Die Fakten: Seit Ende Jahr steht fest, dass höchstens 28 alpine Photovoltaik-Anlagen im Rahmen des «Solarexpress» gebaut werden. Diese Projekte werden insgesamt nicht einmal ein Drittel so viel Strom erzeugen, wie das Parlament ursprünglich angestrebt hat.
Warum das wichtig ist: Der Bau alpiner Solaranlagen galt vor drei Jahren als grosse Hoffnung, um die drohende Versorgungslücke im Winter mit erneuerbarem Strom zu beheben. Nun ist klar, dass es sich um ein Luftschloss handelte.
Um was geht es?
- Das nationale Parlament hat 2022 ein Gesetz namens «Solarexpress» verabschiedet, mit dem der Bau alpiner Solaranlagen beschleunigt und hoch subventioniert werden sollte (siehe hier).
- Damit wollte die Politik dem immer grösseren Stromloch im Winter begegnen. Denn Solaranlagen in den Bergen erzeugen in der kalten Jahreszeit etwas mehr Strom als solche im nebligen Unterland.
- Um von Fördergeldern von bis zu 60 Prozent der Investitionskosten zu profitieren, sollten die Anlagen bis Ende 2025 mit mindestens zehn Prozent der vorgesehenen Grösse am Netz sein.
- Vor einem Jahr wurde diese Vorgabe aufgeweicht: In den Genuss der Subventionen sollten jetzt alle Projekte kommen, die bis Ende 2025 zumindest öffentlich aufgelegt werden (siehe hier).
Die Bilanz:
- Laut den Daten des Bundesamts für Energie (BFE) haben bis Ende 2025 29 Projekte für alpine Solaranlagen die erwähnte Bedingung erfüllt (siehe hier).
- Eines dieser Projekte, nämlich die Anlage «Felsenstrom» am Walensee, wurde inzwischen bereits gestoppt (siehe hier).
- Also sind noch 28 Projekte im Rennen. Ursprünglich sind über 50 Anlagen angekündigt worden.
- Alle anderen Projekte bekommen gemäss dem Gesetz keine Förderung im Rahmen des «Solarexpress». Das bedeutet mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass sie wegen Unwirtschaftlichkeit nicht realisiert werden.
- Falls alle verbleibenden Projekte verwirklicht werden, tragen diese jährlich 646 Gigawattstunden zur Stromversorgung der Schweiz bei. Das ist nur etwas mehr als ein Hundertstel des Landesverbrauchs.
- Angestrebt wurde im Rahmen des «Solarexpresses» aber eine Strommenge von 2000 Gigawattstunden pro Jahr.
- Somit kommt der «Solarexpress» im besten Fall auf eine Erfolgsquote von gerade mal 32 Prozent.

Die Projekte im Einzelnen:
- Bis jetzt befinden sich vier Projekte im Bau und wurden teilweise ans Stromnetz angeschlossen: Madrisa Solar (GR), Sedrun Solar (GR), Nalp Solar (GR), Sidenplangg (UR)
- Drei weitere Projekte sind rechtskräftig bewilligt: Samedan (GR), Solar Margiel (GR), Vorab (GL)
- Weitere sechs Projekte wurden erstinstanzlich bewilligt: Alpin Parsenn (GR), Morgeten (BE), Mont Soleil (BE, einzige Anlage im Jura), Gondosolar (VS), Gries (VS), Hohsaas (VS)
- Weitere 16 Projekte wurden bis Ende 2025 öffentlich aufgelegt: Bernina Solar (GR), Scuol Solar (GR), Felsenstrom (SG, jedoch abgesagt), Alpino Duragno (TI), Alpino Pontino (TI), Hintisberg (BE), Hahnenmoosbärgli (BE), Belalp (VS), Gampel-Bratsch (VS), Grengiols Solar (VS), Rosswald (VS), Gibidum (VS), Mäsweide (VS), Grands Plan (VS), Prafleuri (VS), Matterhorn (VS)
Auffällig: Der Anstoss für den «Solarexpress» kam aus dem Wallis. Mit «Gondosolar» und «Grengiols Solar» wurden in diesem Kanton auch die ersten Projekte bekannt. Nun aber ist im Wallis noch immer keine einzige Anlage im Bau. Es ist noch nicht einmal ein Projekt rechtskräftig bewilligt.
Meine Einschätzung: Es ist zu erwarten, dass nur ein Teil der Projekte auf dieser Liste am Ende tatsächlich realisiert wird. Die fehlende Wirtschaftlichkeit oder der Widerstand der Bevölkerung werden ziemlich sicher weitere Anlagen verunmöglichen. Die Stromausbeute wird deshalb am Ende wohl deutlich unter 32 Prozent des angestrebten Ziels liegen.
Und selbst wenn alle Projekte umgesetzt werden, ist es nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein. Denn nimmt man grosszügigerweise an, dass alpine Solaranlagen 55 Prozent ihres Stroms im Winterhalbjahr liefern, kommt man auf insgesamt nur rund 350 Gigawattstunden. Die Stromlücke, die sich bis 2050 im Winter abzeichnet, ist aber voraussichtlich mindestens 15’000 Gigawattstunden gross.




