Zeitungsente: Feuer frei auf die neue Burg von Xherdan Shaqiri

Zeitungsente: Feuer frei auf die neue Burg von Xherdan Shaqiri

Die Intelligenzia der vierten Kraft hat ein neues Ziel im Visier: Mitbürger mit albanischen Wurzeln. Aus allen Rohren wird auf Balkan-Rückkehrer als Pandemietreiber geschossen und Impfmuffel Granit Xhaka zum Inbegriff des Bösen. Und dann wundern wir uns, wenn sich Xherdan Shaqiri eine Festung baut.

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von Ralph Weibel am 10.9.2021, 12:30 Uhr
Marina Lutz
Marina Lutz
«Xherdan erträumt sich eine Burg» (Tages-Anzeiger)
«Das ist Shaqiris Traumhaus, das für Einsprachen-Zoff sorgt» (Blick)
Wenn Betonköpfe von «Betonwahnsinn» schreiben und es sich beim Wahnsinnigen um einen Schweizer mit albanischen Wurzeln handelt, dann hätte das vor noch nicht einmal zwei Jahren zu einem berechtigten Rassismus-Shitstorm geführt. Davon sind wir heute weit entfernt. Während die selbsternannten Gralshüter des Guten, in diesem Falle Blick und Tagesanzeiger, es verpassen, den Massnahmenwahnsinn der Covid-Regierung zu hinterfragen, welche eine ganze Gesellschaft spaltet, darf hemmungslos gegen albanischstämmige Mitbürger gehetzt werden. Jüngstes Opfer nach den Ferienrückkehrern aus dem Balkan und der Absage des «Alba-Festival», während gleichzeitig an der «Zurich Pride» fröhlich Regenbogenfahnen geschwungen wurden, ist Xherdan Shaqiri. Er realisiert sich in Rheinfelden seinen Wohntraum. Mit der Betonung auf seinen.

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Geplantes Haus von Xherdan Saqiri in Rheinfelden.

Der Fussballgott (...), plant freilich nichts anderes als den ganz normalen Betonwahnsinn, der die Peripherie unserer Vorstädte und auch deren noch vorhandene Baulücken verschandelt.
Zugegeben, mir gefällt ein Bündner Maiensäss auch besser. Aber die Peripherie unserer Vorstädte ist ohnehin verschandelt. Umso verwunderlicher die Selbstverständlichkeit, mit welcher neidgetriebenen Arroganz über den Geschmack von Shaqiri gespottet wird. Abfällig zieht Autor Christoph Heim im Tagesanzeiger über «Raumkisten» her, die aufeinandergeschichtet werden und macht damit Architekten und Bauherrn zu infantilen Lego-Spielern.

Xherdans Bunker ist riesig und schafft viel Privatheit. Das Gebäude strahlt aber null Leichtigkeit aus. Null Offenheit.
Alleine die joviale Ansprache mit dem Vornamen degradiert den bald 30-Jährigen zu einem Kind. Als solches lässt er sich eine repräsentative Eingangshalle bauen, schottet sich aber gegen aussen ab. Er kann nicht den Eindruck erzeugen, er wäre erfreut, wenn denn ein Nachbar mal vorbeischaut, um sich zwei fehlende Eier für einen Gugelhopf auszuleihen. Der Artikel trieft weiter von unterschwelligen Vorwürfen und selbst der Minergiestandard stimmt den Autoren nicht milde.

Kann man in Anbetracht dessen, dass Beton der Klimakiller Nummer eins in der Bauindustrie ist, heute wirklich noch so bauen?
Die Antwort lautet ja, weil es die Bauvorschriften erlauben. Gerade nach dieser Woche wäre eine nur ansatzweise so kritische Haltung gegenüber anderen behördlichen Entscheidungen einer der grössten Tageszeitungen im Land nicht unangenehm. Doch lieber stürzt sich der Autor auf die Ungeheuerlichkeit eines jungen Mannes, der die Segnung seines besonderen Talents zum Millionär nutzte, sich dafür ein Kino, einen Swimmingpool und eine Designerküche leistet. Wahrscheinlich besteht der Fehler darin, sich dies in einem unprätentiösen Ort wie Rheinfelden zu gönnen. An der Zürcher Goldküste wäre das Fehlen von oben genanntem Luxus eher ein Kritikpunkt. Nicht ausgelassen wird martialischer Sprachgebrauch zum geplanten Neubau:

In seiner Massivität erinnert er an Kriegsarchitektur. (...) Eine Burg, hinter deren Wänden und Fenstern man die schlechte Welt da draussen vergessen kann.
Zitate aus Tagi vom 8.9.2021
Genau! Wundert das noch jemanden, angesichts dessen, wie derzeit ein Keil in die Gesellschaft getrieben wird? Es gelingt dem Autor vortrefflich, Xherdan Shaqiri zu diskreditieren. Bei ihm darf man das offensichtlich. Schonung hat sich der albanischstämmige Fussball-Nationalspieler spätestens mit dem legendären Zeigen des Doppeladlers verscherzt. Man stelle sich aber vor, Roger Federer würde das gleiche Haus bauen.

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