Printausgabe

Wir sollten uns einfach mal neben eine Eule setzen

image 30. September 2022, 07:00
Bild: Vladimir Kazanevsky (Titel Oktober-Ausgabe)
Bild: Vladimir Kazanevsky (Titel Oktober-Ausgabe)
Liebe Leserinnen und Leser
Kürzlich besuchte ich einen Greifvogelpark und war vom imposanten Federvieh beeindruckt. Insbesondere die Eulen und ihr Verhalten taten es mir an. Die sitzen bis zu 95 Prozent ihrer Zeit einfach nur da. Wenn sie es für nötig befinden, fliegen sie los, krallen sich eine Maus, um danach wieder auf einem Ast Platz zu nehmen. Schon in der griechischen Mythologie erlangten sie mit ihrem Verhalten den Ruf, besonders klug zu sein. Man schrieb ihnen zu, sitzend nachzudenken, um danach weise zu handeln.
Das täte uns heute gut, denkt es in mir. Nicht das eher unbequeme Sitzen auf einem Ast, sondern das Nachdenken darüber, ob wir weiter an diesem sägen sollen. Ob die eine Handlung oder andere Entscheidung wirklich intelligent ist, ist natürlich immer eine Frage der Betrachtung. Nun scheint es uns aber eigen, dass jede und jeder die Überzeugung von sich selbst hat, die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben. Das führt zu einem kläglichen «Gut-Böse- Denken». Vielleicht liegt der Ursprung dafür bei Adam und Eva. Die naschten vom Baum der Erkenntnis, so steht es geschrieben. Zum bekannten Preis der Vertreibung aus dem Paradies.
In dieser Ausgabe gehen wir nicht des Pudels Kern nach, sondern dem des ­Apfels, der unser Leben in vielerlei Hinsicht prägt. Seit der ersten Stunde. Vielleicht sind wir nach der Lektüre mit unserer Weisheit etwas näher bei den Eulen. In diesem Sinne wünsche ich viel Lesevergnügen.

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Jan Tomaschoff

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