Unterdrückung: Kein Helm für Afros!

Unterdrückung: Kein Helm für Afros!

Wir leben im 21. Jahrhundert. Trotzdem produziert die Branche Velohelme nur für weisse Velofahrer. Eine Frau mit Afro bringt sich mutig in Stellung und fordert einen Paradigmenwechsel.

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von Gast Autor am 23.6.2021, 12:00 Uhr
Sandrine Mischer bei der verzweifelten Helmanprobe. Bild: Screenshot bajour.ch
Sandrine Mischer bei der verzweifelten Helmanprobe. Bild: Screenshot bajour.ch
Sandrine Mischler fährt jeden Tag Velo. Das ist gut für die Natur und noch besser für die Figur. So ganz ohne Schuldbewusstsein strampelt die junge Baslerin aber nicht bis zur Uni Basel, wo sie Kulturanthropologie studiert. Mischler fährt nämlich ohne Helm! Verboten ist das noch nicht, aber wer alles korrekt machen will, der stülpt sich einen Helm über den Kopf.
Das Problem bei Mischler: Sie trägt einen Afro, also «stark gekrauste, nach allen Seiten abstehende dichte Locken», wie uns Wikipedia bei der Definition etwas hilft. Auf so einen Kopf passt natürlich kein Helm, ausser man bohrt in den Schädel hinein. Aber das will Mischler bestimmt nicht, es würde ihre Frisur zerstören.
Neuerdings kann man bei solchen Problemen der Allgemeinheit die Schuld in die Schuhe schieben. Das macht auch Mischler. Sie beschwert sich auf dem Portal bajour.ch über die Velohelm-Branche, die anscheinend nur weisse Personen als Zielgruppe definiert.
Ein Bajour-Journalist begleitet sie in einen Veloladen. Auf einem Bild sieht man Mischler, wie sie verzweifelt versucht, den Gurt eines herkömmlichen Helms unter ihrem Kinn festzuzurren. Dabei sieht sie aus wie ein Schaf, das zehn Jahre lang nicht geschoren wurde.
Mischler verlässt den Laden ohne Helm und schreibt sich ihren Ärger aus der Seele: «Nicht meine Haare sind schuld, dass ich keinen Helm tragen kann oder will. Es ist der Mangel an Afro-freundlicher Ausrüstung, der für mich ein sicheres Velofahren verhindert.»
Wir vom «Nebelspalter» sind für alle da. Für die kleinen und für die grossen Probleme suchen wir nach Lösungen. Wie kann Mischler also geholfen werden? In erster Stelle muss die Velohelm-Industrie Mischler einladen, ihren Kopf abmessen und dann einen neuen Afro-Helm in Kleinserie produzieren. Bis dieser marktreif ist, schlagen wir Mischler einen Skihelm vor oder halt doch den Bohrer.

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