Der Bundesrat wird zum Fallensteller

Der Bundesrat wird zum Fallensteller

Das Covidzertifikat soll zum Mass fast aller Dinge in der Schweiz werden. Ab wann, das ist noch offen. Störender als dieser Entscheid, der zu erwarten war, sind die Finten und Fallen, die der Bundesrat in die neue Verordnung packt.

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von Stefan Millius am 25.8.2021, 16:00 Uhr
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Die Kantone können noch Stellung beziehen zur neuesten Massnahmenrunde, und ab wann sie gelten soll, ist offen. Aber es läuft darauf hinaus, dass man als Gast von Restaurants und Bars, Kinos und Museen, Zoos und anderem mehr künftig Besitzer des Covidzertifikats sein, also eines der 3G erfüllen muss: Genesen, getestet oder geimpft.
Da ein aktiver Mensch vermutlich immer mal wieder eine der genannten Aktivitäten geniessen will, man die Tests bald selbst bezahlen muss und nur eine Minderheit «genesen» ist, läuft die Ausweitung von 3G auf etwas viel Simpleres hinaus: Eine Impfbescheinigung, die für immer mehr Bereiche des Lebens gilt.

Unglaubwürdiges Dementi

Aber sagen würde das niemand. Das Schema ist seit 2020 dasselbe. Der Bundesrat umgeht klare Worte, mehr noch, er streitet das, was völlig erkennbar sein Ziel ist, vehement ab. Nein, man wolle mit der Ausdehnung der Zertifikatspflicht nicht etwa mehr Leute zur Impfung bewegen, sondern nur die Spitäler vor der Überlastung schützen, sagt Bundesrat Alain Berset.
Wie glaubwürdig das ist, zeigt die tägliche Realität. Draussen vor der Tür läuft eine teure, flächendeckende Impfkampagne, Menschen werden mit «free food and drinks» zum Pieks bewegt, und seit Wochen wird uns eingeredet, nur die Impfung könne die Volksgesundheit schützen. Wer dann eine neue Offensive an der Massnahmenfront startet und ernsthaft sagt, man wolle damit nicht die Impfbereitschaft erhöhen, hält das eigene Volk für nicht besonders intelligent.

Mehr Geimpfte dank Mobbing

Vor allem, weil der Bundesrat – nicht zum ersten Mal – Winkelzüge in eine Verordnung einbaut, die ebenfalls nur zum Ziel haben, die Impfquote zu steigern.
Bei einem dieser Winkelzüge werden Erinnerungen an die Schulzeit wach. Wenn man als unsportliches Kind beim Stafettenlauf im Turnunterricht drei Sportskanonen zugeteilt wurde, hatte man verloren. Im Alleingang riss man das Team in die Niederlage und war danach als Schuldiger das perfekte Mobbingopfer.
In etwa das macht der Bundesrat jetzt mit dem Personal in der Gastronomie. Dieses darf gemäss den aktuellen Vorschlägen ohne Zertifikat arbeiten. Wer 3G nicht erfüllt, muss dabei aber eine Maske tragen. Das Perfide: Befindet sich nur eine einzige Person ohne Zertifikat darunter, muss das ganze Team Maske tragen, auch die Leute mit Zertifikat. Unschwer zu erraten, zu welcher Zielscheibe des Hasses die einzige ungeimpfte Bedienungskraft in einer zehnköpfigen Mannschaft dadurch wird – und sich vermutlich bald unter Druck impfen lässt. Denn auf eigene Kosten lässt sich niemand täglich testen, um arbeiten zu dürfen.

Sprachbarriere und Prognosen

Es ist gar keine Frage: Mit solchen psychologischen Tricks will man die erlahmende Impfbereitschaft wiederbeleben, auch wenn das abgestritten wird. Es ist dieser Mangel an Ehrlichkeit, der seit eineinhalb Jahren die Landesregierung in der Coronafrage prägt. Erst vor Kurzem hatte Berset eine Ausweitung der Zertifikatspflicht auf alltägliche Bereiche wie die Gastronomie noch ausgeschlossen, nun soll diese Aussage einem sprachlichen Problem des Westschweizers geschuldet gewesen sein. Irgendwie praktisch, einer Sprachminderheit anzugehören.
Und wenn es mal kein Versprecher ist, dann ist eben die Situation für den Meinungsumschwung verantwortlich, die sich völlig unerwartet und in irrem Tempo verschlechtert habe. Das aber stimmt nur, wenn man Schlagzeilen glaubt, statt selbst öffentlich einsehbare Statistiken zu konsultieren. Das Gesundheitswesen ist weit von einer Überlastung entfernt. Weil man auch das aktuell schlecht wegreden kann, müssen wie immer die Prognosen herhalten, die leider schlecht seien. Prognosen, angefertigt von den Leuten, die seit 18 Monaten so gut wie immer falsch lagen mit ihren Panikszenarien.

Von Hilflosigkeit zu Hilflosigkeit

Der Bundesrat weiss laut eigenem Bekunden nicht, ob das, was er vorschlägt, nötig sein wird, ab wann es vielleicht nötig sein wird, und wenn er ehrlich ist, weiss er auch nicht, ob das alles irgendetwas bringt. Um diese Unwissenheit zu übertünchen, stellt er seinen Plänen als einzige Alternative die noch verheerenderen Lockdowns entgegen. Die, wie Studien zeigen, auch nie etwas gebracht haben. Pest oder Cholera? Eine evidenzlose Hilflosigkeit wird hier einfach gegen die andere ausgespielt.
Würden sich wie in einem Hollywoodstreifen nun in der Tat über Nacht 100 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer impfen lassen, was würde dann eigentlich geschehen? Wäre dann alles wie früher? Kaum. Schon oft wurde «Normalität» versprochen beim Eintreten bestimmter Parameter, aber nie wurde Wort gehalten. Dann würde es vermutlich einfach neu darum gehen, eine dritte oder vierte oder eine «Booster-Impfung» zu vermarkten. Das alles scheint ja offenbar nötig zu sein, weil die sagenumwobene Impfung nicht hält, was sie verspricht. Wer «nur» doppelt geimpft ist, wäre dann plötzlich das neue Opfer des Stafettenlaufs.
Und keiner bricht diesen ewigen Zyklus.

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