Warum wird nie über den Migrationshintergrund vieler Corona-Kranker geredet?

Warum wird nie über den Migrationshintergrund vieler Corona-Kranker geredet?

Zahlen aus Österreich zeigen: Migranten erkranken rund doppelt so häufig an Corona. Das müsste unsere Corona-Politik beeinflussen.

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von Margit Osterloh am 15.4.2021, 06:00 Uhr
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Wir werden von den staatlichen Medien täglich mit Corona-Inzidenzen, R-Werten und Sterbezahlen überschüttet. Sie sollen uns in bedingungslosen Pandemiegehorsam halten. Gleichzeitig gibt es viele Tabu-Themen: Warum hat der Bundesrat ein einheitliches Verbot der Aussengastronomie verfügt, obwohl doch der Kanton Graubünden und andere Innerschweizer Kantone alles richtig gemacht haben? Warum wird weiterhin Angst und Unsicherheit geschürt, obwohl wir derzeit eine erhebliche Untersterblichkeit haben und die Intensivstationen nicht ausgelastet sind? Warum wird der Zusammenhang von Anzahl Tests mit den Infektionszahlen nicht erwähnt? Besonders interessant: Warum wird nicht diskutiert, wie Erkrankungen, Hospitalisierungen und Todesfälle infolge von Covid 19 mit dem Migrationshintergrund und dem sozioökonomischen Status der Bevölkerung zusammenhängen?
Anders als derzeit in Österreich gibt es bei uns keine Daten darüber, dass Menschen mit Migrationshintergrund rund doppelt so häufig an Corona erkranken und eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf haben. Ihr Anteil an Patienten auf den Intensivstationen und ihre Sterberaten sind besonders hoch. Warum erhalten wir solche Zahlen nicht für die Schweiz? Warum werden die Gründe nicht diskutiert? Political Correctnes? Sorge um Ausländerfeindlichkeit?
Solche Daten könnten wichtige Anhaltspunkte für differenzierte Risikoeinschätzungen und kreative und gezielte Massnahmen geben: Sind Menschen mit mangelnden Deutschkenntnissen schlecht informiert? Eine Antwort wären Informationskampagnen in den gängigen Sprachen. Sind ärmere Menschen mit Migrationshintergrund stärker gefährdet, weil viele ihre Arbeit nicht im Homeoffice erledigen können? Tägliches Testen und flächendeckende kostenlose Ausstattung mit FFP2-Masken könnten helfen. Sind es beengte Wohnungsverhältnisse, in denen mehrere Generationen eng zusammenwohnen? Bekanntlich findet sich hier das höchste Ansteckungsrisiko. Warum nicht einen kostenlosen Aufenthalt in sonst leerstehenden Hotels für ältere Menschen und solche mit gesundheitlicher Vorbelastung anbieten? Solche Massnahmen helfen nicht nur den betroffenen Menschen, sondern dienen auch der Allgemeinheit, weil sie das Infektionsrisiko generell senken. Sie sind zwar teuer, aber immer noch wesentlich billiger als den partiellen Lockdown weiter zu führen.
Einzelne Gemeinden könnten je nach Zusammensetzung ihrer Bevölkerung versuchsweise verschiedene Massnahmen unter wissenschaftlicher Begleitung ausprobieren und so z.B. die Restaurants wieder öffnen. Im Erfolgsfall können die Massnahmen dann von anderen übernommen werden. Tabuisierung verhindert Lernmöglichkeiten und schürt Ängste. Differenzierte Informationen ermöglichen originelle kreative Lösungen anstelle undifferenzierter Lockdowns.

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