Sozialhilfe: Immer mehr Afrikaner liegen den Gemeinden auf der Tasche

Sozialhilfe: Immer mehr Afrikaner liegen den Gemeinden auf der Tasche

Jahrelang hat der Bund grosszügig Zehntausenden von Asylbewerbern aus Eritrea ein Bleiberecht verschafft. Die Gemeinden kommen nun für diese Politik an die Kasse. Sie müssen immer mehr Afrikaner finanziell unterstützen.

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von Alex Reichmuth am 13.12.2021, 05:00 Uhr
Asylbewerber vor einem Asylheim in Burgdorf. Bild: Keystone
Asylbewerber vor einem Asylheim in Burgdorf. Bild: Keystone
Wer unter der Kategorie «Afrika» der Sozialhilfestatistik 2020 des Kantons Aargau nachschaut, macht grosse Augen: 2015 mussten die Gemeinden noch 1061 Afrikaner finanziell unterstützen. Letztes Jahr waren es dagegen bereits 2091. Das ist fast eine Verdopplung innerhalb von nur fünf Jahren. Gegenüber dem Jahr 2005 haben sich die Sozialhilfebezüger aus Afrika sogar fast verzehnfacht.
Wer sich im Thema Sozialhilfe auskennt, ist allerdings kaum überrascht. Die meisten Afrikaner, die in der Schweiz und auch im Kanton Aargau leben, sind in den letzten Jahren als Asylbewerber ins Land gekommen. Ein grosser Teil von ihnen stammt aus Eritrea.

Zuerst bezahlt der Bund, dann die Gemeinden

Die meisten von ihnen haben vom Bund ein Bleiberecht erhalten – sei es als anerkannte Flüchtlinge oder als sogenannte vorläufig Aufgenommene. Vorläufig Aufgenommene sind Menschen ohne Asylgründe, denen eine Rückkehr in ihr Heimatland nicht zugemutet werden kann, die danach – wie die Erfahrung zeigt – meist für immer in der Schweiz bleiben. Der Bund war der Meinung, dass viele Eritreer in ihrem Heimatland verfolgt oder zu einem überlangen Militärdienst verpflichtet würden und darum nicht zurückkehren können.

Je nach Herkunfsland beträgt die Sozialhilfequote bis zu 80 oder sogar darüber.


Ehemalige afrikanische Asylbewerber schaffen es zu einem hohen Prozentsatz aber nie, sich in der Schweizer Arbeitswelt zurechtzufinden und finanziell für sich zu sorgen. Je nach Herkunfsland beträgt die Sozialhilfequote bis zu 80 oder sogar darüber. In den ersten fünf Jahren (anerkannte Flüchtlinge) bzw. sieben Jahren (vorläufig Aufgenommene) nach Ankunft in der Schweiz kommt der Bund für ihre Sozialhilfe auf. Anschliessend müssen aber die Wohngemeinden dafür gerade stehen.

Martina Bircher schlug schon 2016 Alarm

Vor allem während der Flüchtlingskrise 2015 und in den Jahren danach kamen viele Asylbewerber in die Schweiz – insbesondere aus Afrika. Lange Zeit stand Eritrea an der Spitze der Herkunftsländer. Von dort gelangten insgesamt Zehntausende in unser Land. Seit langem gibt es Warnungen, dass dieser Zustrom mittelfristig zu einer grossen finanziellen Belastung für die Gemeinden wird.

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SVP-Nationalrätin Martina Bircher im Parlamentssaal. Bilde: Keystone

Martina Bircher (SVP) schlug schon 2016 Alarm. «Wenn niemand etwas unternimmt, ist unsere Gemeinde in absehbarer Zeit bankrott», sagte die Sozialvorsteherin von Aarburg, der Gemeinde mit der höchsten Sozialhilfequote im Kanton Aargau. Bircher, die inzwischen im Nationalrat politisiert, rechnete damals vor, dass fast die Hälfte aller Sozialhilfebezüger in Aarburg ehemalige Asylbewerber sind. Auch Felix Wolffers, damaliger Co-Präsident der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe, sprach von einer «sozialpolitischen wie finanziellen Zeitbombe», falls es nicht gelinge, die vielen mehrheitlich jungen Flüchtlinge rasch in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

130 Prozent mehr afrikanische Sozialhilfebezüger als 2009

Wie haben sich die Zahlen gesamtschweizerisch entwickelt? Zeigt sich auch hier eine rasante Zunahme afrikanischer Sozialhilfebezüger?
In der Tat. Die aktuellsten Zahlen sind die von 2019. Die schweizerische Sozialhilfestatistik weist für dieses Jahr 34’681 Bezüger aus Afrika aus. Das ist ein sattes Drittel mehr als 2015. Innert zehn Jahren ist die Zahl der afrikanischen Sozialhilfeabhängigen sogar um 130 Prozent gestiegen. Nicht berücksichtigt sind dabei Sozialhilfebezüger, die als aktuelle oder ehemalige Asylbewerber noch vom Bund finanziert werden.

57,9 Prozent der afrikanischen Sozialhilfebezüger sind Eritreer

Damit kam 2019 mehr als jeder vierte ausländische Sozialhilfebezüger aus Afrika (26,5 Prozent). 2009 betrug dieser Anteil erst 14,1 Prozent. Dabei machen die Afrikaner unter der ausländischen Wohnbevölkerung nur einen Anteil von fünf Prozent aus.

Die Gemeinden werden künftig für noch mehr Sozialhilfebezüger aus Afrika und insbesondere aus Eritrea aufkommen müssen.


16’505 der 34’681 afrikanischen Sozialhilfebezüger stammte aus Eritrea – ein Anteil von 47,6 Prozent. Rechnet man die Sozialhilfebezüger dazu, die noch vom Bund finanziert werden, waren es sogar 31’982 Eritreer, verglichen mit 55’265 afrikanischen Bezügern – ein Anteil von 57,9 Prozent (siehe hier). Gemäss dem Bund sind über 85 Prozent der Eritreer, die als Asylbewerber in die Schweiz gekommen sind, auf Sozialhilfe angewiesen – ein horrend hoher Anteil.

Es kommen laufend neue afrikanische Asylbewerber an

Die finanzielle Last für die Gemeinden ist also schon heute gross. Sie werden künftig aber für noch mehr Sozialhilfebezüger aus Afrika und insbesondere aus Eritrea aufkommen müssen. Denn 2019 bezahlte der Bund die Sozialhilfe für 20’584 afrikanische Bezüger, die als aktuelle oder ehemalige Asylbewerber noch nicht fünf bzw. sieben Jahre im Land waren. 15’477 von ihnen kam aus Eritrea. Die entsprechenden finanziellen Lasten gehen in den kommenden Jahren sukzessive an die Gemeinden über.

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Es kommen weitere Afrikaner über das Mittelmeer nach Europa und in die Schweiz. Bild: Keystone

Und es kommen laufend weitere Asylbewerber in der Schweiz an. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres waren es 11’806 – und damit bereits mehr als im ganzen 2020 (11’041). 4308 von ihnen stammte auf Afrika, davon 1’672 aus Eritrea. Die Gemeinden müssen sich auf zusätzliche Sozialausgaben einstellen.

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