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Schulden sind nie gratis

02.12.2023
Symbolbild: Pixabay
Symbolbild: Pixabay

Ein Blick in die Geschichte demonstriert die Risiken übermässiger Verschuldung unmissverständlich: Das Anhäufen von Schulden unter politischen Vorwänden oder gut gemeinten Absichten, die Wirtschaft künstlich zu stabilisieren, endet selten gut. Dennoch scheinen viele die Lektionen der Geschichte weder zu verstehen noch zu akzeptieren. 

Bis vor kurzem hatte eine neue Theorie an Popularität gewonnen: Die moderne Geldtheorie (Modern Monetary Theory, oder MMT). Sie basiert auf der Prämisse, dass Volkswirtschaften von Industrieländern anderen Gesetzen folgen als die von Schwellenländern. So spielen, laut MMT, Schulden in fortgeschrittenen Ländern keine Rolle mehr; die Zentralbanken können ja jederzeit Liquidität zur Schuldenbegleichung herbeizaubern. 

Die Tatsache, dass unsere Zentralbanken bis vor kurzem aufgrund der stark deflationären Kräfte vergebens versucht hatten, ein Inflationsziel von 2% zu erreichen, schien diese Theorie sogar zu validieren. Es wirkte, als könnten wir – insbesondere als Reaktion auf die Coronakrise – die monetäre und fiskalische Expansion fast unbegrenzt steigern, ohne ein Überschuldungsproblem oder eine Preisinflation zu riskieren. 

Dieser politisch bequeme, aber folgenschwere Irrtum hat uns 2022 unsanft eingeholt. Die Inflation stieg rasant an. Sowohl in den USA als auch in Europa schnellte sie in nur zwei Jahren von praktisch 0 auf 5%, was in fortgeschrittenen Volkswirtschaften seit Jahrzehnten nicht mehr passiert war.

Zunehmender Anteil von «Zombie­firmen»

Die grosszügigen Liquiditätsspritzen während der Pandemie haben zu Blasen in den meisten Finanzwerten geführt, insbesondere bei Technologieaktien und Kryptowährungen. Mit einem M2-Wachstum (Geldmenge M2: Längerfristig gebundenes Geld) von satten 27% auf dem Höhepunkt entsprach das Geldmengenwachstum in den USA jenem von Peru. 

Wenn die ZIRP (Zero Interest Rate Policy) die Droge war, dann ist die Sucht, die sie in der Wirtschaft ausgelöst hat, Wachstum um jeden Preis, Überbeschäftigung, Überbezahlung und eine Unternehmensschwemme, bzw. der zunehmende Anteil von sogenannten «Zombiefirmen». 

BFI Grafik 1
Quelle: Refinitiv Datastream / ECR Research
BFI Grafik 2
Quelle: Bloomberg, Federal Reserve Bank

Angesichts des rapiden Anstiegs der Inflation lenkte die US Fed letztes Jahr abrupt in eine quantitative Straffung um. Die westliche Welt ging von einem Liquiditäts-High in einen schmerzhaften „kalten Entzug“ über – weit drastischer als 2000 nach dem Platzen der Internetblase, oder 2008, als das Platzen der Immobilienblase die grosse Finanzkrise auslöste. 

Die Geldmenge, gemessen am M2-Wachstum, wurde negativ. Innerhalb weniger Monate sahen sich fast 50% aller Länder mit umgekehrten Renditekurven konfrontiert. Die Bankenkrise im Frühling war ein weitdiskutiertes Symptom des wirtschaftlichen Umbruchs, in dem wir uns befinden.

Erhöhte Zinssätze und Inflation werden voraussichtlich länger bleiben als allgemein erwartet. Sie werden sich zunehmend auf ein globales Wirtschafts- und Finanzsystem auswirken, das nicht mehr daran gewöhnt ist, für Kredite zu bezahlen. Ob das Vertrauen in das Teilreserve-Bankensystem (Fractional Reserve Banking System) bestehen bleibt, wird sich zeigen. 

Wichtig ist, wach zu bleiben und mit­zudenken

Die schlussendlichen Auswirkungen der hohen Schulden, insbesondere in Europa und Amerika, ist sehr schwer einzuschätzen. Die Geschichte liefert jedoch einige Beispiele dafür, dass der Abbau übermässiger Verschuldung nie in geordneten Bahnen verläuft. So wissen wir unter anderem von der Weimarer Republik, dass dieser durch ein Auf und Ab, durch Inflationsschübe und deflationäre Phasen geprägt sein kann. 

Aus der Sicht eines Vermögensverwalters leben wir in sehr spannenden Zeiten. Wichtig ist, wach zu bleiben und mitzudenken. Zu hoffen bleibt, dass künftige Generationen die Geschichte ernst nehmen und keine weiteren politisch bequemen, akademisch modernen Theorien erfinden. 

Mehr zum wirtschaftlichen Umschwung und dazu, wie Investoren die Veränderungen navigieren können, im BFI Special Report. 

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