Jogger sollten nicht nur jammern, sondern sich mit dem Wesen des Hundes beschäftigen. Eine Replik

Jogger sollten nicht nur jammern, sondern sich mit dem Wesen des Hundes beschäftigen. Eine Replik

Von Kolumnist zu Kolumnist: Markus Melzl antwortet auf Michael Schoenenbergers Kolumne «Hunde, Hundehalterinnen und Jogger».

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von Markus Melzl am 12.7.2021, 09:00 Uhr
Hunde und Jogger: Es ist kompliziert. Foto: Shutterstock
Hunde und Jogger: Es ist kompliziert. Foto: Shutterstock
Michael Schoenenberger schreibt als langjähriger Jogger in einer Kolumne über seine anthropologischen Beobachtungen zum Thema Zoff mit Hunden. Dabei hätte er diese auch mit ein paar zoologischen ergänzen sollen. (Lesen Sie hier die Kolumne von Michael Schoenenberger.)
Als langjähriger Hundehalter sind mir nicht nur die drei von ihm genannten Hundehaltertypen bekannt, sondern viele weitere und jede Menge Mischformen.
Typ 1, «Die Gleichgültige», die mit dem Hund spazieren geht, sich jedoch primär mit der Natur, dem Handy oder dem Austausch mit anderen Leuten beschäftigt, ist nicht nur für den Jogger, sondern auch für Hundehalter ein Ärgernis.

Ein paar Gedanken...

Die Hundehaltung von Typ 2, «Die Verantwortungsvolle», und Typ 3, «Die Ambitionierte», erklärt er gesondert. Somit muss ich Typ 4 hinzufügen: Der verantwortungsvolle Ambitionierte. Dieser geht mit seiner Fellnase zwei Mal täglich eine Stunde durch Feld und Wald, ist dabei auf seinen tierischen Begleiter fokussiert und geniesst diesen wunderbaren Zustand.
Dass jemand – je nach Hunderasse – ambitioniert an hundesportlichen Aktivitäten teilnimmt, heisst nicht, dass es einem solchen Hundehalter an Verantwortung mangelt. Das Gegenteil dürfte wohl eher der Fall sein. Jetzt zum Kern der Sache: Die Welt da draussen gehört nun nicht alleine den Joggingschuhträgern oder den Mountainbikern. Es wäre deshalb sinnvoll, wenn sich auch rennende Zeitgenossen mit gelegentlichen Caniden-Kontakten ein paar Gedanken über das Wesen eines Hundes machen würde.

Blödsinnige Aussagen

Dass dies nicht immer geschieht, zeigt sich etwa bei der Typisierung der Hunderassen in der erwähnten Kolumne, wenn ein Rottweiler, ein Schäfer und ein Riesenschnauzer im gleichen Atemzug genannt werden.
Okay, es sind alle grössere Hunde – aber das wärs dann auch schon. Selbstverständlich nimmt man als Hundehalter beim Erblicken eines Joggers seinen Hund an die Leine; doch es kann nicht sein, dass der Hündeler seine ganze Aufmerksamkeit exklusiv nur darauf richtet, ob sich ein Läufer oder Velofahrer nähert.
Auch ein Hund kann erschrecken, wenn unvermittelt zwischen ihm und seinem Halter ein Jogger durchflitzt. Ein kurzer Ruf oder das Bimmeln mit der Glocke (und dies bereits aus einer gewissen Distanz): Das wäre optimal für alle. Aussagen wie «der macht nichts« oder «der will nur spielen»: Die sind natürlich völliger Blödsinn.

«Hau ab»

Der Hund ist per Definition ein Beutejäger und sein Gebiss ist mit Schneide- und Fangzähnen ausgestattet. Also nie und nimmer ein Vegetarier, wobei Jogger eher selten auf dem Speiseplan stehen. Kommt es zu einem Beissvorfall, dann geht es in unseren Breitengraden in der Regel nicht um Nahrung, sondern um Verteidigung.
Wenn ein Hund in Bedrängnis gerät, kann er nun mal nicht mit Worten sagen: «hau ab». Was ihm bleibt, ist nur das Bellen, Anrempeln – oder im dümmsten Fall das Zubeissen. Er sagt zwar schon: «Geh weg», aber eben auf seine Art, die wiederum von den meisten Joggern nicht verstanden wird.
Und zum Schlusssatz in der besagten Kolumne: In Artikel 6 des Tierschutzgesetzes wird festgehalten, dass jedem Tier die notwendige Bewegungsfreiheit gewährt werden muss – und somit ist es rechtlich nicht zulässig, wie allerdings gefordert, seinen Hund dauerhaft an der Leine zu halten. Es wäre eine Win-win-Situation, wenn sich Jogger und Biker nur ansatzweise mit dem Wesen eines Hundes auseinandersetzen würden. Ich persönlich stehe mit meiner sozialisierten Hundedame gerne zur Verfügung – selbstverständlich auch Michael Schoenenberger.
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