Zeitungsente der Woche: Sexueller Nationalismus beim Blick

Zeitungsente der Woche: Sexueller Nationalismus beim Blick

Jede sexuelle Ausrichtung hat eine eigene Flagge. Das wussten Sie nicht? Ich auch nicht, bis es mir heute Morgen der Blick erklärt hat.

image
von Dominik Feusi am 28.5.2021, 14:33 Uhr
image
Der Gipfel der sexuellen Identitätspolitik ist der sexuelle Nationalismus – und womöglich bald die generelle Flaggenpflicht – Fahnenmarsch der Schweizer Armee inklusive. Schuld daran ist Dominique Rinderknecht.
Warum? Sie «schwebt auf Wolke sieben», weiss der Blick (Link). Sie hat sich wieder verliebt. Und zwar – oh’ Schreck – in einen Mann. Passiert ist es in einer viermonatigen «Auszeit» auf dem «afrikanischen Kontinent», weiss der Blick. Sie bleibe aber «pansexuell» teilt die Miss Schweiz von 2013 mit. Pansexuell? «Pansexuell bedeutet, dass man sich in Menschen jeglichen Geschlechts und mit jeder Geschlechtsidentität verlieben kann», erklärt der Blick.
Den komplizierten Begriff nimmt der Blick zum Anlass für eine Bildergalerie mit sexuellen Orientierungen und ihren Flaggen. Dafür gibt es von uns die «Zeitungsente der Woche». Das hier ist die Flagge für lesbisch:
image
Hier jene für Schwule – wenn Sie diese beiden an die Kennzeichnung von Homosexuellen und «Asozialen» in den KZs der Nazis erinnert, dann gratuliere ich Ihnen zu Ihrem historischen Bewusstsein. Sie finden es fragwürdig, Nazisymbole weiterhin zu verwenden?
Der Blick nicht. Er schreibt, dies sei bewusst gewählt (wie wenn es damit unproblematisch würde):
image
Solche Symbole haben wir zu letzt bei den Identitären und anderen kruden Grüppchen gesehen. Soll das nun auch noch Mainstream werden?
Weiter in sexueller Flaggenkunde. Das hier ist das Banner der bisexuellen:
image
Hinter dieser Fahne scharen sich – immer gemäss Blick – Transgender-Menschen:
image
Das hier ist die Flagge der non-binären Menschen («Non-binäre Menschen leben jenseits der Unterteilung in die zwei Geschlechterkategorien von Frau und Mann»):
image
Dominique Rinderknecht hisst diese Flagge für die Pansexuellen:
image
Wir sind noch nicht am Ende der Fahnenstange. Hier das Drapeaux der Intersexuellen:
image
Und auch die Asexuellen haben eine Flagge um das allen mitzuteilen:
image
Jetzt wird es kompliziert: Bei den Heterosexuellen bringt der Blick die Regenbogenfahne der «LGBT+-Gemeinschaft». Im Text dazu schreibt er dann aber die betrübliche Wahrheit für die Mehrheit der Hetero-Normalos: «Heterosexuelle sind nicht direkt Teil der LGBT+-Gemeinschaft» und – das schreibt der Blick allerdings nicht – haben deshalb keine eigene Flagge.
Damit nicht genug: Ebenfalls keine Fahne gibt es für jene, die sich nicht für das sexuelle Leben ihrer Mitmenschen interessieren, weil es deren Privatsache darstellt. Die wünschen ihnen allen zwar das erfüllteste Leben – Sexualität inklusive – aber sich einfach nicht darüber definieren, wie sie und mit wem sie das genau machen.
Unter der Rubrik «Zeitungsente» küren wir die gewagteste Mediengeschichte der Woche. Schauen Sie vorbei, wenn wir jede Woche eine neue Geschichte ehren. Was stimmt, was ist übertrieben, was ist schlicht falsch? Der Nebelspalter spaltet den Nebel.

Mehr von diesem Autor

image

Nicolò Paganini: «Die Massnahmen spalten die Gesellschaft», Feusi Fédéral Ep. 24

image

Neu: Corona: «Gnadenfrist» für Ungeimpfte, Angela Merkel und ihre Versäumnisse

image

Der Mann für den «Helden in der Krise»: Bersets Strippenzieher Peter Lauener

Dominik Feusi23.9.2021comments

Ähnliche Themen