Banksy in Basel: Der Künstler hasst Israel – und niemanden kümmerts

Banksy in Basel: Der Künstler hasst Israel – und niemanden kümmerts

Natürlich darf man seine Werke ausstellen. Es ist aber schwer zu ertragen, dass seine politische Rolle in der Besprechung vergessen geht.

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von Sebastian Briellmann am 25.3.2021, 14:31 Uhr
Ausstellung in Basel: 100 Banksy-Werke sind von März bis Mai in der Basler Messe zu betrachten.
Ausstellung in Basel: 100 Banksy-Werke sind von März bis Mai in der Basler Messe zu betrachten.
Banksy, sehr wahrscheinlich Brite, vermutlich in den 70er-Jahren geboren, vielleicht eine Frau, ist die wohl berühmteste Street-Art-Kunstfigur der Welt. Überall auf der Welt taucht sie unerkannt auf, und oft sind die Menschen danach begeistert von ihrer kapitalismuskritischen Arbeit. Dass die wahre Identität im Verborgenen bleibt: Das ist ein marketingtechnischer Coup. Bis heute. Die Werke bringen beim Verkauf nicht selten mehrere Millionen Dollar ein.
Momentan sind 100 ihrer/seiner Werke in Basel zu sehen. Die Andipa Gallery aus London firmiert als Gastgeberin in den Messehallen. Sie betont – nicht ohne Stolz, wie es scheint – dass es eine unautorisierte Ausstellung sei, Banksy nichts davon wisse und die Objekte aus privaten Sammlungen stammten. Das sorgt für Aufregung in den Medien, von einer «Kontroverse» ist die Rede: Ist eine Ausstellung ohne Zustimmung redlich? Und darf man Profit mit einem kapitalismuskritischen Künstler machen? Wahre Fans, heisst es, sollten solche Veranstaltungen besser boykottieren.

Für Banksy sind die Palästinenser immer Opfer, Israel ist immer der Täter.


Fragen über Fragen. Welche Frage man sich aber nicht stellt: Ist es denn redlich, dass Banksy ziemlich offenkundig Israel-Hass zur Schau stellt? Da herrscht dröhnendes Schweigen. Niemanden scheint es zu kümmern.
Für Banksy gibt es ein Land namens «Palästina», die Gebiete des Westjordanlands bezeichnet er als «grösstes offenes Gefängnis der Welt». Vor ein paar Jahren hat er sein «Walled-Off Hotel» direkt mit Blick auf die israelische Sperranlage eröffnet – die Mauer wurde zum Schutz vor Terrorismus gebaut. Diese hält er für eine «Schande». In diesem Hotel war auch schon einmal ein normales Krippenspiel zu sehen, doch dahinter auf einer Wand waren Einschusslöcher und Detonationsspuren gezeichnet. Der Name: «The Scar of Bethlehem». Die Narbe von Bethlehem.
Für Banksy sind die Palästinenser immer Opfer, Israel ist immer der Täter. Die fast obsessive Abneigung wird natürlich als «Israelkritik» getarnt. Von antisemitischen Bewegungen wird Banksy gefeiert.
Dass solche Tatsachen in den mehrheitlich wohlwollenden Besprechungen in den Medien vergessen geht und dieses Versäumnis in Basel nichts als Gleichgültigkeit auslöst: Das ist schwer zu ertragen.
Es geht nicht darum, ob man Werke von Banksy zeigen darf. Das darf man, gewiss. Aber in Basel ist man stolz auf die eigenen Verdienste, wenn es um Israel geht. 1897 fand im Stadtcasino der erste Zionistenkongress statt. Dem Vorsitzenden Theodor Herzl hat man eine Strasse gewidmet. Dass nun nicht einmal diskutiert wird über die politische Rolle Banksys: Das wirkt ziemlich geschichtsvergessen.
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