Kathrin Puhan: Von der SP zur Geschäftsführerin der FDP Kanton Zürich

Kathrin Puhan: Von der SP zur Geschäftsführerin der FDP Kanton Zürich

Die FDP des Kantons Zürich hat eine neue Geschäftsführerin: Kathrin Puhan. Die Frau hat eine Blitzkarriere hingelegt, sie ist erst seit 2019 Mitglied der FDP. Zuvor war sie bei der SP. Darüber sprechen mag sie aber nicht.

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von Stefan Millius am 2.12.2021, 10:16 Uhr
Blick auf die ausserordentliche Delegiertenversammlung der Zürcher FDP. (Bild: Facebook/FDP Kt. ZH)
Blick auf die ausserordentliche Delegiertenversammlung der Zürcher FDP. (Bild: Facebook/FDP Kt. ZH)
Im Februar 2017 vermeldete das «Infoblatt» der SP der Stadt Zürich einen überdurchschnittlichen Mitgliederzuwachs und listete die Neuen auf. Darunter war eine gewisse Kathrin Puhan-Henz. In ihrem Fall war es aber ein kurzes Gastspiel: Bereits 2019 wechselte sie zur FDP. Inzwischen tritt die selbständige «Vernetzerin, Moderatorin und Trainerin», wie sie sich auf ihrer Firmenwebseite bezeichnet, auch nicht mehr mit Doppelnamen auf.

Parteiwechsel: Meist innerhalb des Lagers

Ein Parteiwechsel ist nicht völlig aussergewöhnlich. Meist aber findet er innerhalb eines bestimmten politischen Spektrums statt. Prominente Beispiele sind die früheren Nationalratsmitglieder Thomas Müller und Barbara Keller-Inhelder aus dem Kanton St.Gallen. Beide sind von der CVP zur SVP konvertiert. Das hat ihnen den Sprung auf die nationale Bühne ermöglicht, auch wenn sie später die Wiederwahl verpassten. Aber das waren Wechsel innerhalb des bürgerlichen Lagers. Von der SP zur FDP ist der Sprung ein bisschen grösser.
Im Fall von Kathrin Puhan hat das nicht geschadet. An einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung wurde sie vor zwei Tagen zur neuen Geschäftsführerin der Zürcher FDP gewählt. Ein kometenhafter Aufstieg für jemanden, der gerade mal seit zwei Jahren Parteimitglied ist.
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Kathrin Puhan. (Screenshot: Facebook)

Viele Fragen – keine Antworten

Wie es damals zum Wechsel von der SP zur FDP kam, wie sie die ideologische Hürde zwischen Freisinn und Sozialdemokratie gemeistert hat und wie die politische Vergangenheit bei den neuen Kollegen ankommt: Es wäre interessant zu erfahren. Puhan will aber kein Licht ins Dunkel bringen. Sie bittet darum, die – ausnahmslos persönlichen – Fragen an Hans-Jakob Boesch zu richten, den Präsidenten der kantonalen Zürcher FDP.
«Der Findungskommission und dem Parteivorstand war es natürlich bekannt, dass Kathrin Puhan zuvor kurz bei der SP war», sagt Boesch auf Anfrage. Es sei aber kein grosses Thema gewesen. Puhan sei früher bei den deutschen Jungliberalen gewesen und habe sich seit ihrem Eintritt in verschiedenen Gremien der FDP sehr engagiert, ihr Herz schlage «grundsolide liberal und mit Garantie nicht links». Dazu kommt für Boesch, dass die Geschäftsführung in erster Linie Managementaufgaben zu erfüllen hat; es gehe um die Umsetzung der politischen Entscheide von Parteivorstand und Delegierten.
Einige linke Anleihen scheinen der neuen FDP-Geschäftsführerin aber geblieben zu sein. Puhan ist beispielsweise Komitee-Mitglied der Zürcher Grundeinkommen-Initiative. Diese fordert ein Pilotprojekt mit 500 Probanden über drei Jahre hinweg, in dem die Auswirkungen eines bedingungslosen Grundeinkommens erforscht werden. Nicht unbedingt ein traditionell freisinniges Anliegen. Selbst der rot-grüne Zürcher Stadtrat hat der Idee vor wenigen Wochen eine Abfuhr erteilt.

FDP-Nationalräte versus Delegierte

Andererseits kann die Zürcher FDP eine Brückenbauerin zwischen links und rechts aktuell gebrauchen, wie eine weitere Entscheidung der Delegierten zeigt. Diese beschlossen mit grossem Mehr, das Referendum gegen die «Lex Netflix», angestossen von den Jungfreisinnigen, zu unterstützen.
Die Mehrheit der nationalen Prominenz der FDP des Kantons Zürich hingegen hat sich noch in der Herbstsession für das Gesetz ausgesprochen, das vorsieht, Streamingdienste zur Ausstrahlung von Schweizer TV-Produktionen oder ansonsten einer Art «Busse» zu verknurren. Die Zürcher FDP-Nationalräte Hans-Peter Portmann, Doris Fiala, Regine Sauter sowie Ständerat Ruedi Noser sagten Ja zur «Lex Netflix». Nur FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt war dagegen, sein Amtskollege und FDP-Fraktionschef Beat Walti enthielt sich.
Vier der sechs Zürcher FDP-Bundesparlamentarier halten es also offenbar für einen Meilenstein des Liberalismus, private TV-Anbieter zu einem bestimmten Programm zu verpflichten und Zwangsabgaben zugunsten des kulturellen Heimatschutzes zu erheben. Dies im Gegensatz zu den geschlossenen Reihen der Delegierten ihrer Kantonalpartei, welche die Basis repräsentieren sollten. Da dürfte eine Geschäftsführerin, die bis vor wenigen Jahren einer Partei angehörte, die den Kapitalismus überwinden will, auch nicht weiter ins Gewicht fallen.

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