«Comedy darf alles», sagt Stefan Büsser

«Comedy darf alles», sagt Stefan Büsser

Radio- und TV-Moderator, Comedian und Podcaster. Seine Talente sind vielseitig, es scheint für jeden etwas dabei zu haben. Doch wer ist Stefan Büsser – und was ist sein Geheimrezept?

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von Maria-Rahel Cano am 24.12.2021, 05:00 Uhr
Stefan Büsser spricht an der Podiumsdiskussion über den Film "Unerhört!" (Bild: Keystone/Ennio Leanza)
Stefan Büsser spricht an der Podiumsdiskussion über den Film "Unerhört!" (Bild: Keystone/Ennio Leanza)
Im Lebenslauf von Stefan Büsser gibt es fast nichts, was er in der Unterhaltungsbranche nicht schon getan hätte. Sei dies die YouTube-Filmchen «Best of Bachelor», die Moderationen im «Donnschtig Jass» von SRF oder seine Rolle im ehemaligen SRF-Podcast «Quotenmänner».
Wie weit er bisher schon gekommen ist, kann er manchmal selbst kaum fassen. «Ich kenne mich nun seit 36 Jahren und halte mich selbst nicht für besonders lustig. Die Leute überschätzen meinen Unterhaltungswert», meint Büsser. Schlagfertig sei er und ein Performer auch, doch ansonsten erlebe er sich vor allem als Privatperson eher als langweilig.

Die Anfänge einer Karriere

Büsser kam nicht mit der Aufschrift «Ich werde einmal Comedian» zur Welt, sondern machte zuerst eine kaufmännische Lehre bei Ringier. Von dort aus gelangte er in die Medien und rasch in die Welt der Promis. Es ist der Aufstieg eines Rastlosen.
Der grosse Traum seiner Eltern war nicht, dass ihr Sohn eines Tages beim «Blick» arbeiteten würde, erzählt Büsser, trotzdem konnte er stets auf ihre Unterstützung zählen. Seinen Eltern verdanke er auch, dass er nie komplett abgehoben sei. «Es war hilfreich, ein Elternhaus zu haben, das mit dieser Glamour-Welt nichts anfangen konnte.» Hätte er doch zu Hause gerne angegeben, welche berühmten Personen er während seiner Arbeit alles getroffen hatte, so kam von ihnen oft als Antwort nicht viel mehr als ein nickendes «Okay».

Seine Krankheit und ihre Folgen

Büsser alias «Büssi» wuchs in Steinmaur im Zürcher Unterland auf und beschreibt seine Kindheit als «wohlbehütet» und «gut bürgerlich». Das peinlichste Erlebnis: Seine Geburt. «Ja, du bist nackt, schreist herum und lauter fremder Leute starren dich an. Das war schon sehr unangenehm.»
Er habe aber bereits früh gemerkt – auch Dank der manchmal sehr brutalen Art anderer Kinder – dass er anders sei. Büssi wurde als Kind mit der chronischen Krankheit «Cystische Fibrose (CF)» diagnostiziert. Bei seiner Geburt lag seine Lebenserwartung bei knapp 20 Jahren. Im Laufe der Zeit hat sich dank des medizinischen Fortschrittes die Lebenserwartung auf 50 Jahre verlängert. CF ist eine unheilbare Krankheit, die vorwiegend Lunge und Bauchspeicheldrüse schädigt, was Büssi zu einem Risikopatienten in dieser Pandemie macht. Als direkt Betroffener setzte er sich auch eingehend mit dem Thema auseinander. Sowohl in seinem Podcast "Hockdown" zusammen mit «Mister Corona», Daniel Koch, oder auch in seinen Youtube-Videos «Besser Büsser».

Politische Korrektheit in der Comedybranche

Kritik gab es genügend, da er sich nicht als sehr verständnisvoll gegenüber Ungeimpften zeigte. Wer sich heute als Prominenter zu diesem Thema äussert, hat einen schwierigen Stand. Angst diskreditiert zu werden, hatte er aber nie. Seine Position habe sicherlich auch mit seiner direkten Betroffenheit zu tun und seinen häufigen Spitalbesuche.
Der Comedian ist sich aber «Shitstorms» mittlerweile gewohnt. Seine Strategie dagegen? «Einfach die Schnauze halten und warten bis es vorbeigeht.» Denn egal, was man danach noch sage, es werde nach deren Ermessen ausgelegt. «Die meisten Menschen auf Social Media wollen deine Meinung nicht wissen, sondern sie wollen, dass du das sagst, was sie denken.» Das sei keine gute Entwicklung und so würde eine Gesellschaft auf lange Sicht auch nicht funktionieren, fährt Büsser fort.
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Weihnachtliche Stimmung bei den Aufnahmen des Podcastes «Comedy Männer» (Quelle: YouTube)

«Comedy darf alles»

Die politische Korrektheit sei auch in der Comedy-Branche zu spüren. Trotzdem finde er es einen harten Begriff. Für ihn habe «political correctness» nichts mit links oder rechts zu tun, sondern mit dem Wesen einer Person. «Entweder bist du ein anständiger Mensch oder nicht. Ein anständiger Mensch wertet andere Menschen nicht ab.» Die Ausnahme bilde natürlich die Pointe für einen Witz. Aber auch dort gelte: «Der Nutzen muss überwiegen.» So kann jede politische Unkorrektheit gerechtfertigt werden – es muss halt einfach genug lustig sein. «Comedy darf alles», findet Büsser.

«Ich bin gegen die Abwertung von Minderheiten, aber auch die haben ein Recht darauf, dass man sich über sie lustig macht.»

- Stefan Büsser -
«Die Frage ist immer, wer ist das Ziel? Du kannst jeden Scherz machen, wenn das Ziel stimmt. Ich bin gegen die Abwertung von Minderheiten, aber auch die haben ein Recht darauf, dass man sich über sie lustig macht.» Unerheblich, ob das die Black-Lives-Matter-Bewegung oder die LGBTQ-Community sei – sie möchten alle in die Mitte der Gesellschaft aufgenommen werden. Um aber in die Mitte der Gesellschaft aufgenommen zu werden, müsse man auch Witze über sich ergehen lassen. So wie das eben andere in der Mitte der Gesellschaft auch tun, erklärt Büsser. Witze machen über Minderheiten, aber sie dennoch nicht abwerten? Büsser weiss, dass das ein ganz schmaler Grat ist. Aber er geht ihm schon ziemlich lange entlang.

Die sozialen Medien als zweites Gericht

Er sieht sogar eine Gefahr darin, dass wir damit anfangen, eine Art zweites Gericht auf den sozialen Medien zu entwickeln. Büsser bringt das Beispiel des Komödianten Luke Mockridge, der in seinem Urteil freigesprochen wurde, doch anschliessend in den sozialen Medien von seiner Community «gecancelt» wurde. Wenn ein Freispruch eines Richters nichts mehr bedeute, dann sei das Volk das Gericht, sagt Büsser. «Wollen wir das?»

Was ist «Cancel Culture»?

Der Begriff meint eine Absage-, Lösch- oder Zensurkultur. Es ist eine Art Boykott von Menschen oder Gruppen, die in fragwürdiger oder kontroverser Weise gehandelt haben. «Canceln» in den sozialen Medien, bedeutet der Entzug der Aufmerksamkeit für eine Person. Bei prominenten Persönlichkeiten führt dies – insbesondere in Amerika – oftmals zum Ende einer Karriere, weil sich Arbeitgeber oder Institutionen von der Person distanzieren.
Das Problem für diese «Empörtheit» sieht Büssi unter anderem in der «Unentspanntheit» der Menschen. Man solle aufhören, sich für andere zu empören, die können schliesslich für sich selbst sprechen. «Ich denke, es gibt auch so die ‘Grundempörten’, die am Morgen aufstehen, Twitter aufmachen und zu sich sagen: ‘Ich empöre mich jetzt mal’.»

Unterhaltung und Gesellschaft darf sich weiterentwickeln

Büsser weiss aber auch: Die Geschmäcker sind verschieden – ganz besonders was den Humor betrifft. Es jedem recht zu machen ist wahrscheinlich ein Ding der Unmöglichkeit. Diesen Anspruch müsse man auch nicht an sich selbst stellen, meint Büsser. Doch man müsse sich weiterentwickeln und noch wichtiger – auch das Publikum müsse dem Comedian zutrauen, dass er sich weiterentwickeln kann. Angesichts der Debatte über Feminismus gibt es auch Witze, die «Büssi» früher gemacht hätte und heute nicht mehr machen würde. Er sieht das aber nicht als Einschränkung seiner Arbeit, sondern als eine Herausforderung: «Wenn die Bedingungen schwieriger werden, dann musst du einfach besser werden!»

Büssers Geheimrezept

An Erfolg und Aufmerksamkeit hat es Büssi in seiner Karriere bisher nicht gefehlt. Trotzdem ist er hungrig nach mehr. Nur gut, dass es auch Neuigkeiten bezüglich der Behandlungsmethode von CF gibt. Seit Februar bekommt Büssi ein Medikament, das eine Verbesserung seines Gesundheitszustandes bringt. «Vielleicht müsst ihr mich doch noch länger aushalten als ursprünglich geplant. Das gibt einem plötzlich wieder neue Perspektiven.»
Seine Krankheit habe sein Leben geprägt. In guter wie in schlechter Weise. Den Ehrgeiz und den Fleiss mehr zu leisten als seine Mitmenschen, wurde auch durch sein Schicksal gestärkt. Ist das sein Geheimrezept? «Ich wollte immer viel erreichen, aber mir wurde schon früh gesagt, dass ich dafür weniger Zeit zur Verfügung habe als andere. Deshalb habe ich immer doppelt so viel Gas gegeben.» Büssi pflegt einen offenen Umgang bezüglich seines Gesundheitszustandes.
«Die Krankheit ist ein Teil von mir - aber nicht alles. Ich habe noch auf so vieles Lust und das ist der Grund, weswegen ich noch nicht gehen möchte. Ich werde kämpfen bis zum Schluss.»

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