Was nützt der Gesichtsschutz? Die Wirkung einer Maskenpflicht ist umstritten, auch in der Schweiz. Das beste Beispiel dafür ist aber Texas

Was nützt der Gesichtsschutz? Die Wirkung einer Maskenpflicht ist umstritten, auch in der Schweiz. Das beste Beispiel dafür ist aber Texas

Im März schafft Texas die Maskentragepflicht ab. Seither fallen die Hospitalisierungs-, Todes- und Fallzahlen kontinuierlich. In der Schweiz sind die Fallzahlen nach Inkrafttreten der Maskentragepflicht sogar gestiegen.

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von Nicole Ruggle am 13.7.2021, 07:00 Uhr
Bild: Unsplash
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Im März 2021 hob der republikanische Gouverneur Greg Abbott in Texas viele Corona-Restriktionen, darunter die Maskentragepflicht, auf.


Bereits im April drängten tausende Menschen in ein Baseballstadion und genossen die wiedergewonnenen Freiheiten. Barbecue-Partys wurden gefeiert, die Menschen strömten in den Ausgehvierteln auf die Strasse. Das Leben im republikanisch regierten Südstaat kehrte in vollen Zügen zurück. Unternehmer freuten sich, dass sie ihr Geschäft wieder öffnen durften.

Texanische Unternehmer freuen sich über die Wiedereröffnung ihres Restaurants. Quelle: KHOU11

Von US-Präsident Joe Biden kam postwendend der Vorwurf der Verantwortungslosigkeit. «Neandertalisch» sei dieses Verhalten. Denn: Auch mit dem Impfen ging es in Texas anfangs nur langsam voran.
Trotzdem fielen die Zahlen in Texas bis heute kontinuierlich. Und dies sogar rascher als in Staaten, die strengere Massnahmen verfügten. Zum Beispiel Michigan: Der demokratisch regierte Staat verhängte wiederholt strikte Lockdowns mit Maskentragepflicht. Dennoch hatte Michigan zur selben Zeit, als Texas massiv lockerte, mehr Fälle zu beklagen. Noch im Mai schnellten die Todeszahlen dort in die Höhe, inzwischen sind sie ebenfalls abgeflacht. Dennoch ist die Todesrate - im Verhältnis zur Bevölkerung - heute höher als in Texas.

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Neuansteckungen, Tests, Hospitalisierungen und Coronatote im US-Staat Texas. Quelle: The New York Times. Stand 12.07.2021

Dem Beispiel Texas folgend, zogen viele Staaten nach und schufen die Maskentragepflicht ab. Nur noch in zehn von insgesamt 50 Bundesstaaten müssen aktuell noch Masken getragen werden. Da stellt sich die Frage, wie wirksam diese Regel überhaupt ist. Dafür lohnt sich ein Vergleich über alle Staaten: Es zeigt sich, dass es keinen Zusammenhang zwischen den Fallzahlen und einer Maskentragepflicht zu geben scheint.

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Eigene Darstellung. Quelle: US-Bundesstaaten. Stand 01. Juli 2021

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7-Tage Inzidenz, US-Bundesstaat Texas. Quelle: https://covid.cdc.gov/covid-data-tracker Stand 12.07.2021

Diese ist ohnehin schon länger umstritten. Wir erinnern uns: Noch im März 2020 riet die WHO gesunden Menschen vom Tragen medizinischer Gesichtsmasken ab. Widersprüchlich ist auch die später folgende Empfehlung der WHO, welche Art von Masken getragen werden sollen: Warum sind selbstgebastelte Stoff-Masken, die in jedem herkömmlichen Souvenir- oder Internetshop erworben werden können, vielerorts als Mund-Nasen-Schutz akzeptiert? Und wenn Politik und Wissenschaft unzweifelhaft von der Wirksamkeit von medizinischen Gesichtsmasken überzeugt sind: Warum ist dann auch selbstgenähter Gesichtsschmuck in Ordnung?

Fallzahlen in der Schweiz nach Maskentragepflicht gestiegen
In der Schweiz wurde im Juli 2020 ebenfalls eine nationale Maskentragepflicht im öffentlichen Verkehr verordnet. Ab dem 19. Oktober musste neu auch auf Bahnhöfen, Perrons und Flughäfen Maske getragen werden. Allerdings lässt sich auch hier kein nennenswerter Zusammenhang zur Entwicklung der Fallzahlen ausmachen. Im Gegenteil: Kurz nach Inkrafttreten der nationalen Maskentragepflicht im öffentlichen Verkehr stiegen die Fallzahlen stark an, nach deren Ausweitung erreichten sie gar ihren Höhepunkt.

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Laborbestätige Fälle pro 100'000 Einwohner in der Schweiz und Liechtenstein. Quelle: BAG. Stand 12.07.2021

Gerhard Scheuch, ein deutscher Aerosol-Experte und Physiker, wies bereits im März in einem Interview mit dem SWR darauf hin, dass der Kontakt im Freien selten ausreiche, um sich zu infizieren. Es mache wissenschaftlich wenig Sinn, Masken im Freien zu tragen. Ob also die Ausweitung der Maskentragepflicht auf öffentliche Plätze tatsächlich die gewünschte Wirkung zeigte, darf bezweifelt werden.
Sinnbildlich dafür stehen die USA: 50 Staaten, 50 unterschiedliche Massnahmen. Einen nennenswerten Zusammenhang, der die Verbindung von Fallzahlen und einer Maskentragepflicht logisch erscheinen lässt, kann nicht festgestellt werden. Texas ist dabei nur das auffälligste Beispiel.



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