Coronamassnahmen: Berset zieht die Schraube an

Coronamassnahmen: Berset zieht die Schraube an

2G oder doch Lockdown? Und wo sind die IPS-Betten hin? Der Bundesrat schickt zwei Varianten in eine Konsultation bis nächsten Dienstag.

image
von Serkan Abrecht am 10.12.2021, 16:12 Uhr
Selbst überrascht: Gesundheitsminister Berset zu den Massnahmen. Bild:Keystone-SDA
Selbst überrascht: Gesundheitsminister Berset zu den Massnahmen. Bild:Keystone-SDA
Es ist wie beim bekannten Party-Spiel «Reise nach Jerusalem». Sitzen fünf Personen zusammen am Küchentisch und kommt ein ungeimpfter Gast hinzu, muss einer gehen. Entweder für einen Geimpften oder den Ungeimpften hat es keinen Stuhl mehr frei. So schlägt es jedenfalls der Bundesrat in seiner Konsultation vor. Nur noch vier Geimpfte dürfen mit einem Ungeimpften an einem privaten Anlass teilnehmen.
Die Vorschläge, die Alain Berset in die Sitzung einbrachte (der Nebelspalter berichtete), werden nun den Kantonen zur Beratung übergeben (siehe Box). Am 14. Dezember wird die Regierung einen Entschluss fassen. Auch ein Lockdown steht zur Debatte und zwar überall dort, wo keine Maske getragen werden kann, sprich Restaurants, Bars oder Fitnessklubs.

«Das ist Sache der Kantone»

Der Grund liegt in den hohen Fallzahlen. Doch wie Alain Berset selbst betonte, war die Situation vor einem Jahr, als man die Bevölkerung in einen harten Lockdown schickte, prekärer. Deshalb erstaunt der Alarmismus. Tatsächlich sind die IPS-Stationen der Spitäler zu 82 Prozent ausgelastet. Laut Oberfeldarzt Andreas Stettbacher gibt aber keinen Bettenvorrat mehr. «Aktuell haben dreissig Spitäler keine zertifizierten Intensivbetten mehr frei.»
Vor einem Jahr standen um die 1’130 IPS-Better zur Verfügung – bei einem Höchstwert von 529 Covid-Patienten. Heute sind es 300 weniger, weshalb die 290 Covid-Patienten bereits ein Problem darstellen. Experten sprechen davon, dass für die Betreuung eines IPS-Platzes zwei bis drei Pfleger notwendig seien. Das heisst: innerhalb von einem Jahr sind 600 bis 900 Pfleger und ihre Betten verschwunden. Wo sind die alle hin?
«Das ist eine Entwicklung, die wir in sehr vielen Ländern sehen. Leute sind erschöpft und kündigen. Das Personalmanagement ist aber Sache der Kantone», sagt Bundesrat Alain Berset (SP) auf die entsprechende Frage.

Wo sind all die Betten hin?

Die Ironie der Tests

Obwohl Berset selbst den Vorschlag 2G-Pflicht in die Bundesratssitzung brachte, ist er erstaunt, dass diese nun als mögliche Variante in die Konsultation geht. «Ich hätte nie gedacht, dass wir schon Mitte Dezember einen so hohen Druck haben werden.» Er sei überrascht gewesen.
Eine gewisse Ironie legt der Bundesrat mit der 2G-Variante auch den Tag, weil das Parlament just beschlossen hat, dass man die Gratis-Tests wieder einführt. Diese würden mit der neuen Regelung kaum noch gebraucht.

Ruhige Festtage ermöglichen

Gleichzeitig machten Bundespräsident Guy Parmelin (SVP) und Alain Berset ein wenig Hoffnung. «Vielleicht beruhigt sich die Situation ja bis zum 14. Dezember und die momentan geltenden Massnahmen greifen und die Zahlen sinken», sagten beide. Man wolle ruhigere Festtage ermöglichen, sagt Parmelin. Und auch Berset lässt durchblicken, dass er einen Lockdown unbedingt verhindern will.
Und was, wenn die Kantone mit keiner Variante zufrieden sind? Wird der Bundesrat sie dann übersteuern, fragte ein Journalist. «Das werden wir dann bei der nächsten Sitzung sehen», sagt Berset.

Das sind die Vorschläge des Bundesrates:

image
Bild: GS-EDI

  • Bild herunterladen


Mehr von diesem Autor

image

Die Schweiz hat eine der härtesten Isolation-Regeln

Serkan Abrecht31.12.2021comments

Ähnliche Themen