Gastbeitrag

AHV 21: Pierre-Yves Maillard auf ökonomischen Abwegen

image 7. September 2022, 08:45
Pierre-Yves Maillard, Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes fordert höhere Lohnbeiträge, die zu Arbeitsplatzabbau führen. (Bild: Keystone)
Pierre-Yves Maillard, Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes fordert höhere Lohnbeiträge, die zu Arbeitsplatzabbau führen. (Bild: Keystone)
«Mit manipulierten Zahlen» fordere man stets den Abbau von AHV-Leistungen, sagte SP-Nationalrat und Gewerkschaftspräsident Pierre-Yves Maillard in einem NZZ-Interview. Stattdessen verlangte er zur Sicherung der AHV eine Erhöhung der Lohnbeiträge um 0,5 Prozentpunkte. «Das wäre keine Benachteiligung der jungen Generation. Im Gegenteil.»
Wie Sozialversicherungsexperte Werner C. Hug kürzlich in der Schweizerischen Gewerbezeitung schrieb, fehlt Maillard in seinen jüngsten Bemerkungen zur Sicherung der AHV offenbar das dazu notwendige, ökonomische Wissen.

Defizite wurden mit Mehreinnahmen gedeckt

Die grundsätzlich umlagefinanzierte AHV hängt zwar primär von der ökonomischen Entwicklung der Volkswirtschaft ab. Wächst aber die Zahl der Rentenbezüger stärker als die Zahl der aktiven, erwerbstätigen Bevölkerung, und nimmt die Lebenserwartung zu, dann entsteht ein Ungleichgewicht. Die Ausgaben der AHV übersteigen die Einnahmen. In den letzten 25 Jahren hat die Politik die drohenden Defizite stets mit der Einspeisung von Geldern gestopft.

«Bei höheren Lohnbeiträgen suchen Produzenten nach Automatisierungsmöglichkeiten, was in der Regel zum Abbau von Beschäftigten insbesondere im Tieflohnbereich führt.»

Hans-Ulrich Bigler

Werden höhere Lohnbeiträge geleistet, wachsen die Einnahmen der AHV mit der Wirtschaft. Mit den höheren Lohnbeiträgen werden aber die Wirtschaft und die Lohnkosten stärker belastet. Höhere Lohnnebenkosten drücken unmittelbar auf die Produktpreise. Zur Senkung der Kosten suchen Produzenten nach Automatisierungsmöglichkeiten, was in der Regel zu Reorganisationen und zum Abbau von Beschäftigten insbesondere im Tieflohnbereich führt.

Maillard gefährdet Arbeitsplätze

Wenn Maillard höhere Lohnbeiträge fordert, dann gefährdet er Arbeitsplätze und sägt am Ast, auf dem seine Mitglieder sitzen. Dies trifft insbesondere auf die Jungen zu. Sie können nur hoffen, dass ihr Arbeitgeber sie weiter zu guten Löhnen beschäftigen, und dass 40 Jahre später eine nachfolgende Generation ebenfalls wieder bereit ist, höhere Beiträge an die AHV zu bezahlen.
Wird demgegenüber die AHV über eine Anpassung des Frauenrentenalters an dasjenige der Männer sowie über eine leichte Erhöhung der Mehrwertsteuer gesichert, dann tragen die aktiv tätigen jungen Mitarbeitenden vergleichsweise weniger zur Sicherung der AHV-Renten bei.
Hans-Ulrich Bigler ist Direktor des Schweizerischer Gewerbeverband sgv.

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