Wie die Schweiz Peking 2022 boykottiert – eine Satire

Wie die Schweiz Peking 2022 boykottiert – eine Satire

Eine Umfrage zeigt ein diffuses Bild. Die Wirtschaftsverbände sind gegen einen Boykott. Künstlerinnen wie Beatrice Egli dafür.

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von Beni Frenkel am 22.12.2021, 08:00 Uhr
Muss man als Schweiz natürlich boykottieren: Die Winterspiele 2022 in Peking. Foto: Keystone
Muss man als Schweiz natürlich boykottieren: Die Winterspiele 2022 in Peking. Foto: Keystone
42 Jahre nach dem Boykott der Spiele in Moskau droht den olympischen Winterspielen 2022 in China ein ähnliches Schicksal. Vor allem das Untertauchen der chinesischen Tennisspielerin Peng Shuai hat für weltweite Kritik gesorgt. Die 35-Jährige hatte Anfang November im sozialen Netzwerk Weibo Vorwürfe wegen eines sexuellen Übergriffs durch einen chinesischen Spitzenpolitiker veröffentlicht. Seitdem gilt sie als verschollen.

«Peng, peng!»

Der angehende Bundespräsident Ignazio Cassis findet darum deutliche Worte: «Die Schweiz verlangt ein deutliches Lebenszeichen von Shuai.» Das könne, so der Arzt, ein Finger, ein Arm oder auch Bindegewebe sein. Der Bundesrat verzichtet darum, zu den Winterspielen eine Delegation zu schicken. Ursprünglich hätten sich Wirtschaftsverbände mit ihren chinesischen Kollegen für erleichterte Zollmassnahmen aussprechen wollen.
Das Verschwinden von Peng lässt auch den Schweizer Skiverband nicht kalt. Der Präsident, Urs Lehmann, will den Sportlern darum kein Meinungsverbot aussprechen. Einige Skifahrer wollen bei der Siegerehrung ein Bild von Peng in die Höhe halten, andere laut «Peng, peng!» rufen. Gemäss olympischen Statuten sind beide Aktionen eigentlich verboten.
Das Schicksal der Tennisspielerin hat auch die Schweizer Musikszene aufgewirbelt. Schlagersängerin Beatrice Egli, die beim letzten Kommunistischen Parteitag in Peking als Sängerin auftrat, gilt in China als Star. Sie hätte an der Eröffnungsfeier der Winterspiele singen sollen. Egli hat nun abgesagt. «Was mit dieser Tischtennisspielerin passiert ist, hat mich zutiefst bewegt. Solange die Chinesen nicht aufklären, werde ich nicht singen.» Angst vor Repressalien habe sie nicht, sagt sie. Aber: «Ich gucke jetzt bei den Fanbriefen immer zweimal nach, wer der Absender ist.»

«So geht man nicht mit Freunden um»

Cédric Wermuth, Co-Präsident der SP, kennt das Land der Mitte sehr gut. «Eine meiner ehemaligen Gespielinnen hatte einen ähnlichen Namen wie diese Golfspielerin: Pang Shahu.» Wermuth fordert ebenfalls Aufklärung, stellt aber klar: «Wenn ich von den chinesischen Kommunisten eine Einladung für einen First-Class-Flug plus Hotel etc. erhalte, werde ich das sicher nicht ausschlagen. So geht man nicht mit Freunden um.»
Schweizer Wirtschaftsvertreter unterscheiden sind da wenig. Zum Beispiel Christoph Mäder. Er ist seit über einem Jahr Präsident des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse. Mäder: «Was mit dieser Volleyballspielerin passiert ist, hört sich gar nicht gut an.» Andererseits lebten noch viele andere Pengs in China, die sich nur von Reis und Lotusblättern ernähren würden. «Ohne Kommunikation, keine Kooperation, also nur noch Reis und dieses Grünzeugs.»
Aus der Schweizer Medienbranche sind ebenfalls verschiedene Stimmen zu hören. Einige Lokalredaktionen verzichten darauf, Sportjournalisten nach China zu schicken. Beim «Tages-Anzeiger» heisst es, dass mit Min Li Marti eine regierungskritische Kolumnistin die Winterspiele kommentieren werde. Min Li Marti: «Ich bin zwar nicht wirklich eine Chinesin, aber was mit dieser Baskettballspielerin passiert ist, ist eine 混乱(Sauerei).»

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