Afghanistan und die Amis: Wer ist jetzt hier eigentlich der Taliban?

Afghanistan und die Amis: Wer ist jetzt hier eigentlich der Taliban?

Man hat ihn ja kaum wiedererkannt, den gütigen älteren Herrn mit dem grauen Haar und dem Sprachfehler, den kürzlich eingezogenen neuen Bewohner des Weissen Hauses. Oder müsste man nicht schon fast sagen: Osama bin Biden?

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von Claude Catsky am 24.8.2021, 07:00 Uhr
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In diesen Tagen konnte man US-Präsident Joe Biden von einer ganz neuen, knallharten Seite kennenlernen, dass man sich fragen musste: Wer bitte ist denn hier jetzt eigentlich der unbarmherzigere Taliban in Afghanistan? Wer hat's erfunden? Auch an seiner ersten Pressekonferenz nach dem begonnenen Abzug der US-Truppen gab er sich unnachgiebig, verteidigte seine harte Linie, den chaotischen und dilettantischen Rückzug und gab martialisch-kriegerische Töne von sich.
Und doch steckt hinter der harten, aber nicht mehr ganz taufrischen Schale wohl ein ziemlich weicher Kern. Denn Sleepy Joe hat den handstreichartigen Sturm der Taliban nicht etwa verschlafen, sondern komplett verpennt. Niemand zu Haus im Weissen Haus. Wecker kaputt. Da konnte man ja praktisch live mitverfolgen, wie der gute alte Joe allein zu Haus im grossen Frühstückszimmer des Weissen Hauses wahrscheinlich Tom&Jerry-Cartoons am Fernsehen guckte statt CNN oder Al Jazeera. Denn dort hätte er womöglich erfahren, dass die Taliban schon vor seiner ersten Tasse heissem Kakao samt butterweichen Cookies ganz Afghanistan im Sturm erobert haben, der Präsident mit der prallgefüllten Staatskasse geflohen ist und die gesamte afghanische Armee desertiert hat. Es war ein böses Erwachen. Die Cookies sind ihm wahrscheinlich im Hals steckengeblieben. Man muss froh sein, hat das nicht mit einem Herzkasper geendet.
Währenddessen freut sich der Wahlfälschungs- und Verschwörungs-Taliban im Exil in seinem Golfresort in Florida zusammen mit seinen treu ergebenen Republikanischen Garden über Biden's total vergeigte Mission und bereitet sich schon mal auf die Rückeroberung der USA und den nächsten Sturm aufs Weisse Haus im Wahljahr 2024 vor. Verbal zumindest feuerte Trump jetzt schon aus allen Rohren gegen seinen Nachfolger. Es waren für einmal keine Lachsalven, es klang eher nach vorgezogener Kriegserklärung.

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