Feusi Fédéral
Casimir Platzer: «Eine Maskenpflicht für alle ist falsch», Ep. 72
Der Wirtepräsident über die wieder drohenden Corona-Massnahmen, die steigenden Strompreise und warum der Bund etwas dagegen machen sollte. Und er sagt, wer in seinem Hotel Schweizer Wein trinkt und wer nicht.
Die Gesundheitspolitiker reden bereits wieder von neuen Massnahmen gegen das neue Coronavirus. Casimir Platzer sieht das kritisch: «Im Winter werden wir eine Infektionswelle haben, wie wir es die letzten hundert Jahre immer gehabt haben.» Deutschland mit seinen Massnahmen zeige, dass eine Maskenpflicht nichts nütze. «Es ist wichtig, dass Risikopatienten sich schützen können, aber alle dazu zwingen, ist falsch.»
Schweiz soll Massnahmen nicht übernehmen
Die Schweiz habe es besser gemacht als alle umliegenden Länder. Die hiesige Kritik an den Massnahmen habe genützt, findet Platzer. Dadurch blieben zum Beispiel die Skigebiete offen im Unterschied zu allen anderen Ländern. «Und es ist nichts passiert.» Wenn die anderen das Gefühl hätten, dass es wieder verrückte Massnahmen brauche, dann müsse das die Schweiz noch lange nicht übernehmen.
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Platzer erinnert an die absurden Regeln, die während der Pandemie mit dem Mikromanagement des Bundesrates entstanden sind. Restaurants seien nie ein Ansteckungsherd gewesen. «Was die einzelnen Massnahmen gebracht haben, das wissen wir aber nicht.» Gastrosuisse will die Entschädigungsfrage mit einer Volksinitiative klären. Falls es wieder zu einer Pandemie komme, dann müssten die Spielregeln von Anfang an klar sein, findet Platzer. Dazu brauche es eine Überarbeitung des Epidemiengesetzes.
«Stromfirmen sind Kartell»
Sorgen machen dem Wirtepräsident die enorm gestiegenen Strompreise. Die Wirte müssen bis zu 15-Mal mehr bezahlen für Strom. Das betrifft vor allem Betriebe, welche die Grundversorgung verlassen haben und von günstigen Preisen profitiert haben. «Es braucht einfach Massnahmen», findet Platzer. Der Strommarkt sei kein richtiger Markt und die Branche sei hochgradig subventioniert. «Die Stromfirmen sind ein bewilligtes Kartell», kritisiert Platzer. Der Preis werde an der Strombörse von den letzten Prozent Strom gesetzt, die für eine fiktive Nachfrage produziert würden. «Das ist eine Preisfestlegung von marktmächtigen Unternehmen, der Verbraucher hat nicht wirklich die Möglichkeit auszuwählen. Es gibt keine Ausweichmöglichkeit.» Die Branche sei hochreguliert und hochsubventioniert. Jetzt brauche es Massnahmen, weil sonst 3000 Gastrobetriebe gefährdet seien.
Platzer – bei der Abstimmung ein Gegner der Energiestrategie – kritisiert die Umsetzung der Strategie des Bundes. «Wir haben es verschlafen, man hat die Energiestrategie angenommen, aber man baut die Produktion zu wenig auf.» Die Schweiz habe die Versorgungssicherheit aus der Hand gegeben. Es brauchte grosse Kraftwerke: «Wir werden mit dem Bevölkerungswachstum und immer mehr Geräten viel mehr Strom verbrauchen. Solar- und Windenergie werden dafür nicht reichen.»
Ausstieg aus der Kernenergie ist «grosser Fehler»
Man bekomme nun genau jene Strompreise, welche die Gegner der Energiestrategie bei der Abstimmung befürchtet hätten. Der Ausstieg aus der Kernenergie sei falsch und dass man auch die neusten Entwicklungen bei der Kernenergie abklemme, das sei «ein grosser Fehler».