Berset Superstar. Kein Bundesrat ist so beliebt wie er. Selbst bei der FDP

Berset Superstar. Kein Bundesrat ist so beliebt wie er. Selbst bei der FDP

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von Sandro Frei am 26.3.2021
Bild: Ruben Sprich
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Niemand ist beliebter als Alain Berset. Gar bei den Freisinnigen ist er der beliebteste Bundesrat.

SOTOMO hat im CORONA-Monitoring nach dem Vertrauen der Bevölkerung in den Bundesrat gefragt. Die Umfrageteilnehmer konnten dem Bundesrat Schulnoten von eins (sehr schlecht) bis sechs (sehr gut) ausstellen. Beurteilt wurde die Leistung während der Corona-Krise, also seit Frühjahr 2020.
Bei allen Parteien schnitt Alain Berset am besten ab, mit Ausnahme der SVP.
Auf dem zweiten Gesamtplatz landete Simonetta Sommaruga. Den dritten Podestplatz sicherte sich Viola Amherd. Auf den Plätzen 4 und 5 sind die beiden SVP-Bundesräte Ueli Maurer und Guy Parmelin zu finden. Die beiden letzten Plätze teilen sich die freisinnigen Vertreter Karin Keller-Sutter und Ignazio Cassis im Bundesrat.

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Screenshot SOTOMO
Dies ist schon mal das erste erstaunliche Resultat. Der Gesundheitsminister, der oft in der Kritik steht, scheint beliebter zu sein, als es den Anschein macht.

SVP-Basis dem Bundesrat gegenüber kritisch

Gesamthaft betrachtet steht die SVP-Basis dem Bundesrat am kritischsten gegenüber. Dies manifestiert sich auch, betrachtet man die Einzelnoten an die Bundesräte. Hier verteilen die SVP-Wähler die mit Abstand tiefsten Durchschnittswerte aller Parteien. Michael Hermann fügt hinzu, dass die bürgerlichen Bundesräte in der Gesamtbeurteilung heruntergezogen wurden, da die Bürgerlichen die Leistungen des Bundesrats generell viel kritischer bewerten als Linke. Die Linken bewerten ihre eigenen Bundesräte mit 5.2. Bei der SVP bekommt der beste Bundesrat die Note genügend (4.0). Die Linken benoten ihre eigenen Bundesräte so viel besser als die Bürgerlichen, dass sie in der Gesamtbenotung auch deutlich hervorstechen.

Cassis auch bei der FDP auf dem letzten Platz

Besonders bitter sind die Ergebnisse für Ignazio Cassis. Er bildet das Schlusslicht über alle Parteien betrachtet. Selbst bei der eigenen freisinnigen Basis scheint der Tessiner Bundesrat nicht besonders gut anzukommen. Die FDP-Wähler geben ihm die tiefste Note der Bundesräte. Michael Hermann vom durchführenden SOTOMO-Institut weist auf den Punkt hin, dass Ignazio Cassis schon vor Corona in den Wahlbarometern schlecht benotet worden sei. Dies ziehe sich jetzt schon über längere Zeit durch. Nicht erst seit der Corona-Krise mangelt es dem Aussenminister an Beliebtheit. An sich ist dies ein bereits interessanter Punkt, denn grundsätzlich geniessen Tessiner einen Beliebtheitsbonus in der Bevölkerung. Der Tessiner-Bonus scheint bei Cassis nicht viel zu bewirken.
Wie kann man sich das erklären?
Im Umfeld des FDP-Bundesrats wiederum kann man sich das Resultat auch nicht ganz erklären, und reagiert eher überrascht auf die Umfrageergebnisse.
Es wird darauf verwiesen, dass der Arzt in der Krisenbewältigung nicht wirklich eingebunden war. Das Problem mag auch gerade hier liegen und die Bevölkerung wünscht sich ein vermehrtes Auftreten des Mediziners während der Krise. Dies führt dazu, dass der Tessiner generell viel weniger wahrgenommen wird als seine Bundesratskollegen. Eine Stütze für diese These findet sich in den Daten von SOTOMO. Ein Drittel der Teilnehmer konnte oder wollte kein Urteil fällen über die Leistung des Tessiners. Dies zeigt, dass er nicht wirklich wahrgenommen wurde in der Krise. Dies ist ein enorm hoher Wert.
Es gilt anzumerken, dass es für einen Aussenminister in einer Pandemie immer schwierig sein dürfte, zu reüssieren. Cassis hat mit seiner bisherigen Amtsführung bei vielen angeeckt und sich einige Gegner geschaffen, die alles versuchen, um ihm zu schaden. Hinzukommt, dass viele sich regelrecht auf ihn eingeschossen haben und alles im Departement des Äusseren kritisieren. Als Beispiel sei hier Christian Levrat, der ehemalige Präsident der SP Schweiz, ins Feld geführt. Levrat nannte Cassis in den Medien einen Praktikanten, der dem Amt des Bundesrats nicht gewachsen sei.
Im Departement selber scheinen viele mit dem neu eingeschlagenen Kurs zum Beispiel im Umgang mit Israel und den Palästinensern, nicht einverstanden, weshalb sie über die Medien versuchen Unruhe zu streuen. Kumuliert scheint dies dem Aussenminister zu schaden.
Christa Markwalder, Nationalrätin der FDP, führt noch ins Feld, dass die Werte von Cassis auch mit dem institutionellen Rahmenabkommen zu tun haben könnten. Das Vertragswerk war in letzter Zeit oft in den Medien, und Cassis als verantwortlicher Bundesrat hat nicht wirklich von den Entwicklungen profitiert. Weiter führt sie das Argument ins Feld, dass die Medien sich auf Ignazio Cassis eingeschossen haben, und er in der öffentlichen Meinung darunter leidet. Wenn ein Regierungsmitglied immer schlecht in den Medien ist, dann hat dies auch einen Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung. Keine Erklärung bereit hat Frau Markwalder für die schlechten Werte von Cassis in der FDP.

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Screenshot SOTOMO

Schweizer Bevölkerung hat hohes Vertrauen in Staatsorgane in Krisenzeiten

Für Hermann spielt das in Krisenzeiten vorhandene Grundsatzvertrauen der Schweizer Bevölkerung in die Regierung eine wichtige Rolle. Die Bevölkerung steht grundsätzlich in einer Krise hinter der Regierung.
Alain Berset profitiert gleichermassen von seinem Amt als Gesundheitsminister, das besonders gefragt ist in Zeiten einer Pandemie. Dies verbunden mit einem souveränen, sympathischen Auftreten, widerspiegelt sich dann auch im Vertrauen der Bevölkerung. Die Schweiz sei gemäss kein Land, das in Krisenzeiten der Regierung gegenüber kritischer wird.

«Die Schweiz steht in einer Krise hinter der Regierung»

Michael Hermann, SOTOMO
Die Bevölkerung ist auch bereit, die Krise von anderen politischen Vorgängen zu trennen. Alain Berset kommuniziert in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit gewinnend und der bei der Reformstau bei den Sozialwerken tritt in den Hintergrund. Laut Hermann ist dieser Vorgang vergleichbar mit einer Regierung der nationalen Einheit in einer Kriegszeit oder sonstigen Krisenzeit. Als Beispiel nennt Hermann Churchill in England, dem es gelang, eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden.

49’909 Teilnehmer nahmen an der gewichteten Onlinestudie des Forschungsinstituts SOTOMO teil. Durchgeführt wurde vom 9. bis 15. März über die Onlinekanäle der SRG nach dem Opt-In-Verfahren. Dies bedeutet, dass die Teilnehmenden sich selber selektioniert haben und von selbst über die Onlineplattformen auf die Umfrage gelangt sind.
Diese Art der Studien ist nicht über alle Zweifel erhaben. Mehrere Hürden sorgen dafür, dass nicht alle Bevölkerungsgruppen teilnehmen. Die Umfrage ist nur zugänglich, wenn man sich schon auf einer Plattform der SRG befindet. Hier passiert der erste Selektionsschritt. Die zweite Triage findet statt, da man freiwillig an der Umfrage teilnimmt. Somit sind die Teilnehmenden nicht speziell repräsentativ ausgewählt. Für viele sind die Hürden zu hoch und es werden viele Probanden aussortiert vor Beginn der Umfrage. Um dies zu korrigieren, werden die Werte gewichtet, damit sie der demografischen Verteilung entsprechen und somit repräsentativer sind.


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