Was haben wir da nur angerichtet?

Kürzlich, an einer Tramstation, glaubte ich, meinen Ohren nicht richtig zu trauen. «Du Nazi», schrie ein Junge ­seinen gleichaltrigen Spielkameraden, im Gerangel um ein Kickboard, an.

image 29. April 2022, 07:00
Nebelspalter Printausgabe 5/22, Bild: Ian Marsden
Nebelspalter Printausgabe 5/22, Bild: Ian Marsden
Die beiden hatten ihren Chindistreifen wohl erst kürzlich gegen einen Schulranzen eingetauscht. «Oha!», dachte es in mir. «Was haben wir da nur angerichtet?» Mit wir meine ich uns, nicht die Kinder. Wir setzen den Begriff inflationär für alles und jeden ein, der oder die nicht gleich denkt wie wir selber. Zwei Jahre Pandemie und der russische Krieg gegen die Ukraine haben dem Begriff «Nazi» geradezu zur Hochblüte verholfen.
Den gab es übrigens schon lange vor Hitlers Nationalsozialismus. Er wurde, im Sinne von dumm, peinlich oder ungeschickt, herabwürdigend verwendet. Attribute, die vor allem auf den Begriff selber zutreffen. Insofern sollten wir versuchen, ihn zu vermeiden. Es wird höchste Zeit, im Kinderzimmer ist er schon angekommen.
Nachdem das mal gesagt ist, wünsche ich Ihnen viel Vergnügen mit der neuen ‹Nebi›-Ausgabe. Diese widmet sich unter anderem dem Pendeln und belässt es bei der Natur.

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