Somms Memo

Twitter Files: Elon Musk zeigt, was Pressefreiheit heisst. Ein Wohltäter

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Elon Musk, Unternehmer und Aktivist.
Elon Musk, Unternehmer und Aktivist.
Die Fakten: Elon Musk hat zahllose interne Dokumente veröffentlicht, die zeigen, wie Twitter konservative und liberale Autoren zensiert hat. Die Regierung war wohl involviert. Warum das wichtig ist: In kaum einem Land galt Meinungsfreiheit so viel wie in den USA. No more. Twitter ist nur der Anfang. Musk ein Held. Jay Bhattacharya ist ein angesehener Professor für Medizin, Ökonomie und öffentliche Gesundheit an der Stanford University in Kalifornien, einer der besten Hochschulen der Welt, und sein Ruf war immer exzellent
  • Er wurde bewundert
  • Gelesen
  • Zitiert

Bis er im Sommer 2021 anfing, seine Erkenntnisse und neuesten Studien via Twitter zu verbreiten. Es waren Erkenntnisse, die der Regierung nicht passen konnten, zumal Bhattacharya die Lockdown-Mentalität in Sachen Corona-Bekämpfung, die damals in Demokratischen Kreisen in den USA vorherrschte, in Frage stellte. Die Studien stellten sich als wissenschaftlich einwandfrei heraus – und sie bewiesen, dass das Risiko von jungen Leuten, wegen Corona in ernsthafte gesundheitliche Schwierigkeiten zu geraten, minim war.
  • Lockdowns ergaben daher keinen Sinn – zumal nur wenige, namentlich ältere Menschen vor Corona geschützt werden mussten
  • Und die Massentests, die damals gerade in Kalifornien durchgesetzt wurden, liefen darauf hinaus, Massen-Lockdowns zu rechtfertigen – was Bhattacharya kritisierte

Ein fairer Punkt. Ein beunruhigender Einblick, über den zu debattieren, sicher sinnvoll gewesen wäre. Twitter, besser: dessen Management in San Francisco sah das anders. Man hielt diese wissenschaftlichen Untersuchungen eines der besten Mediziner der Welt für «Desinformation», für «gefährlich», wenn nicht aufrührerisch und «hetzerisch».
  • Bhattacharya wurde deshalb «shadow-banned», wie das genannt wird. Es heisst, dass die Tweets einer Person, also die Nachrichten, die man auf Twitter schreibt, auf vielfältige Art und Weise verborgen werden. Niemand oder nur ganz wenige können sie dann sehen, und auch das nur aus Zufall
  • Ebenso wurde das «Trending» seiner Tweets hintertrieben. Das bedeutet: Selbst, wenn ganz viele Leute diese Tweets gelesen hätten, war der Algorithmus so eingestellt gewesen, dass diese Tweets nicht prominenter auf der Homepage von Twitter erschienen

Kurz, Bhattacharya wurde auf Twitter geradeso behandelt, wie im 16. Jahrhundert die Heilige Inquisition jene Leute verfolgt hatte, die wider besseres Wissen behaupteten, die Erde drehe sich um die Sonne. Dabei hatte der Papst dazu doch alle erforderlichen Studien selber gemacht. Was hinzu kam: Bhattacharya wurde von Twitter nicht einmal darüber ins Bild gesetzt, dass man ihn auf Twitter unterdrückte. Er wunderte sich einfach, dass niemand auf seine Tweets reagierte. Jetzt weiss er es besser.
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Dank Elon Musk, dem genialischen und exzentrischen neuen Besitzer von Twitter. Seit er die Firma im Namen der Pressefreiheit übernommen hat, ist es erst möglich geworden, den Missbrauch zu ermessen, den Twitter jahrelang betrieben hat – im Interesse des Mainstreams von Mitte-Links, wie er auch in Amerika überwiegt.
  • Mithilfe ein paar ausgewählter Journalisten, denen er vertraut, hat Musk die sogenannten Twitter Files veröffentlicht
  • Sie offenbaren, wie Twitter zahllose Autoren, Politiker und Wissenschaftler zensiert hat
  • Oft auf kleinliche, manchmal auf perfide, da intransparente Art und Weise, und immer war nur eine Seite des politischen Spektrums betroffen: Die Rechte
  • So gut wie nie wurde ein linker Twitterer behelligt. Islamisten genossen mehr Meinungsfreiheit als ein Stanford-Professor, der Dr. Fauci widersprach, dem Corona-Beauftragten der US-Regierung

Wie weit die amerikanische Regierung involviert war, ist nun Gegenstand der Debatte und der Recherche. Fest steht: Es fanden dauernd Gespräche zwischen den Behörden und Twitter statt, inwiefern man Weisungen erteilte bzw. entgegennahm, ist offen. Das war wohl auch nicht nötig. Denn es handelt sich um einen Pakt zwischen Demokratischer Partei und Silicon Valley, den man gar nicht ausformulieren muss.
  • Zum einen teilen die beiden ohnehin die gleiche Weltsicht. Mitte-Links an der Macht. Das Establishment unter sich
  • Zum andern weiss das Silicon Valley (so auch Twitter): Wenn wir nicht tun, was die Regierung von uns erwartet, dann werden wir härter reguliert oder unsere Firmen aufgespalten

Natürlich hat sich diese Art von unhygienischer Zusammenarbeit nicht bloss zwischen Regierung und Twitter eingestellt, sondern mit allen grossen Social Media-Konzernen, die meisten sind viel bedeutender als Twitter. Es ist ein Pakt mit dem Teufel. Denn noch nie sah sich die Regierung in den USA in der Lage, missliebige Meinungen zu unterbinden. Solches zu tun, hätte sie sich auch nie getraut. Die Freedom of Speech, die Meinungsfreiheit, wie sie im First Amendment zur US-Verfassung gewährleistet wird, ist einem Amerikaner so heilig wie die Zehn Gebote, sofern er sich als Jude oder Christ betrachtet. Erst das Aufkommen der Social Media gab der Regierung ein Mittel in die Hand, indirekt die Medienfreiheit zu beschneiden.
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War es nicht praktisch? Was die Politiker offiziell unter keinen Umständen tun durften, ohne die Verfassung zu verletzen, delegierten sie ans Silicon Valley, genauer: an die Social Media-Konzerne, wie Twitter, Facebook oder Google, die zensierten, um in der Gunst der Regierung zu bleiben.
  • Aus Überzeugung, weil sie Dr. Fauci für den besseren Menschen hielten als Professor Bhattacharya (und auch andere Autoren und Informationen, die «Republikanisch» rochen)
  • Aus Feigheit und Furcht, weil sie keinen Ärger wollten mit der Regierung, von der sie recht eigentlich «erpresst» wurden, was so hässlich klingt, dass niemand es sagt

Wenn Musk jetzt für mehr Licht sorgt, dann, so müsste man meinen, sollten doch alle, deren Beruf in der Aufklärung von Missständen besteht, jubeln:
  • Also wir Journalisten vor allen anderen.

Nichts da. In Amerika schweigen die meisten Medien des Mainstreams – ob New York Times, Washington Post oder die führenden TV-Sender CBS, NBC oder CNN – die Sache tot oder lenken vom Thema ab. Niemand freut sich. Niemand recherchiert weiter. Niemand ruft in diesen Kreisen: Twitter-Gate! Skandal! Rücktritt! Selbst in der Schweiz gleicht der Nachrichtenfluss eher einem tropfenden Wasserhahnen als einem breiten Storm. Twitter Files? Nie gehört. Wenn es je einen Fall gab, der zeigte, wie einseitig, ja: wie korrumpiert die meisten westlichen Medien geworden sind, weil sie ignorieren, war ihren politischen Vorurteilen widerspricht, dann diese Twitter-Affäre. Freedom of Speech: Es ist ein Gut, das man gerne für selbstverständlich hält, solange man selbst sagen darf, was man will. Wenn der andere, der Dümmere, der Hässlichere, der Konservativere das Gleiche für sich in Anspruch nimmt: Sieht plötzlich alles anders aus.
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Oscar Wilde (1854-1900), Dandy, Genie, Spötter vor dem Herrn.
Freedom of Speech erfordert eine gewisse Grösse des Geistes. Oder wie es Oscar Wilde, der irische Schriftsteller, ausgedrückt hat: «Ich bin möglicherweise anderer Meinung als Sie, aber ich werde Ihr Recht durch alle Böden verteidigen, sich selbst zum Idioten zu machen.» Ich wünsche Ihnen einen interessanten Tag Markus Somm

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