziehen, rund ein Drittel bis zur Hälfte reduziere ihr Pensum.
Der Freiburger Ökonom Reiner Eichenberger sagt, die heutige Regelung sei unattraktiv. Eine höhere Rente lohne sich nur für jene, die ganz sicher seien, dass sie deutlich älter als 86 würden, sagt er. «Und wer weiss das schon?»

Lohnbeiträge und Steuern senken

Die viel bessere Alternative sei, die Rentenbeitragssätze der Menschen zu senken, die länger arbeiten wollen. Zusammen mit der Ökonomin Ann Bauer hat er ein solches Modell entwickelt. «Nach unserer Schätzung könnte man denen, die mit 55 entscheiden, erst ab 67 Rente zu beziehen, die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge zur AHV und zweiten Säule halbieren», sagt Eichenberger, «so wäre Arbeit bis 67 sofort sehr beliebt.»
Zweitens sollte den Menschen, die über 67 hinaus arbeiten, die Einkommenssteuern auf Arbeitseinkommen stark gesenkt, zum Beispiel halbiert werden. «Heute unterliegt das Arbeitseinkommen von Rentnern einer enormen Steuerbelastung, weil sie voll in die Steuerprogression kommen.» Mit dem Modell der Halbbesteuerung würden viele weiterarbeiten und die ganze Volkswirtschaft würde massiv profitieren, findet Eichenberger.
Drittens sollten die Steuereinnahmen, die dank der Mehrarbeit anfallen, nicht ins allgemeine Staatsbudget, sondern in die AHV fliessen. «So wäre dann das Rentenproblem ohne jeden Zwang und Nachteile für irgendjemand gelöst», sagt Eichenberger.

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