Woke-Aktivistin: «Der Mann ist eine Fehlleistung der Geschichte»

Woke-Aktivistin: «Der Mann ist eine Fehlleistung der Geschichte»

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von Martin A. Senn am 3.4.2021, 09:48 Uhr
«Wokeness» ist das neue Kampfbegriff der Political-Correctness-Bewegung. (Bild: shutterstock)
«Wokeness» ist das neue Kampfbegriff der Political-Correctness-Bewegung. (Bild: shutterstock)
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Ein neuer Kampfbegriff geht um: «Wokeness». Der Nebelspalter hat dazu Inclusia Dekolony befragt, eine führende Aktivistin dieser allerhöchsten Form der Political Correctness.

Frau Dekolony, was ist «woke»?
Das werde ich oft gefragt, aber eigentlich ist es ganz einfach: Ich bin woke.
Das heisst?
Ich bin eine radikale, multi-migrationsaffine Intersektionalistin, dem Feminismus, der sozialen Gerechtigkeit und dem eskalationsoffenen friedlichen Protest verpflichtet.
Das war jetzt ein bisschen viel aufs Mal, gehts auch einfacher?
Klar. Ich bin einfach eine viel bessere Person als Sie.
Ist das nicht etwas arrogant?
Überhaupt nicht. Ich wäre manchmal auch gern so mittelmässig wie Sie. Aber auf meinem enorm hohen moralischen Bewusstseins-Level geht das nicht mehr.
Gibt es auf diesem Level überhaupt noch andere Leute?
Viele bilden sich das ein. Die urbanen Hippster etwa, die sich einen Fünftagebart wachsen lassen und meinen, damit sei’s getan. Doch da braucht es schon mehr, mindestens noch eine Regenbogenflagge auf dem Insta-Profil und ein paar Hashtags wie #blm oder #TooManyMen. Daneben gibt es zum Glück noch die Hochtalentiert*en*innen.
Zum Beispiel?
Greta Thunberg natürlich. Und Michelle Obama. Aber auch Meghan Markle. Ihr Name dürfte ja nicht einmal Ihrem patriarchalisch-heterosexuell minimierten Hirn entgangen sein.
Sie meinen die Hollywood-Schauspielerin, die sich heterosexuell ins britische Königshaus eingeheiratet hat und jetzt das zweite Baby erwartet?
Genau. Sie hat ganz schlimme Verletzungen auf sich genommen, um das steinzeitliche Königshaus von innen her auf Diversity zu sensibilisieren und Prinz Harrys Garderobe zu dekolonialisieren. Und das alles im Alleingang. Meghan ist eine grosse Heldin unserer Bewegung.
Ihre Anschuldigungen gegen das Königshaus konnte sie aber nicht belegen, und der Erzbischof von Canterbury hat die Darstellung ihrer Hochzeit als falsch zurückgewiesen.
Das ist übelstes Gaslighting von einem alten weissen Mann! Nichts ist wahrer als die tief empfundenen Verletzungen einer ethnisch minoritären Migrantin, die sie via TV und Social Media mit uns teilt.
Kennen Sie in der Schweiz auch solche Heldinnen?
Wir machen gute Fortschritte. In der Politik, in den Medien und zunehmend auch in kapitalistischen Konzernen.
Im Ernst?
Googeln Sie mal nach «Diversität und Inklusion», da werden sie auf eine Reihe bekannter Grossunternehmen stossen. Ihre Diversity-Konzepte sind zwar oft noch zaghaft. Aber wir haben da einen Schuh drin, da wird einmal etwas ganz Grosses draus. Ein Versicherungskonzern hat mit einer Delegation sogar an der Zürcher Pride Parade teilgenommen. Die sind voll offen punkto sexueller Orientierung und Geschlechteridentität.
Und wie steht’s in der Politik?
Okay fand ich die neusten Vorstösse der SP-Nationalrätinnen Samira Marti und Tamara Funicello zur Sklaverei und zur Geschlechterspezifität bei Tötungsdelikten. Der Nebelspalter hat ja darüber berichtet. Vorbildlich ist aber auch die deutsche Linkspartei. Im Bundestag hat sie neulich einen Antrag eingereicht, in dem es hiess: «Die Festschreibung, dass Eltern immer nur zwei Personen sein müssen, hat angesichts sich wandelnder Beziehungsmuster und Lebensweisen immer weniger Sinn.» Und: «Eine solche angenommene Austragungspflicht macht gebärfähige Körper, in der überwiegenden Mehrzahl Frauenkörper, zum Objekt dieser Austragungspflicht.»
Bei «Austragungspflicht» kommt mir zuerst der Pöstler in den Sinn. Sind das wirklich die Probleme, die wir jetzt während der Pandemie lösen müssen?
Aber Hallo! Es darf doch nicht sein, dass man mit einer Pandemie davon ablenken will, dass auf Twitter und Facebook bösartig falsch gegendert wird, dass Bundesräte Muttermilch sagen statt Elternmilch, in Gesetzen noch immer vom Fussgängerstreifen, statt vom Zebrastreifen die Rede ist und dass Bijouterien für sogenannte Männer und Frauen unterschiedliche Uhren verkaufen.
Das ist oft gar nicht bös gemeint. Viele Männer wissen halt nicht, wie man sich richtig «woke» benimmt. Was raten Sie ihnen?
Vergessen Sie es. Ein Mann kann nie eine höhere Stufe der Wokeness erreichen. Als westliche, weisse, heterosexuelle Person steckt er viel zu tief im Sumpf der binären Täter-Struktur seiner Maskulinität.
Der Mann als struktureller Sauhund also?
Wenn Sie es so sagen wollen, ja. Der Mann an sich ist in der Tat strukturell sexistisch, homophob, transphob, misogyn und rassistisch.
Das tönt hoffnungslos.
Na ja. Es gibt auch Männer, die schon mal Zweifel an der Geschlechterrolle hatten, die ihnen bei der Geburt zufällig zugeteilt wurde, ohne dass sie gefragt wurden. Geschlechtsumwandlung ist ihre einzige Chance.
Auch für mich?
Denken Sie nach: Waren es Ihnen als Bub in Ihrem Geschlecht immer wohl, wollten Sie nie ein Mädchen sein? Fühlten Sie sich nicht schon mal zu Männern hingezogen? Und sind Sie wirklich sicher, dass unter Ihren Vorfahrenden kein BAME-Mensch war? (Anmerkung der Redaktion: BAME = Black, Asian and Minority Ethnic).
Ein Mann sollte sich also irgendeinen Opferstatus ausdenken?
Das wäre eine Möglichkeit. Aber eine wirklich hohe Stufe der Wokeness werden Sie als Mann nie erreichen. Als Mann sind Sie eine Fehlleistung der Geschichte.
Aber es gab doch auch gute Männer.
Nennen Sie mir einen.
Zwingli, zum Beispiel, der hat das katholische Patriarchat überwunden.
Und dafür die Heterosexualität in den Klerus eingeschleppt! Schlimm! Nein, Sie werden kein gutes Beispiel finden. Wir werden den Mann und mit ihm die Heterosexualität überwinden. Das sind wir den künftigen Generationen schuldig.
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