«Tests zu unsicher»: Zutritt nur für geimpfte oder genesene Kinder

«Tests zu unsicher»: Zutritt nur für geimpfte oder genesene Kinder

Kinder, die für die Berufswahl Spitalluft schnuppern wollen, müssen am Kantonsspital Winterthur eine hohe Hürde nehmen. Am «Zukunftstag» gilt eine 2G-Regel: Geimpft oder genesen. Begründung: Tests seien zu unsicher. Betroffen sind Kinder ab zwölf Jahren.

image
von Stefan Millius am 16.9.2021, 16:00 Uhr
Das Kantonsspital Winterthur in einer Luftaufnahme, (Bild: Kantonsspital Winterthur / OpenStreetMap)
Das Kantonsspital Winterthur in einer Luftaufnahme, (Bild: Kantonsspital Winterthur / OpenStreetMap)
Am 11. November lädt das Kantonsspital Winterthur, kurz KSW, zum traditionellen «Zukunftstag». Das sei «eine spannende, wichtige Gelegenheit für die Kinder, um die Vielfalt der Berufswelt kennenzulernen», heisst es auf der Webseite des KSW. Aber trotz der grossen Bedeutung dieses Tags siebt das Spital die Teilnehmerliste grosszügig aus. Die Bedingungen für eine Teilnahme lauten: Mindestalter zwölf Jahre und geimpft oder genesen mit dem entsprechenden Zertifikat.
Der Anlass richtet sich explizit an Kinder. Diese unterstehen auch nach der Ausweitung der Zertifikatspflicht in der Schweiz noch nicht der 3G-Regel. Sie können ohne Zertifikat ungehindert ins Restaurant, den Zoo oder den Freizeitpark. Aber nicht an den «Zukunftstag» am Kantonsspital Winterthur.

Tests gelten nicht

Mehr noch: Das niederschwelligste «G» der 3G-Regel, der Test, den man bei Bedarf kurz absolvieren kann, ist nicht zulässig, man setzt stattdessen auf die «GG-Regel», wie es das KSW nennt. Man könne leider keine Kinder zulassen, die lediglich getestet seien. Denn, heisst es weiter: «Tests sind immer bloss eine Momentaufnahme und bergen ein zu grosses Risiko, da an dem Tag während einer langen Aufenthaltsdauer eine grosse Durchmischung stattfindet.»
«Als Gesundheitsinstitution tragen wir eine erhöhte Verantwortung gegenüber unseren vulnerablen Patienten und Patientinnen», sagt Marius Hasenböhler, Leiter Kommunikation beim KSW, auf Anfrage. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien «grossmehrheitlich geimpft und arbeiten seit langem unter der GGG-Regel.» Und seit dem 10. September 2021 gelte das Covid-Zertifikat auch für Besucherinnen und Besucher des Kantonsspitals Winterthur.
Um das relevante Risiko einer Viruseinschleppung am Zukunftstag möglichst stark zu senken, habe man sich zu dieser Regelung entschlossen. Hasenböhler: «Ansonsten müssten wir den Zukunftstag ganz absagen – das wäre noch sicherer, und viele andere Spitäler haben sich dazu entschieden.»

«Begrenzte Sensitivität»

Doch warum 2G statt 3G, also eine stärkere Einschränkung am Zukunftstag mit Kindern als bei den Besuchern des Spitals? Es handle sich um einen Entscheid des Pandemiemanagements des KSW. «Antigen-Schnelltests haben bei asymptomatischen Personen tatsächlich eine begrenzte Sensitivität von ca. 50 Prozent», so der Leiter Kommunikation. Man verpasse also die Hälfte der infizierten Personen. Marius Hasenböhler rechnet vor: «Wenn wir bei der aktuell sehr hohen Inzidenz 100 'negativ' getestete Kinder zulassen, ist mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent trotzdem ein infiziertes Kind dabei.» Dieses Risiko sei dem Kantonsspital zu hoch.
Was unterm Strich natürlich bedeutet: Die gesamte Schweiz setzt aktuell auf ein 3G-Zertifikat, bei dem ein «G» ganz offensichtlich überhaupt keine Gewissheit über die Ansteckungsgefahr liefert. Jedenfalls, wenn man das Pandemiemanagement am Kantonsspital Winterthur zum Massstab nimmt.
Als eine Art Trostpflästerli hält das KSW übrigens noch den folgenden Satz bereit: «Kinder, die dieses Jahr nicht teilnehmen können, haben nächstes Jahr die Chance, am Zukunftstag mit dabei zu sein.» Wahrlich ein grosser Trost für Heranwachsende, die zum Teil unmittelbar vor der Berufsentscheidung stehen.

Mehr von diesem Autor

image

Die «Robin Hoods» der Coronatests machen Pause, wollen aber wiederkommen

Stefan Millius14.10.2021comments
image

Corona-Massnahmen: Wo sind eigentlich die Juristen geblieben?

Stefan Millius7.10.2021comments

Ähnliche Themen