Versöhnung statt irrationaler Hass im neuen Nebelspalter-Heft

Versöhnung statt irrationaler Hass im neuen Nebelspalter-Heft

Leider wird die neue Print-Ausgabe heute nicht wie die Blätter im Herbst mit dem Wind verteilt. Die Post muss ran! Oder Sie gehen zum Kiosk. Dort finden Sie viel Versöhnliches, aber nur kurz. Die Welt bietet viel Stoff für Angriffigkeit, viel Vergnnügen!

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von Ralph Weibel am 1.10.2021, 04:00 Uhr
Werner David
Werner David
Liebe Leserinnen und Leser,
Ist Ihnen auch schon aufgefallen, wie oft derzeit Immanuel Kant zitiert wird? «Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.» Interessanterweise reklamieren in unserer gespaltenen Gesellschaft alle Parteien die Richtigkeit dieses Zitats für ihr Anliegen. Unabhängig, in welcher Blase jemand lebt. Ob Corona, Klimaschutz oder LGBTQ, und ich verzichte hier explizit auf Zusätze wie -Leugner, -Idiot, -Held oder Ähnliches, welche von sich aus eine Bewertung enthalten. Ihre Synapsen im Gehirn machen das von alleine. Das ist normal, deshalb müssen Sie sich nicht gleich in therapeutische Behandlung begeben. Empfehlenswert wird dies erst, wenn Sie sich in Ihrer Sicherheit derart bedroht fühlen, dass Sie sich zu hölzernen Vergleichen mit dem Nationalsozialismus hinreissen lassen wie jüngst – nein, der Name besagten Chefredaktors verdient es nicht, in diesem Heft erwähnt zu werden.
Was ist in den vergangenen Monaten nur aus unserer Diskussionskultur geworden? Oder um es etwas martialischer auszudrücken, Streitkultur. Jeder und jede Einzelne scheint die Wahrheit mit dem Löffel gefressen zu haben. Wir denken nicht mehr Kreisverkehr, wo es in alle Richtungen gehen kann, sondern nur noch Einbahnstras­se. Doch damit nicht genug. Wer uns entgegenkommt, ist das personifizierte Böse. Vielleicht sollten wir darüber nachdenken und uns zurückbesinnen, was uns in der Vergangenheit Sicherheit gab. Sicher nicht Totalitarismus, sondern die Fähigkeit, auf andere einzugehen, wenigstens zu versuchen, etwas davon verstehen zu wollen, was die Gegenseite anführt. Nur so ist eine Versöhnung möglich. Leider geht das nicht alleine mit Harmonie. Die Argumente müssen auf den Tisch!
Leider werden Ihnen in dieser Ausgabe nicht alle gefallen, andere dafür umso besser. Sicher sein können Sie sich, dass die Vielfalt der Texte unserer Autorinnen und Autoren, der Cartoons unserer Zeichnerinnen und Zeichner, nicht mittels eigener Ideologie ausgewählt wurden. Insbeson­dere, was das omnipräsente Thema Corona betrifft, sollen verschiedenste Meinungen dazu anregen, sich mit der Gegenseite zu befassen. Letztlich gibt uns nur das die Sicherheit, dass wir unsere Freiheit nicht verlieren. Und wenn wir schon dabei sind, über das Nachdenken und unsere höchsten Güter nachzudenken, gebe ich Ihnen das Versprechen mit auf den Weg, das nächste Editorial werde wieder lustiger und, um beim Thema zu bleiben, ein Gedanke von Benjamin Franklin: «Wer Freiheiten aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, verdient weder Freiheit noch Sicherheit.»

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