Feusi Fédéral

Vanessa Meury: «Netto-Null ist nur mit Kernenergie zu erreichen», Ep. 70

Die Präsidentin des Energie Clubs Schweiz über ihre «Blackout-Initiative», die Stromversorgung der Schweiz, die Klimapolitik und wieso es dafür Atomkraftwerke braucht.

image 6. Oktober 2022, 15:45


Vor einem Monat hat der Energie Club Schweiz die Initiative «Jederzeit Strom für alle (Blackout stoppen)» gestartet. Die Sammlung laufe gut, sagt Vanessa Meury. Die Initiative soll schon nächsten Frühling eingereicht werden. «Wir wollen mit der Initiative klar regeln, dass der Bund für die Versorgungssicherheit zuständig ist – heute schiebt sich die Politik und die Stromfirmen den schwarzen Peter zu.»

«Es ist eine Illusion zu glauben, dass Flatterstrom die Grundlast im Winter gewährleisten kann.»

Vanessa Meury, Präsidentin Energie Club Schweiz

Die Initiative fordert, dass jede «klimaschonende» Technologie für die Stromversorgung eingesetzt werden kann. «Wir sagen nicht nein zu erneuerbaren Energien», erläutert Vanessa Meury, «wir sagen nur, dass es falsch ist, mit den Erneuerbaren die Kernenergie ersetzen zu wollen, das geht nicht, wie Deutschland zeigt.» Es sei eine Illusion zu glauben, dass Flatterstrom eine Grundlast im Winter gewährleisten könne. Deutschland beweise: Es brauche ein Backup mit Kohle- und Gaskraftwerken, die massive CO₂-Emissionen bedeuten. «Das ist doch absurd!». Die Initiative fordere nichts anderes als eine sichere Stromversorgung mit einem Strom-Mix aus allen klimaschonenden Technologien.

Es braucht mehr Strom als heute

Was die Initianten stört, ist das Verbot von kernkraftwerken im Energiegesetz. «Netto Null bis 2050 ist nur mit Kernenergie zu erreichen», findet Vanessa Meury. «Wir brauchen viel mehr Strom als heute, wegen der Zuwanderung, aber auch wegen der Dekarbonisierung des Verkehrs.» Die Alternative wären noch mehr Importe im Winter, doch diese seien nicht gewährleistet. «Wir sollten nicht auf Importstrom setzen, sondern auf eine eigenständige Produktion in der Schweiz», findet Meury. «Genug Strom zu haben, ist wichtig für die Schweiz, die ganze Wirtschaft hängt daran.»

Folge anhören:


Dass der Widerstand gegen AKWs gross sei, habe mit der jahrelangen Angstmacherei gegen Kernenergie zu tun. «Wir haben gegen jedes Argument Fakten bereit», sagt Meury. Ihre Aufgabe sei es, die Bevölkerung zu informieren. Meury weist darauf in, dass bis jetzt alle Volksinitiativen für einen Atomausstieg gescheitert seien, letztmals 2016.

Offen für Gegenvorschlag

Wie sähe ein indirekter Gegenvorschlag zur Initiative aus? «Das Technologieverbot im Energiegesetz müsste aufgehoben werden und der Bund die Verantwortung für die Stromversorgung übernehmen.» Das seien die wichtigsten Punkte der Volksinitiative, betont Meury. «Das müssten wir zwingend umsetzen.»

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