Die Themen diese Woche:
- Seit Neujahr bekommen Solarstrom-Produzenten weniger Geld
- Deutsche Offshore-Windbranche will Ausschreibungen verschieben
- Ford legt beim Geschäft mit Elektroautos den Rückwärtsgang ein
- Der Klimawandel soll an ungesunder Ernährung schuld sein
Seit Neujahr bekommen Solarstrom-Produzenten weniger Geld
Worum geht es?
- Mit dem revidierten Energiegesetz, das seit diesem Jahr in Kraft ist, sinken die Vergütungen für Solarstrom insgesamt um durchschnittlich etwa ein Viertel (siehe hier).
- Die Vergütung von Solarstrom entspricht neu dem vierteljährlich gemittelten Marktpreis. Besitzer einer Anlage bis 150 Kilowatt haben jedoch Anrecht auf einen Minimalpreis.
- Mit diesen Anpassungen will der Bund verhindern, dass im Sommer noch mehr Solarstrom ins Netz gelangt, wenn ihn niemand braucht (zu diesem Thema siehe Nebelspalter-Artikel). Umgekehrt sollen die neuen Entschädigungen Anreiz bieten, bei Dunkelheit oder schlechtem Wetter Strom einzuspeisen – indem sich Solaranlagen-Besitzer beispielsweise eine Batterie anschaffen.
- Die neuen Vergütungen führen nun zu Klagen von Solarstrom-Produzenten. So haben sich Yvonne und Markus Baumann, Besitzer einer grossen Anlage auf einem Scheunendach, in der SRF-Sendung «10vor10» geäussert (siehe hier). Das Ehepaar hat knapp eine halbe Million Franken investiert: «Jetzt ist unsere Pensionskasse dort oben.»
- «Eigentlich haben wir gedacht, das werfe irgendwann etwas ab, damit wir die Pension so rausholen können», sagte das Ehepaar. «Aber das ist jetzt nicht mehr der Fall.»
- Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen begrüsst die neuen Entschädigungen hingegen: «Eine Vergütung nach Marktpreis belohnt diejenigen, die produzieren, wenn wir den Strom am meisten brauchen. Das stärkt die Versorgungssicherheit», betonte der VSE im erwähnten TV-Beitrag.
Kommentar: Die Gesetzesanpassungen sind ein Versuch, die Produktion von Solarstrom zumindest ein Stück weit an der Nachfrage auszurichten. Denn es kann nicht sein, dass Anlagenbesitzer für ihren Strom fette Abgeltungen bekommen, wenn es für diesen gar keinen Bedarf gibt. Die Situation von Solarstrom-Produzenten wie Yvonne und Markus Baumann ist zu bedauern – umgekehrt waren sie aber auch reichlich naiv: Sie hätten wissen müssen, dass kein Land auf Dauer planwirtschaftliche Verhältnisse akzeptieren kann, die zu immer noch höheren sinnlosen Kosten führen.
Deutsche Offshore-Windbranche will Ausschreibungen verschieben

Worum geht es?
- Es ist ein bisher wohl einmaliger Vorgang: Eine Ökostrom-Branche fordert dazu auf, das Tempo der Energiewende nicht weiter zu steigern.
- Konkret hat der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) vor Kurzem von der deutschen Regierung das verlangt: «Wir brauchen eine Verschiebung der Offshore-Wind-Ausschreibungen auf das vierte Quartal 2026.» (siehe hier)
- Der Verband befürchtet, dass bei der derzeit geplanten Ausschreibung einer weiteren Meeresfläche im nächsten Februar erneut keine Angebote eingehen. Bereits bei einer Auktion für zwei deutsche Offshore-Windpark-Flächen im letzten Sommer hat kein einziger Investor Interesse angemeldet.
- «Ohne eine umgehende Reform drohen weitere scheiternde Auktionen, ein Stillstand für die Lieferkette und damit hohe Risiken für lokale Wertschöpfung und Beschäftigung in der Offshore-Wind-Branche», mahnte BWO-Chef Stefan Thimm.
- Auch die Übertragungsnetzbetreiber TenneT Germany, 50 Hertz, Amprion und TransnetBW haben «mit grösster Dringlichkeit» vor einem «erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden» gewarnt, sollte es bei der geplanten Flächenvergabe im Februar bleiben.
- Der Hintergrund ist, dass die Offshore-Windbranche weltweit mit grossen Schwierigkeiten kämpft (siehe hier). Die Kosten für den Bau von Windrädern sind gestiegen. Manche Anlagen können wegen fehlender Leitungen nicht ans Netz angeschlossen werden. Auch liegen viele Anlagen zu nahe beieinander, was die Erträge mindert. Zudem stellen die immer häufigeren Stunden mit negativen Strompreisen die Renditen infrage.
Kommentar: Deutschland hat sich zwar ambitionierte Ziele gesetzt und will die Zahl der Windparks im Meer bis 2030 um über das Dreifache erhöhen. Doch die erwähnten Probleme bei der Wirtschaftlichkeit von Windparks machen diesen Plänen nun einen Strich durch die Rechnung. Es ist davon auszugehen, dass die Offshore-Windbranche in den nächsten Jahren deutlich kleinere Brötchen backen muss.
Ford legt beim Geschäft mit Elektroautos den Rückwärtsgang ein

Worum geht es?
- Ford konzentriert sich künftig wieder mehr auf Hybrid- und Verbrennungsmotor-Fahrzeuge als auf Elektromobile (siehe hier und hier).
- Konkret gibt der amerikanische Autokonzern die vollelektrische Version seines grossen Pickups F-150 auf.
- Insgesamt nimmt Ford für den Kurswechsel einen Abschreiber von sage und schreibe 19,5 Milliarden Dollar in Kauf.
- Der Grund ist, dass das Geschäft mit Elektrofahrzeugen dem Konzern in jedem der letzten Quartale Milliardenverluste eingebracht hat.
- Besonders prekär ist die Situation geworden, nachdem US-Präsident Donald Trump im letzten September die Prämie für den Kauf eines E-Autos in der Höhe von 7500 Dollar gestrichen hat.
- Doch auch ganz allgemein sind die Käufer weit weniger an elektrischen Autos interessiert, als die Politik und die Fahrzeugbranche lange angenommen haben.
- Darum haben in letzter Zeit weitere Autohersteller ihre Elektromobil-Strategien drastisch beschnitten, wie etwa General Motors, Volvo, Mercedes-Benz, Porsche, Toyota und Stellantis (siehe hier).
Kommentar: Tja, wie schon vorher bei der Offshore-Windkraft gilt auch hier: Die utopischen Öko-Träume werden immer mehr von der Realität eingeholt. Wenn sich so grosse Teile der Automobilbranche auf den Verbrennungsmotor zurückbesinnen, muss das einschlägige Gründe haben. Die Manager glauben schlicht nicht mehr daran, dass sich die Elektromobilität durchsetzt – zumindest nicht so schnell. Ganz allgemein könnte 2026 zum Jahr der grossen Energiewende-Ernüchterung werden.
Und zum Schluss noch dies:

Wir haben uns mittlerweile daran gewöhnt, dass der Klimawandel so ziemlich an allem Bösen auf dieser Welt schuld sein soll. Doch amerikanische Forscher schiessen nun den Vogel ab. Sie behaupten allen Ernstes, dass die Erderwärmung zu einer ungesünderen Ernährung führt (siehe hier).
Und das geht so: Bei höheren Temperaturen konsumieren Menschen in den USA angeblich mehr Eis und gesüsste Getränke, um sich abzukühlen. Konkret will das Forscherteam, zu dem Ökonomen, Klimaforscher und Ernährungswissenschaftler gehörten, belegt haben, dass die Bevölkerung pro Grad zusätzlicher Wärme täglich knapp ein Gramm mehr Zucker zu sich nimmt. «Die Menschen sind sich dieses Problems nicht bewusst», gab einer der Autoren der Studie zu Protokoll, die in der Fachzeitschrift «Nature Climate Change» publiziert worden ist (siehe hier).
Und es soll noch schlimmer kommen: Wenn der Klimawandel ungebremst weitergehe, so warnen die Forscher, könnten die Menschen im Jahr 2095 nochmals drei Gramm Zucker pro Tag mehr vertilgen. Da soll noch jemand sagen, die Klimakatastrophe sei nicht schrecklich!
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Alex Reichmuth
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