Der Ausserrhoder Landammann macht den Spritzen-Samichlaus

Der Ausserrhoder Landammann macht den Spritzen-Samichlaus

Dölf Biasotto, Landammann des Kantons Appenzell Ausserrhoden, richtet sich mit einem adventlichen Appell der Versöhnung an das Volk. Höhepunkt des Videoclips: Er zaubert Coronautensilien aus einem Samichlaus-Säckli. Es sind lange zehn Minuten für die Zuschauer.

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von Stefan Millius am 3.12.2021, 11:00 Uhr
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Immer mal wieder wenden sich Ausserrhoder Regierungsmitglieder per Videobotschaft an die Menschen im Kanton. Sie haben die bewegten Bilder als schnelles, komfortables Medium entdeckt, niederschwelliger als Medienmitteilungen, die zudem selten im Original erscheinen. Das ist immer ein Ärgernis für Regierende. Auf YouTube können sie sich unverfälscht präsentieren.

Ins Blatt statt in die Kamera vertieft

Was sich aber lohnen würde: Die Anschaffung eines Teleprompters. Denn der Landammann (Regierungspräsident) des Kantons, der FDP-Mann Dölf Biasotto, bestreitet seinen mehr als zehn Minuten langen jüngsten Videoauftritt mit einem Bündel Papier und hat nur selten die Chance, sich direkt an den Betrachter zu wenden. Zu sehr ist er in das Geschriebene vertieft.
Ansonsten sind es faszinierende zehn Minuten. Zunächst schildert Biasotto die dramatische Ausgangslage: Corona ist noch nicht vorbei, die Spitäler sind voll, Omikron rollt an und so weiter. Ein klein bisschen wirkt das Ganze wie ein Provinz-Berset. Danach spricht er kurz vom für den Bundesrat erfolgreichen Abstimmungssonntag, bevor er Richtung Advent schwenkt. Die Spaltung der Gesellschaft macht dem Landammann Sorgen, man müsse Toleranz aufbringen, Vertrauen fassen und sich gegenseitig versöhnen. Gerade in dieser Jahreszeit.

Mandarinli, Schöggeli – aber noch mehr!

Und er hat auch eine Idee, wie das mit der Versöhnung klappt. «Mit einer kleinen Geste», so Dölf Biasotto und zieht ein Samichlaus-Säckli ins Bild. Als würde er mit einer Schar gespannter Kinder als Zuschauer rechnen, zieht er daraus zunächst das heraus, was man allgemein erwartet: Ein Mandarinli, Nüsse, Schöggeli und natürlich einen Appenzeller Biber. Als Begleittext dazu braucht es einen Schuss währschaften Dialekt. Das klingt beim Landammann so:

«Als Chind hani mi immer z'erscht uf diä Schoggi gstürzt, und s'isch liberament* hüt no ase.»

* was so viel heisst wie: in der Tat, wirklich
Aber dieses Jahr, und der Spannungsbogen wird damit fast unerträglich, stecke da noch mehr drin. «Sachen, die wir uns nicht gewünscht haben, aber die doch ein Geschenk sind, das wir uns und unseren Liebsten machen können.»
Und nach diesen Worten beginnt der Reigen der Präsente, auf die sich jeder in der Adventszeit freut. Eine Schutzmaske, Desinfektionsmittel, ein Covidschnelltest und natürlich eine Spritze. Die sei übrigens sehr dünn und tue gar nicht weh, versichert der Ausserrhoder Landammann. Das ist es ja ohne Zweifel auch, was die bisher Ungeimpften von der Spritze abgehalten hat: Der mögliche Schmerz des Stichs.
Dölf Biasotto steht in der Tradition anderer volkserziehenden Prominenten. Sein Vornamensvetter Dölf Ogi brachte uns einst bei, wie man energieschonend ein Ei kocht, in der Tagesschau lernten wir, wie man ein Kondom richtig überzieht. Man muss der offenbar geistig eher beschränkten Bevölkerung wohl alles vorzeigen, damit sie es begreift.
Nun bleiben seinem Volk noch einige Tage, um am Samichlaustag geliebte Mitmenschen mit einem auf diese Zeiten aktualisierten Säckli zu beglücken. Als Gebrauchsanleitung kann der Videoclip von Dölf Biasotto dienen. Viel Vergnügen!




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