Die Gurke der Woche - Das SRF und die Besetzung der Arena

Die Gurke der Woche - Das SRF und die Besetzung der Arena

Heute Abend (Freitag 14. Mai) findet die SRF Arena zum CO2-Gesetz statt. Alle vier eingeladenen Gegner sind SVP-Mitglieder. Dabei hätte es Alternativen gegeben.

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von Sandro Frei am 14.5.2021, 13:55 Uhr
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Diese Woche verleihen wir die Gurke der Woche ans SRF, genauer gesagt ans Team der Arena unter Leitung von Produzentin Franziska Egli. Wir gratulieren herzlich!
Die jeden Freitag in die helvetischen Stuben ausgestrahlte Arena-Sendung ist ein wichtiges Element in der Meinungsfindung der Stimmbürger. Ziel ist es, einen möglichst neutralen und unabhängigen Blick auf die Pro- und Kontraseite zu werfen, damit sich der Zuschauer eine Meinung bilden kann, wie er abstimmen möchte. Inzwischen ist die Arena zur Tradition im politischen Alltag geworden.
Darum sind immer gleich viele Vertreter der Pro- und der Kontraseite da. Meist stehen jeweils zwei in der ersten Reihe und zwei weitere Vertreter in der zweiten Reihe. Bei der Auswahl der Gäste soll gemäss den publizistischen Leitlinien der SRG auf eine möglichst repräsentative Auswahl der Gäste sowie das Abbilden möglichst aller wichtigen Gruppen geachtet werden.

Arena zum Co2-Gesetz

Heute Abend befinden sich auf der Pro-Seite Bundesrätin Simonetta Sommaruga als verantwortliche Bundesrätin, FDP-Ständerat Damian Müller, Klimaforscher Reto Knutti sowie Mitte-Nationalrätin Priska Wismer, die wie Damian Müller aus dem Kanton Luzern stammt.
Auf der Contra-Seite finden sich Nationalrat Christian Imark, Nationalrat Thomas Hurter, der Zürcher Kantonsrat Ueli Bamert, sowie der HEV-Vertreter Markus Meier. Was die vier alle gemeinsam haben? Klar, es sind alles Männer, aber vor allem sind alle vier SVP-Vertreter. Vier Gegner, alle aus derselben Partei. Stellt dies noch die vom SRF vorgegebene Repräsentanz und Ausgewogenheit der Berichterstattung dar?
Gleichzeitig werden andere Komitees, die das CO2-Gesetz ebenfalls bekämpfen, ganz aussen vor gelassen, beispielsweise das liberale Komitee für eine wirksame Umweltpolitik. In dem über 100 Mitglieder umfassenden Komitee sind neben vielen Jungen auch einige national bekannte Nationalräte vertreten, darunter auch der FDP wie Christian Wasserfallen oder Marcel Dobler. Das Komitee wurde vom SRF schlicht nicht kontaktiert, obwohl in der ganzen Deutschschweiz Plakate des Komitees hängen.
Hat das SRF bewusst nur SVP-Vertreter eingeladen, um die Gegner des Referendums in die konservative Ecke zu drängen? Es gibt ein ganz anderes Bild ab, wenn auch Vertreter aus anderen Verbänden und Branchen sowie Organisationen sich gegen eine Vorlage aussprechen, als wenn alle vier von der SVP sind. Vor allem fehlt ein freisinniger Gegner, welcher der Gegnerschaft wesentlich mehr Schlagkraft verliehen hätte.

Bei der SP wars noch anders

Insbesondere, wenn man bedenkt, dass in der Arena-Sendung zur Konzernverantwortungsinitiative eine Juso-Vertreterin gegen einen Ex-Juso-Vertreter angetreten ist. Da war es offenbar kein Problem, dass ein parteiinterner Streit am Freitagabend auf nationaler TV-Bühne ausgetragen wird. Beim CO2-Gesetz, bei dem gemäss neusten Umfragen zwischen 47 und 59 Prozent der FDP-Wähler gegen das Gesetz sind, und die Partei somit zutiefst gespalten ist, erachtet es das SRF nicht für nötig, alle relevanten Akteure abzubilden. Für viele ist der Urnengang zum CO2-Gesetz die wichtigste Abstimmung der letzten Jahre, geht es doch einerseits darum, wie die Schweiz mit dem nicht zu vernachlässigenden Thema Klimawandel umgeht, und andererseits aber auch um sehr viel Geld.

Unter der Rubrik «Die Gurke der Woche» küren wir die gewagteste Mediengeschichte der Woche. Schauen Sie vorbei, wenn wir jede Woche eine neue Geschichte ehren. Was stimmt, was ist übertrieben, was ist schlicht falsch? Der Nebelspalter spaltet den Nebel.

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