Bubi-Fragen für Bubi-Schweizer

Bubi-Fragen für Bubi-Schweizer

Wer Schweizer werden will, muss seit 2018 strengere Kriterien erfüllen. Neueste Zahlen zeigen: Die neuen Regeln führen zu einem Rückgang der Einbürgerungen. Sind sie zu streng? Wohl kaum.

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von Beni Frenkel am 19.4.2021, 10:13 Uhr
Nicht mehr so beliebt wie früher: der Schweizer Pass Bild: Shutterstock
Nicht mehr so beliebt wie früher: der Schweizer Pass Bild: Shutterstock
Ist die Schweiz a) eine Diktatur b) ein absolutistischer Staat c) eine Demokratie oder halt doch d) ein Fürstentum? Wer sich auf den Einbürgerungstest im Kanton Aargau vorbereiten will, kann das mit einem Test tun. Von 45 Fragen müssen mindestens 34 richtig beantwortet werden, um den Test zu bestehen.
Die Anforderungen für die Einbürgerung sind in der Schweiz gering, auch wenn uns der Film «Schweizermacher» von 1978 etwas anderes vorspielte. Die Einbürgerungsquote lag in der Schweiz zwischen 2011 und 2017 bei 1,91 Prozent. In Deutschland lag die Quote in diesem Zeitraum bei 1,45 Prozent.
2018 trat das totalrevidierte Bundesgesetz über das Schweizer Bürgerrecht in Kraft. Es wird «verschärft» genannt, weil es neue Voraussetzungen für den Erwerb auflistet. Zum Beispiel müssen Anwärter den Ausweis C besitzen, keine Werbung für schwere Verbrechen machen und nachweisen, dass sie eine Landessprache auf Niveau A2 lesen können. Niveau A2 ist von sechs das zweittiefste Niveau.
Wer ein Niveau A2-Diplom will, muss zum Beispiel folgende Aufgabe lösen können: «Familie Müller plant ihren Urlaub. Sie geht in ein Reisebüro und lässt sich von einem Angestellten beraten. Als Reiseziel wählt sie Mallorca aus. Wie lautet das Reiseziel der Familie Müller?»
Die Kantone können weitere Integrationskriterien verlangen. Viel Spielraum haben sie allerdings nicht. Das Bundesgesetz hat den Rahmen eng gezurrt. Unterschiede gibt es trotzdem: Im Kanton Aargau müssen Anwärter zum Beispiel während zehn Jahren keine Sozialhilfe bezogen haben. In Zürich sind nur die letzten drei Jahre entscheidend. Dafür erwartet die Limmatstadt, dass die Bewerber in «Kontakt mit Schweizern und Schweizerinnen sind».
Neuste Zahlen zeigen: So einfach die neuen Voraussetzungen auch sind, ihre Wirkung ist gross. 2019 wurden in der Schweiz über 41'000 Einbürgerungen vorgenommen, 2020 waren es weniger als 34'000. Besonders deutlich zeigt sich das in der Stadt Zürich. Die Zahl der ordentlichen Einbürgerungen, welche kommunal geregelt werden, sank von 4091 (2019) auf 3271 (2020).
Für die links-grüne Regierung keine guten Nachrichten: Eingebürgerte Schweizer wählen tendenziell links. Die Stadtregierung gab darum letzten Monat bekannt, dass jungen Erwachsenen die kommunale Einbürgerungsgebühr (250 Franken) erlassen werden soll. Und: Wer sich dieses oder letztes Jahr einbürgern liess, erhielt von der Stadt einen Essensgutschein im Wert von 30 Franken, wie die Stadtkanzlei auf Anfrage des «Nebelspalters» bestätigte.
Wie es scheint, reichen die Gutscheine als Lockmittel wenig. Vielleicht braucht es noch zwei Nullen mehr.
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