Die freye Jury

Die freye Jury

Kabarettist und Verleger Patrick Frey ist der Liebling des Bundesamts für Kultur. Er wird jedes Jahr mehrfach ausgezeichnet. Vielleicht, weil er mit der Jury fest verbandelt ist?

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von Beni Frenkel am 14.5.2021, 17:28 Uhr
Patrick Frey hat bereits viele ausgezeichnete Bücher herausgegeben. Bild: SRF
Patrick Frey hat bereits viele ausgezeichnete Bücher herausgegeben. Bild: SRF
Zu den Aufgaben des Bundes gehört es, jedes Jahr die die «schönsten Bücher». Hier geht es nicht um den Inhalt, sondern ums Aussehen. Im April stellte der Bund seine schönsten Bücher vor. Die formalen Bedingungen werden nicht so streng ausgelegt. Dieses Jahr erhielt zum Beispiel das Buch «Tenant of Culture» das Prädikat. Die beiden Autoren kommen aus dem Ausland, der Verlag sitzt in England. Dort wurde es auch redigiert und gedruckt. Das einzig schweizerische daran ist: Einer der beteiligten Designer ist Schweizer (der in London arbeitet). Im Schweizer Buchhandel ist das schöne Buch nicht erwerbbar.
Zum Glück lebt und arbeitet Patrick Frey in der Schweiz. Er ist vor allem als Komödiant bekannt. Frey führt einen eigenen Verlag: die Edition Patrick Frey. Ausserdem ist er verheiratet mit einer Tochter des 2015 verstorbenen Millionärs Rolf Bloch. In der Edition Patrick Frey kommen jedes Jahr Werke heraus, die Aufnahme in die schönsten Schweizerbücher finden. Dieses Jahr sind es zwei, letztes Jahr drei und 2018 waren es auch schon zwei.
Hinter dem Medaillenregen steckt entweder Zufall, Können oder etwas anderes. Von den fünf Jurymitgliedern haben zwei Bücher bei Patrick Frey herausgegeben, darunter Jurypräsident Gilles Gavillet. Andere Mitglieder führten öffentliche Veranstaltungen mit ihm durch und halfen bei der Promotion, zum Beispiel anlässlich einer Vernissage.
Das Bundesamt für Kultur (Bak) erkennt da keinen Interessenskonflikt. Handlungsbedarf sieht es nur dann, wenn ein «Jurymitglied an der Entwicklung eines Buches mitgewirkt hat.» Anscheinend kommt es häufig zu solchen Interessenskonflikten der gröberen Art: «Jedes Jahr werden mehrere Bücher zurückgezogen.»
Die Schweizer Buchszene ist klein. Jeder kennt jeden. Damit solche Manipulationen nicht passieren, sollten in der Regel Aussenstehende in der Jury sitzen, am besten «eine internationale Jury», wie das Bak schreibt. Blöd nur, sitzen in der Jury vier Schweizer und eine Deutsche (die in Zürich arbeitet). Dass so viele Schweizer in der Jury sitzen, sei coronabedingt, schreibt ein Bak-Sprecher. Gavillet präsidiert allerdings schon seit vielen Jahren die Jury.
Der Anlass um die schönen Bücher hat noch ein Problem: Er wird belächelt. Ein Schweizer Verleger drückt es so aus: «Es werden keine Bücher ausgezeichnet, die für einen zugänglichen Markt publiziert werden, sondern nur Objekte, die sozusagen unter Laborbedingungen entstanden sind.»
Die prämierten Bücher schaffen fast nie eine zweite Auflage. In den regulären Buchhandel kommen die wenigsten. Doch ist das Aufgabe des Bundes? Der Verleger sieht die Aktion als Arbeitsbeschaffungsmethode: «Eine Handvoll Grafiker zeichnet sich gegenseitig aus.»
Der Nebelspalter konfrontierte Patrick Frey mit den Aussagen dieses Artikels. Frey schrieb uns nach Erscheinen des Artikels: «Sehr geehrter Herr Frenkel, was da herausgekommen ist, ist ein derart schlampig geschriebenes Elaborat, dass ich darauf verzichte, mit mehr als folgendem Fakt darauf einzugehen. Von wegen «selten erreicht ein Buch eine 2. Auflage»: Alleine in den letzten zwei Jahren erreichten zehn unserer Publikationen eine 2. Auflage, drei davon sogar eine 3. Auflage! Und: Alle Publikationen, auch die meiner Verleger-Kollegen sind im regulären Buchhandel erhältlich!!»
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