Aufregung im Schweizer Woke-Paradies Basel: Doch nicht so divers wie gedacht...

Aufregung im Schweizer Woke-Paradies Basel: Doch nicht so divers wie gedacht...

In Basel-Stadt rühmt man sich für links-grüne, diskriminierungsfreie Politik. Doch das Ergebnis ist alles andere als zufriedenstellend. Gottlob gibt's die SP.

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von Sebastian Briellmann am 8.12.2021, 08:00 Uhr
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Der Kanton Basel-Stadt bietet für Schweizerinnen und Schweizer und jene, die etwas dazwischen sind, exzellente Lebensbedingungen, Rating: Schlaraffenland-Qualität. Anything goes, alles ist möglich.
Vor ein paar Tagen gab es aber ausnahmsweise eine schlechte Nachricht, bekannt wurde ein Missstand, der so nicht mehr hingenommen werden kann. Aufgedeckt hat ihn die SP, die grösste und mächtigste Partei der Stadt. Der Malus: In Basel-Stadt gibt es zu wenig Gleichstellung, und das geht nun wirklich nicht im verirdischten Paradies.

Gleichstellungsbeauftragende?

Die Sozialdemokraten, bei Ungerechtigkeiten besonders wachsam, haben die Tricks der Regierung zum Glück erkannt: Diese hat zwar vor ein paar Wochen angekündigt, dem lokalen Gleichstellungsbüro eine zusätzliche 50-Prozent-Stelle für LGBTQ-Anliegen zu bewilligen (für ein grosszügiges Salär von 83’000 Franken) – aber die SP hat erkannt, dass das zwar «äusserst begrüssenswert» ist, jedoch auch viel zu wenig, denn dieses Büro (übrigens arbeiten dort alles Frauen) müsse sich weiterhin für «weiblich gelesene Personen» einsetzen, da die «gesellschaftlichen Strukturen» zu deren Nachteilen «eingerichtet» seien.
Dem glückseligen Bürger wird also Honig um den Mund geschmiert, denn er weiss auch nicht, dass die Basler Regierung und die sieben Departemente gleichstellungstechnisch nah am Burnout sind. Also sagt die SP mit Recht: Jedes Departement braucht eigene Gleichstellungsbeauftragte (Gleichstellungsbeauftragende?).

Eine Eins – mit Sternchen

Man stelle sich die neue schöne Welt vor: Im Bau- und Verkehrsdepartement könnten sich die Gleichstellenden mit dem Irrsinn beschäftigen, dass immer noch zu viel in die Höhe und in die Länge – anstatt in die Quere, pardon: Queere gebaut wird. Das Problem, dass der Kanton die schweizweit schlechtesten Schüler hat, könnten die Beauftragten im Erziehungsdepartement mit einem leichten Kniff lösen. Kaum sind sie da, gibt es für die Schüler*innen vielleicht immer noch zu häufig eine Eins – aber immerhin «eine Eins mit Sternchen».
Im Präsidialdepartement sitzt ein beschwingter Klimapolitiker («Sonnenkönig»), der seine Aufgaben sowieso non-binär angeht – Vorbild! –, und sich nicht auf seine Abteilung festlegen will, sondern freudig in alle Departemente hineinregiert. Nur in der Energieversorgung ist es noch zu wenig divers. Darum auch hier: Ein paar Stellen tun not.

Bemerkenswerte Chuzpe

Im Justiz- und Sicherheitsdepartement geht es traditionell altbacken zu und her. Während in Bern ein bürgerlicher Sicherheitsdirektor (Reto Nause, Mitte) längst diversifiziert hat und zusammen mit der linksextremen Reitschule – die früher schon nur beim Namen «Nause» Fieberschübe bekam – Corona-Skeptiker und Verschwörungstheoretiker bekämpft, hat in Basel immer noch die Polizei das alleinige Sagen. Und das im Jahr 2021 – wo kommen wir denn da hin?
Heute ist ja ohnehin nichts ungleicher als Corona: Altersdiskriminierung, Body Shaming (Übergewicht), Ausländerfeindlichkeit (Reiserückkehrer). Ein grosses Team mit woken Gleichstellern im Gesundheitsdepartement – und das Problem ist gelöst. Die werden sicher auch mit einem Virus fertig.
Mit einer bemerkenswerten Chuzpe haben die bürgerlichen Parteien den SP-Vorschlag übrigens als unrealistisch betitelt. Ein Grund mehr, von der Sache vollends überzeugt zu sein – die sind ja eh von vorgestern. Sowieso: Wer da nicht nur Vorteile sieht, dem ist wahrscheinlich nicht mehr zu helfen; also doch schon, mit einem Umerziehungskurs bei den Gleichstellungsbeauftragten. Ein paar Stellen mehr könnten damit auch gleich noch kreiert werden.

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