Subaru hat's gemerkt

Subaru hat's gemerkt

Subaru ist in der Schweiz 42 Jahre jung, und hat der hiesigen Autobranche einen bedeutsamen Stempel aufgedrückt.

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von Jürg Wick am 2.9.2021, 07:10 Uhr
Die schräge Optik des ersten Subaru 4WD schreckte die Kunden in der Schweiz nicht ab.
Die schräge Optik des ersten Subaru 4WD schreckte die Kunden in der Schweiz nicht ab.
«Es gibt Jahrzehnte, in denen nichts passiert; und Wochen, in denen Jahrzehnte passieren». Das Zitat stammt von Vladimir Lenin, könnte aber auch von einem Schweizer Automanager stammen, der Ende der 70er Jahre dabei war.
Fuji Heavy Industries LTD in Tokio produzierte 1970 die kleine Limousine Subaru FF-1 mit Boxermotor und Frontantrieb. Und die britische Rover Company stellte den ersten Range Rover mit Allradantrieb vor. Die 4x4-Personenwagen waren damals mit 0,3 % Marktanteil vertreten. Im Jahr darauf ersetzte Subaru den FF-1 durch den Leone mit Frontantrieb und nochmals 12 Monate später brachten die Japaner diesen Typ mit Allradantrieb. Die Tohoku Electric Su Company hatte einen Auftrag für ein 4x4-Auto ausgeschrieben, um in den schneereichen Gebiete Japans Wartungsarbeiten erledigen zu können. Subaru gewann den Auftrag. Schon 1973 gingen die ersten Exemplare in die USA.

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Im futuristischen XT Coupé 4x4 werkelte bereits 1984 ein Turbo-befeuerter Boxermotor.
Anfänge
Ein kleines CH-Unternehmen witterte das 4x4-Potential Mitte der 70er noch nicht, sondern wollte die Leone mit Frontantrieb (Viertürer, Kombi und Coupé) den Eidgenossen schmackhaft machen, scheiterte jedoch bald. Weil, sagen wir es diplomatisch, die Optik ungewöhnlich war. 1975 leisteten sich hierzulande 0,7 % aller Neuwagenkäufer einen Viermalvier. Einen dreitürigen, handgeschalteten «Range» für 33 150 Franken konnten (oder wollten) sich die Meisten nicht leisten.
1979 überraschte die Emil Frey AG die Konkurrenz mit einem - nennen wir das Design Geschmackssache – uneitlen Automobil namens Subaru 1600 Wagon 4WD ab CHF 14 990.-. Ein ähnlich motorisierter Opel Kadett Caravan mit Frontantrieb kostete 12 270 Franken. Ein Paukenschlag. Wie es dazu kam und wie der Abfahrts-Olympia-Sieger 1972 Bernhard Russi, zum Subaru-Markenbotschafter wurde – und ist - , wird in zahlreichen Schriften festgehalten. Jedenfalls erkannten Viele schnell, dass man sich mit dem zuschaltbaren Hinterradantrieb, das Schneeketten-Aufziehen ersparen konnte. Damals war, - kein Witz – wegen der verregneten Sommer von einer drohenden neuen Eiszeit die Rede.
Anteil Allradantrieb CH/FL
1970 0,3 %
1975 0,7
1978 0.9
1979 2,3
1980 3,2
1985 11,1
1990 14,9
1995 13,1
2000 17,5
2005 21,7
2010 27,9
2015 40,4
2019 51,4
2020 50,0
Die Mitbewerber reagierten mit hoch bauenden und geländegängigen Autos, welche man in London «Chelsea-Tractor» und ansonsten Sport Utility Vehicles nennt. Renault mit dem 18 Break und Toyota mit dem Tercel waren die ersten ernsthaften Konkurrenten von Subaru. Die Japaner hatten jedoch eine Reaktion bereits vorweggenommen. Neu kam das kompakte Coupé SRX/Tourismo in den Handel und rasch mit Automatik, wie auch der bereits bestens verankerte Wagon 4x4. Alfa Romeo, Audi, BMW, Ford, Honda und Mitsubishi zogen nach, dann Fiat und Nissan, alle mit Handschaltung. Subaru doppelte mit dem XT 4x4 Coupé inkl. Automatik-Version nach.


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Im futuristischen XT Coupé 4x4 werkelte bereits 1984 ein Turbo-befeuerter Boxermotor.

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Schliesslich
Erst 1987 brachte BMW den 325 iX mit automatischer Schaltung heraus. Seit 2020 hat nun sogar Rolls Royce einen Allradler im Programm und mit über 80 % 4x4-Anteil dürfte das Bündnerland Weltrekordhalter sein.
1991 schon, verblüfte Subaru freilich erneut, bewies mit dem SVX Coupé zu was man technisch fähig ist. Das Coupé warf selbst Schatten im Kohlekeller, und wurde 1997 wieder aus dem Markt genommen. Seither konzentriert sich der Hersteller auf seine Kernkompetenz, Autos für den Normalbürger zu bauen, längst mit der so genannten Lineartronic-Automatic und permanentem 4x4. Ab sofort vorwiegend hybridisiert. Der 4x4-Anteil sinkt wegen den CO2-Sanktionen leicht, aber Subaru hält stur daran fest. Tradition des Irrtums war lange Zeit, dass viele Hersteller «4x4» mit Geländetauglichkeit gleichsetzten. Dabei wollen alle bloss keine Ketten montieren, wenn der Schneepflug die Laternenparker mal wieder einbuchtet. Subaru und im Gefolge die Emil Frey haben es als Erste gemerkt. In den Subarus ist nun ein so genannter symetrical AWD verbaut. Alle Hauptkomponenten, vom Motor über das Getriebe und den Achsantrieb bis zum hinteren Differenzial, sind in einer Linie angeordnet, also seitlich symmetrisch. Das ergibt einen gleichmässigen Antriebsfluss und sichert eine ausgeglichene Gewichtsverteilung sowie ein neutrales Fahrverhalten.

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Ganz der Alte, völlig neu und doch vertraut

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