Von A nach B (nach C), das Leben ist ein einziger Umweg

Von A nach B (nach C), das Leben ist ein einziger Umweg

Die «Militärische Abkürzung» nennt der Zivilist schlicht «Umweg». Zurecht. Die Idee ist ja extrem clever: Der Schweizer Kommandant will seine Truppen – ja, gestalten wir das Planspiel an dieser Stelle doch gleich realitätsnah: von Beinwil am See nach Hildisrieden verschieben.

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von Jürg Ritzmann am 6.9.2021, 07:00 Uhr
Illustration: Elena Pini
Illustration: Elena Pini
Da der Feind sehr, sehr intelligent ist (sonst hätte er ja erst gar nicht bis in diese gottverlassene Region vorstossen können), wird er diese geplante Truppenbewegung vorausahnen und auf ebendiesem direkten Weg einen Angriff planen. Vielleicht fast unsichtbar mit neuen Tarnkappenbombern.
Nun kommt die List: Der Schweizer Kommandant gibt den Befehl, zuerst nach Büron, dann nach Sempach und erst dann … – na ja, Sie wissen schon. Der Feind ist dadurch verwirrt und der Krieg gewonnen. Aufmerksame Armeefreunde haben es bemerkt: Mit «verschieben» habe ich ein bisschen Jargon eingebaut, um Kompetenz vorzutäuschen. In Wirklichkeit habe ich im Militär eine leichte Verschiebung meines Verstandes erfahren. Und: In Beinwil am See steht nach wie vor kein geheimer Marinestützpunkt.
Dumm ist nur, um auf das obige Beispiel zurückzukommen, wenn der Feind den taktisch ausgeklügelten Umweg ebenfalls vorausahnt, oder antizipiert, wie man im Sport gerne zu sagen pflegt. Das Augenmerk des BöFei – militärisch für «Böser Feind» – richtet sich also auf die längere Strecke via Büron und Sempach (merke: Schlacht bei Sempach, 1386) und der Effekt der Militärischen Abkürzung verpufft ohne Vorteil.
Einfach schade. Glücklicherweise weiss das der Schweizer Oberst, natürlich, der schlaue Fuchs, womit wir bei der Moral angelangt wären: Sollten Sie, liebe Leserin, lieber Leser, im Ernstfall einmal Truppen kommandieren, dann nehmen Sie den direkten Weg.

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