Zeitungsente der Woche: Linksdrall beim «Tagblatt der Stadt Zürich»

Zeitungsente der Woche: Linksdrall beim «Tagblatt der Stadt Zürich»

Das städtische Amtsblatt gerät immer mehr in die Kritik. Linke Positionen werden abgedruckt, rechte nicht.

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von Gast Autor am 11.6.2021, 04:00 Uhr
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Am 10. Februar hatte Lucia Eppmann eine schöne Idee. Viele könnten das Wort «Corona» nicht mehr hören, schrieb die Chefredaktorin im Editorial des «Tagblatts der Stadt Zürich». Sie habe darum in der Redaktionsrunde entschieden, für einmal eine ganze Ausgabe nur mit «positiven News» herauszugeben. Kein dunkles Wölkchen sollte am Himmel zu sehen sein. Die Leser durften sich dann über gerettete Hamster, den 40. Geburtstag von Suzuki Schweiz und glückliche Wildbienen erfreuen.
Das städtische Amtsblatt wand auch den tollen Departementen der Stadtverwaltung ein Kränzchen. Diese realisieren, so hielt die Redaktion fest, «entscheidende Marksteine für ein erfolgreiches, soziales und attraktives Zürich der Zukunft.» Die «Tagblatt»-Journalisten listeten sämtliche Verdienste der Stadtverwaltung auf. Zum Beispiel: Online-Fussballkurse für Jugendliche, das «Velovorzugsroutennetz» und die «Erhöhung der Sicherheit für die Stadtzürcher Bevölkerung».
SVP-Gemeinderätin blitzte ab
In der gleichen Nummer hätte eigentlich auch die Kolumne von Susanne Brunner erschienen sollen. Thema: «Ja zum Verhüllungsverbot». Die SVP-Gemeinderätin hielt sich an die beiden Kolumnenregeln: Einhaltung der Zeichenzahl (1700) und keine langweiligen Texte abliefern. Für die Chefredaktorin trotzdem zu heikel: Der Artikel erschien nicht. Es sollte ja eine Jubel-Nummer werden, kein dunkles Wölkchen am Himmel.
Mit der zweiten Brunner-Kolumne war Eppmann wieder nicht glücklich. Die Kolumnistin wählte für ihre Glosse den Titel: «Bananenrepublik Zürich». Es ging um die Bestrebungen des Stadtrats, die «Mohr»-Bezeichnungen von Strassennamen und Restaurants zu entfernen. Der Titel wurde abgeschwächt in «Wo bleibt die Gesetzesmässigkeit?» Und zwei zentrale Sätze der Kolumne wurden gestrichen.
Für Gemeinderätin Susanne Brunner, die für die Kolumne angefragt wurde, stellt sich nun grundsätzlich die Frage: Worüber darf sie eigentlich noch schreiben? Was ist der Redaktion genehm? Nur linke Positionen? Chefredaktorin Eppman zumindest erkennt da kein Problem: «Das Redigieren, Bearbeiten und Kürzen eines externen Textes gehören zur alltäglichen Arbeit einer Redaktion. Das gilt auch für die Beiträge der externen Kolumnisten.»
«Arger Frevel gegen journalistische Standesethik»
Medienkritiker Kurt W. Zimmermann, lange Jahre Verwaltungsratspräsident des «Tagblatts», sieht das entschieden anders: «Externe Kolumnen geben ausschliesslich die Meinung des Verfassers wieder. Sie sind auf Redaktionen darum unantastbar.» Zimmermann spricht sogar von «argen Frevel gegen die journalistische Standesethik», wenn eine Chefredaktorin die Bearbeitung von Kolumnen zum Tagesgeschäft erklärt.
Dazu kommt die Frage: Wie hätte wohl die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch reagiert, wenn auch ihr Text frisch-fröhlich manipuliert worden wäre? Die SP-Politikerin schrieb in der letzten Ausgabe des Tagblatts nämlich eine explizite Aufforderung, für das CO2-Gesetz zu stimmen. Die Redaktion schob Mauch zuliebe den Duden auf die Seite und liess sogar das «JA zum CO2-Gesetz» im Text gewähren. NEIN, so etwas!

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