Wie wird man glücklich? Eine Gebrauchsanleitung.

Wie wird man glücklich? Eine Gebrauchsanleitung.

Besser selber Leben, als das Leben von Anderen zu kommentieren!

image
von Mathias Binswanger am 22.3.2021, 20:02 Uhr
Viele Menschen entwickeln nur wenig Phantasie und Elan, wenn es um Veränderungen im eigenen Leben geht. Kaum werden aber andere Menschen besprochen, ändert sich das schlagartig. Ihr Verhalten wird mit grossem Enthusiasmus diskutiert und noch lieber kritisiert. Und sofort hören wir «profunde» Analysen von Verhaltensweisen und werden mit Vorschlägen eingedeckt, wie es die betroffenen Personen besser machen sollten. Oder wir bekommen detaillierte Beschreibungen der Dummheit und Beschränktheit unserer Mitmenschen. Offenbar beschäftigt man sich gerne mit Problemen des menschlichen Verhaltens, solange es einen selbst nicht betrifft. Und kaum ist dies der Fall, werden eben noch erzählfreudige Mitbürger reserviert und wortkarg.
Der Kontrast zwischen der Freude am Problemen anderer und dem Unwillen, sich mit eigenen Problemen auseinanderzusetzen, ist leicht erklärbar. Erstens gibt es keine bessere Ablenkung von eigenen Problemen, als sich mit Problemen von Anderen zu beschäftigen. Und die Probleme anderer Menschen haben eine angenehme Unverbindlichkeit. Man kann analysieren und Vorschläge bereiten, ohne dass man selbst involviert ist. Dann müsste man nämlich seine eigene Person oder sein Verhalten in Frage stellen oder, Gott bewahre, sogar noch die Konsequenzen daraus ziehen. Und das ist mühsam.
Nun ist nichts dagegen einzuwenden, hin und wieder das Verhalten anderer Menschen zu diskutieren, solange dies der Unterhaltung dient, bzw. eine Unterhaltung überhaupt in Gang hält. Aber schnell wird daraus eine Manie, die dem eigenen Glück im Wege steht. Obsessive Auseinandersetzung mit Menschen und Problemen, die für das eigene Leben keine Bedeutung haben, verhindert die Auseinandersetzung mit Ideen und Problemen, die für das eigene Glück relevant sind.
Allerdings war es noch nie so leicht, sich mit Menschen und Problemen zu beschäftigen, die für das eigene Leben irrelevant sind. Die rasende Verbreitung von Social Media hat dazu geführt, dass wir zusätzlich auch mit Problemen von Menschen versorgt werden, die wir gar nicht kennen. Besonders die Probleme sogenannter Promis werden zur gemeinsamen Lebensrealität vieler Menschen. Egal, ob Untreue, Scheidung, finanzielle Ungereimtheiten oder politische Unkorrektheit: Alles muss diskutiert und kommentiert werden. Und im Idealfall kann man sich darüber sogar noch empören. Doch weder Harry noch Meghan, weder Michael noch Laura Wendler haben für unser Leben irgendwelche Bedeutung. Ihre von den Medien hochgespielten angeblichen Probleme, Skandale und Freuden dienen nur der permanenten Ablenkung von uns selbst und hindern uns am eigenen Leben.
Für das eigene Glück ist es deshalb ratsam, sich nicht zu viel mit Dingen und Personen zu beschäftigen, die für das eigene Leben keine Relevanz besitzen. Das gilt sowohl für Menschen aus dem Bekanntenkreis als auch für die ganzen Promis, mit deren Lebensdetails wir ständig bombardiert werden. Irgendwann im Leben muss man entscheiden, ob man selbst leben will, oder hauptsächlich als Zuschauer und Kommentator am Leben anderer Menschen partizipieren möchte. Doch ein Leben als Zuschauer ist auf die Dauer nicht befriedigend. Wahres Glück entsteht nie auf der Zuschauertribüne, sondern im aktiven Spiel.

Mehr von diesem Autor

image

Die Freude, Dinge nicht zu brauchen

Ähnliche Themen

image

Der «Blick» enthüllt: Alain Berset wurde vom Ausland bedroht