Wider die Frauensession - ein Plädoyer

Wider die Frauensession - ein Plädoyer

Die Frauensession ist ein demokratiepolitisches Ärgernis. Die Sache ist zu ernst, um sie unwidersprochen über die Bühne gehen zu lassen. Schweigen heisst dulden – und zahlen.

image
von Claudia Wirz am 29.10.2021, 04:00 Uhr
Bühne frei für die Frauensession. Man darf sich auf ein Festival zum Staatsausbau gefasst machen.
Bühne frei für die Frauensession. Man darf sich auf ein Festival zum Staatsausbau gefasst machen.
Dieses Wochenende tagt die Frauensession in Bern. Eigentlich könnte man sie ignorieren. Denn erstens hat sie staatspolitisch keinerlei offizielle Funktion und auch keine demokratische Legitimation. Es ist sogar ein ausgesprochener Unsinn, in einer direkten Demokratie eine solche Demokratieposse aufzuführen.
In keinem anderen Land ist die politische Partizipation der stimm- und wahlberechtigten Bevölkerung so ausgebaut wie in der Schweiz. Und wer das Stimm- und Wahlrecht nicht hat, kann sich in ungezählten Vereinen am öffentlichen Leben beteiligen. Es braucht also keinen vom Steuerzahler subventionierten «Safe-Space», damit Frauen in diesem Land ihre Stimme erheben und Politik machen können, im Gegenteil. Die Frauensession ist überflüssig, mehr noch: Sie ist ein demokratiepolitisches Ärgernis.

Jahrmarkt der Begehrlichkeiten

Dieses Ärgernis ist umso grösser, als die Frauensession einen Kanon von linken Forderungen verabschieden wird – und zwar im Namen «der» Frauen in der Schweiz, als wären alle Frauen in diesem Land links. Es gibt aber nicht «die» Frau in der Schweiz und schon gar nicht «die» Meinung «der» Frau.
Wenn man die Liste der Anträge aus den Kommissionen dieses femininen Pseudo-Parlaments betrachtet, wird einem angst und bang. Es ist absehbar, dass die Frauensession in zwei Tagen ein wahres Feuerwerk an Vorschlägen für den Ausbau des Staates präsentieren wird. Zwar hat die Frauensession wie erwähnt keine offizielle Funktion, sie wird dennoch politischen Druck erzeugen, wenn man diesem Festival der Begehrlichkeiten nicht entschieden entgegentritt.
Vor dem demokratiepolitischen Hintergrund könnte man die Frauensession zweitens als patriarchalisches Relikt betrachten. Offenbar trauen die Organisatorinnen den Frauen nicht zu, ihre Geschicke selber in die Hand zu nehmen und mit denjenigen Instrumenten Politik zu machen, die allen Erwachsenen unabhängig vom Geschlecht zur Verfügung stehen.

Hilfsbedürftige Frauen

Sind Frauen aus der Sicht der Organisatorinnen am Ende also nicht erwachsen genug? Dieser Schluss liegt jedenfalls nahe. Die Idee der Frauensession entspringt der gleichen anmassenden Infantilisierung der Frau, die sich auch in der Forderung nach Frauenquoten manifestiert. Beiden Konzepten liegt der Gedanke zugrunde, dass es Frauen aus eigener Kraft nicht schaffen und paternalistische Hilfe von oben brauchen. Das rechtsstaatliche Gebot der Gleichbehandlung – eine der grossen Errungenschaften der liberalen Demokratie – wirft man dafür bedenkenlos über den Haufen.
Drittens ist diese Veranstaltung Opfer ihrer eigenen politischen Korrektheit. Damals, 1991, als die erste Frauensession tagte, war die Welt noch in Ordnung. Da gab es noch Männer und Frauen, und die heitere Frauenrunde konnte unter der Bundeshauskuppel herzlich lachen über die Idee der Ehe zwischen zwei Männern (Bericht siehe hier). Damals hielt man eine solche Idee noch für absurd und lächerlich.
Doch heute gilt dieses Denken als homophob, und wer nur in zwei Geschlechtern denkt, also eine binäre Weltsicht hat, muss sich als transphob etikettieren lassen. Wir leben heute in einer Zeit, in der auf Druck der Transgender-Lobby das Wort «Frau» sogar gänzlich ausgemustert werden soll.

Stelldichein der Gleichgesinnten

Dieser Kelch ist an der Frauensession freilich nicht vorbeigegangen. Es ist schon fast amüsant zu betrachten, wie sich die Organisatorinnen mehr schlecht als recht darum bemühen, den formellen Anforderungen der Transgender-Lobby pflichtschuldigst gerecht zu werden. Sie versuchen sich halbwegs glücklos mit Sternchen aus der Affäre zu ziehen, indem sie von «Frauen*» schreiben. Doch zu durchsichtig ist dieses Manöver. Das Gendersternchen, das formell alle miteinschliessen soll, die sich als Frauen fühlen oder einmal gefühlt haben, ist das neue Feigenblatt der Gerechten.
Die Frauensession spiegelt aufgrund des fragwürdigen Wahlverfahrens viertens in keiner Weise das gesamte Meinungsspektrum der Schweizer Frauen wider. So gehören beispielsweise sieben von zehn auserkorenenen Tessinerinnen zur SP, Juso oder zu den Gewerkschaften, wie die NZZ schreibt. Kurzum: Die Frauensession ist über weite Strecken ein Stelldichein der Gleichgesinnten mit klar linker Schlagseite.
Die Frauensession ist also ein demokratiepolitisches Unding, das man aufgrund des von ihm ausgehenden politischen Drucks nicht unwidersprochen stehenlassen darf. Die Frauensession wird die Schweiz nicht vorwärts bringen, sondern, falls sie eine Wirkung hat, nur die Staatsquote erhöhen. Was die Schweiz tatsächlich brauchen könnte, wäre eine «Gegensession» der Unternehmer. Denn nicht unsere Staatsgläubigen schaffen den Wohlstand in der Schweiz, sondern unsere Unternehmen.

Mehr von diesem Autor

image

Pflegeinitiative: Der teure Glaube an den «starken» Staat

Claudia Wirz28.11.2021comments

Ähnliche Themen