SOS beim SOS-Kinderdorf Schweiz

SOS beim SOS-Kinderdorf Schweiz

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von Beni Frenkel am 8.4.2021, 13:38 Uhr
Früher gab es mehr Geld Bild: Shutterstock
Früher gab es mehr Geld Bild: Shutterstock
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Immer weniger Spenden, aber immer höhere Lohnsummen. Das Hilfswerk kämpft um seine Stellung im Schweizer Spendenmarkt.

Wenn ein Unternehmen über Jahre hinweg immer mehr Leute einstellt, steckt dahinter meistens eine Erfolgsgeschichte. Beispiel SOS-Kinderdorf Schweiz: 2015 wurden der Abteilung Administration 450'000 Franken Lohn ausbezahlt. Ein Jahr später gab es 560'000 und 2019 bereits 790'000 Franken. Eine Steigerung von 75 Prozent in nur vier Jahre.
Die Spendeneinnahmen hielten leider nicht Schritt mit dieser eklatanten Lohnsteigerung. Im Gegenteil. Immer weniger gelangte in den Spendentopf. 2015 wurden Ende Jahr 21,4 Millionen Franken gezählt. Vier Jahre später waren es nur noch 18,5 Millionen.

Baby-Boomer sterben aus

Auf diese gegenteilige Entwicklung angesprochen, weist das Hilfswerk unter anderem auf die Baby-Boomer hin. Man verzeichne bei dieser «spendenfreudigen Generation» einen «natürlichen Abgang» fest. Und die jüngeren Spender fänden regelmässiges Spenden halt nicht mehr so attraktiv.
Ob das als Erklärung reicht, ist fraglich. Nüchtern betrachtet fehlt dem SOS-Kinderdorf Schweiz ein Alleinstellungsmerkmal. Lang ist die Liste, mit der das Hilfswerk das Leiden auf der Welt lindern möchte: Äthiopien, Lesotho, Nepal, Nicaragua, Niger.
Damit ist man nicht allein. Niemand weiss, wie viele Organisationen aus der Schweiz das ebenfalls wollen. 4 Millionen Kinder sollen von den Programmen des SOS-Kinderdorf Schweiz «erreicht» worden sein. Wenn das stimmt, liegt Roger Federer nicht mehr weit zurück. Von seiner Stiftung hätten bislang 1,75 Millionen Kinder «profitiert», steht auf der Homepage der Roger Federer Foundation.

Hilfspaket «Gewaltfreie Erziehung»

Dem SOS-Kinderdorf Schweiz selbst kann man auf 17 verschiedene Arten helfen . Natürlich mit Geld, einer Patenschaft oder mit Coop Superpunkten. Dem vor allem in Afrika tätigen Hilfswerk kann man aber auch das Paket «Gewaltfreie Erziehung» spenden (50 Franken). Die Erwachsenenschulung soll verhindern, dass sich die Eltern in Afrika trennen.
SOS-Kinderdorf Schweiz warnt aber vorsorglich auf die Mittelverwendung. «Bitte beachten Sie», schreibt sie auf ihrer Website, «dass Ihre Spende auch für andere Bedürfnisse verwendet werden.» Zum Beispiel für den Latrinenbau für eine Familie (60 Franken) oder eine Kinderrechtsschulung (50 Franken).

Golfturnier in Luzern

Generell sind auch die Kosten in der Administration gestiegen. Von 1,42 Millionen (2015) auf 1,76 Millionen Franken. Als Grund werden vom Hilfswerk unter anderem die Events erwähnt, die nun häufiger veranstaltet werden. SOS-Kinderdorf Schweiz führte zum Beispiel ein Golfturnier auf dem Dietschiberg durch.
Es lohnt sich immer, die Versprechen von Non-Profit-Organisation (NPO) kritisch zu hinterfragen. Stimmen die Zahlen oder nur ungefähr? Handelt es sich um aktuelle Zahlen oder nur gemittelte?
Bis vor wenigen Tagen stand auf der Homepage von SOS-Kinderdorf Schweiz: «Mindestens 80 Rappen jedes gespendeten Frankens kommen bei den Kindern an. Garantiert.» Ein grosse Ansage. Aber stimmt sie auch? Gemäss Recherchen des «Nebelspalters»: Nein. Zumindest nicht für das Geschäftsjahr 2019. Man habe die Aussage «entsprechend angepasst», so SOS-Kinderdorf Schweiz. Die 80 Rappen seien ein durchschnittlicher Wert.

Durchschnittswerte

Wachsende Kosten und geringere Einnahmen führen beim SOS-Kinderdorf Schweiz langsam zu einem Ungleichgewicht. Auf ihrer Homepage steht zwar, dass 12 Prozent der Spendeneinnahmen in die «Mittelbeschaffung» fliesst. 2019 waren es dann allerdings 14.2 Prozent. Es handle sich dabei – wieder - um einen «Durchschnittswert der letzten fünf Jahre», so das Hilfswerk.
Und auch an der Börse konnte das Kinderdorf nur verhalten jubeln. 2019 schaffte der SMI eine Performance von über 25 Prozent. Die vom Hilfswerk betreuten Aktien und Obligationen erreichten Kursgewinne von 13,6 Prozent.
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