Tauet Himmel den (Klima-)Gerechten

Tauet Himmel den (Klima-)Gerechten

Nicht nur in Teilen der Politik, sondern auch der Kirchen scheint die CO2-Niederlage noch nicht verdaut zu sein. Ein katholisches Portal zeigt sich «traurig» über den Entscheid, der die Klimakrise noch verschärfe und die Schweiz schwäche.

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von Béatrice Acklin Zimmermann am 2.7.2021, 07:30 Uhr
Die Kirche trauern um das CO2-Gesetz (Bild: Shutterstock)
Die Kirche trauern um das CO2-Gesetz (Bild: Shutterstock)
Die Schäfchen, die sich nicht gehorsam an die Stimmempfehlung verschiedener kirchlicher Organisationen und der bischöflichen Ethikkommission hielten, sollen nicht ungeschoren davon kommen. Ihnen soll mit kirchlicher Unterweisung der besonderen Art nachgeholfen werden. Just dieser Tage flatterte nämlich Post ins Haus: Darin wird für den «Lehrgang kirchliches Umweltmanagement» geworben, mit dem praxisnah und kompakt kirchliche UmweltberaterInnen ausgebildet werden sollen. Der von mehreren Landeskirchen und dem Bundesamt für Energie finanziell unterstützte Kurs richtet sich an kirchliche Angestellte, Mitglieder von kirchlichen Behörden und an all jene, die ihre Kirchgemeinde zum Umweltzertifikat «Grüner Güggel» führen wollen.
Um keine Zeitgeistigkeit verlegen, gehen die Kirchen offensichtlich auf Klimamission. Wenn Fasten und Glockenläuten für den Klimaschutz nicht die erhoffte Wende bringen, muss direkt bei den Gläubigen nachgeholfen werden. Mit Unterstützung der Behörden, so ist auf dem Kursflyer zu lesen, soll die kirchliche Umweltarbeit vorangebracht werden.
Vorbei die Zeiten, als die Kirchen noch mit Glaubenskursen warben. Anstatt wie sintemal anzusetzen bei den zentralen Themen des christlichen Glaubens, dem Woher und Wohin, dem Warum angesichts von Tod, Schuld und Not, beschäftigt sich der kirchliche Umweltkurs mit profaneren Dingen: Man erfährt darin etwa, wie der Müll sauber und korrekt zu entsorgen ist, dass man Leitungswasser statt Flaschenwasser trinken und die mit viel Energie produzierten Dosenravioli und Fischstäbchen lieber ganz weglassen soll.
Ob man heutzutage selig- oder zumindest gerechtgesprochen wird, bemisst sich am ökologischen Fussabdruck, den man hinterlässt.
Unser ganzes Sinnen und Trachten hat der Abarbeitung des 10-Punkte-Umwelt-Programms zu gelten. Ziel ist nicht ein gottgefälliges Leben, sondern die Verbesserung der Umweltleistung der Gläubigen.
Wenn es den Klima-Gerechten vor dem Herrn einstweilen gefällt, dürften die Zehn Gebote umgeschrieben und das 1. Gebot ersetzt werden durch den kategorischen Imperativ «Du sollst die Erde, unseren blauen Planeten, hegen und pflegen. Du sollst die Natur nicht schädigen».
Der Glaube vermag heutzutage zwar keine Berge mehr zu versetzen, aber dafür rufen die Freiburger Kirchen ihre Getreuen dazu auf, sich am Klimastreik zu beteiligen, deren Bewegung «eine Botschaft von grosser Bedeutung für unsere gesamte Gesellschaft» aussende. Die sperrige Botschaft der Bibel hat ausgedient, es lebe die frohe Botschaft der Klimagerechten.
Anstatt Sand im gesellschaftlichen Getriebe zu sein, anstatt sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden zu geben, dienen sich die Kirchen immer mehr einem billigen Zeitgeist und dessen vereinfachenden Credos an. Ungeachtet dessen, wovor der dänische Philosoph und Pastor Sören Kierkegaard schon vor Zeiten gewarnt hat: «Wer sich mit dem Zeitgeist vermählt, wird bald Witwer sein!»
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