Vom Vehikel zum Megatrend Elektroauto

Vom Vehikel zum Megatrend Elektroauto

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von Eric Sarasin am 24.3.2021, 14:09 Uhr
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Vor genau 135 Jahren liess Carl Benz den ersten Motorwagen patentieren. Seitdem hat sich einiges verändert. Heute fahren geschätzt 1,5 Milliarden Autos auf den Strassen weltweit. Tendenz steigend.

Die noch immer beworbenen Vorzüge des Automobils, die „Mobilität“ und „Freiheit“ versprechen, entsprechen in vielen Regionen der Welt längst nicht mehr der Realität. Wer in Städten wie Los Angeles oder Mexico City unterwegs ist, für den gehören Staus zum Alltag. Darunter leidet nicht nur die Geduld der Autofahrer, vor allem leiden Umwelt, Wirtschaft und Gesundheit. 2016 starben allein durch von Autos verursachten Smog 3,3 Millionen Menschen, durch Autounfälle 1,3 Millionen.
Grund genug, das Auto in Zukunft sicherer, umweltfreundlicher und effizienter zu machen.
In diesem Zusammenhang denkt jeder sofort an Elektroautos. Tesla, der Vorreiter, hat letztes Jahr 500 000 Fahrzeuge verkauft. Volvo hat kürzlich verkündet, dass bis 2035 die gesamte Fahrzeugflotte über einen Elektroantrieb verfügen wird. In Deutschland, dem grössten Automarkt Europas, wird VW in den nächsten fünf Jahren bis zu zehn Milliarden Euro in die Weiterentwicklung von elektrischen Autos investieren. Auch Audi, BMW, Daimler und Porsche sind intensiv daran, ihr Angebot an Elektroautos auszubauen. Der E-Auto-Trend setzt sich von China (NIO) bis in die USA mit GM, Ford und dem E-Auto-Startup Rivian fort.
Der Elektrizitätsverbrauch wird sich demzufolge in Zukunft mindestens verdoppeln. Dafür braucht es mehr alternative Energiequellen wie Wind und Sonne. Die Entsorgung der Akkus ist ein weiteres Problem, doch Autohersteller arbeiten daran, ausgedienten Akkus nach der harten Arbeit auf der Strasse ein zweites Leben einzuhauchen, zum Beispiel für Solaranlagen auf Hausdächern oder indem man versucht, die wertvollen Rohmaterialien zurückzugewinnen.
Das neue Zeitalter des elektrischen Fahrens bedeutet aber auch, dass die Industrie umdenken muss: Bei der Herstellung elektrischer Autos müssen Räder, Bremsen, Pneus, Aufhängung und Technologie den neuen Standards und dem Gewicht der Batterie angepasst werden. Der Reifenhersteller Pirelli zum Beispiel arbeitet heute schon eng mit Autoproduzenten zusammen, um Pneus zu entwickeln, die einen reduzierten Rollwiderstand haben.
Auch der Autofahrer wird sich umgewöhnen müssen. Sitzt man in einem Elektroauto, ist das Fahrgefühl irgendwie „anders“. Seit ich einen Tesla besitze, fahre ich vor allem viel entspannter, denn auf Knopfdruck fährt der Tesla mich und nicht ich ihn, was vor allem auf Autobahnen wunderbar funktioniert. Selbst die Musik kann heute in verschiedenen E-Modellen von BMW schon an den Fahrstil und die Geschwindigkeit des Autos angepasst werden. Klingt futuristisch, ist aber schon Wirklichkeit. Mercedes, Jaguar, Nissan und Tesla verfolgen ähnliche Pläne. Audi geht noch weiter und hat in seinem e-tron-Modell das AVAS (Accoustic Vehicle Alerting System) eingebaut, das Fussgänger darauf aufmerksam macht, wenn sich ein Elektroauto nähert.
Natürlich wird es in einem solchen Veränderungsprozess auch Verlierer geben. Zum Beispiel der Automechaniker, der keine Ölwechsel und andere gewohnte Service-Arbeiten mehr durchführen kann. Oder jene Fahrer, die nicht mehr mit ihrem röhrenden Auspuff imponieren können. Man wird weniger über Autoteile sinnieren als vielmehr verstehen müssen, wie das Computersystem des Fahrzeugs funktioniert. Würde dem Autopionier Carl Benz ein Blick in das 21. Jahrhundert gewährt – ich glaube, er wäre begeistert.
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Claudia Wirz, Heute, 10:00