Somms Memo #33 - Biden in Not

image 26. Januar 2022, 11:00
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Warum das wichtig ist: Noch nie war ein US-Präsident nach bloss einem Jahr so unbeliebt – ausser Donald Trump. Das untergräbt Bidens Position in der Ukraine-Krise. Das ist allerdings nicht einzige Grund. Sein Sohn Hunter macht ihm ebenfalls Sorgen.

In Washington kursiert neuerdings ein dirty little secret, ein kleines schmutziges Geheimnis: Dass sich Biden gegenüber Wladimir Putin auch deshalb so zaghaft verhält, weil die Russen belastendes Material über ihn besitzen. Was wie eine Verschwörungstheorie wirkt und an die Versuche der Demokraten erinnert, Trump mit solchen Verdächtigungen zu kompromittieren, könnte im Fall Biden zutreffen.
  • Hunter Biden, sein Sohn, hat von 2014 bis 2019 Geld von Burisma Holdings erhalten, einer ukrainischen Öl- und Erdgasfirma. Hunter sass in deren Verwaltungsrat, wo er sich um «Corporate Governance» zu kümmern hatte. Zeitweise verdiente er dafür bis zu 50 000 Dollar pro Monat.
  • Zur gleichen Zeit, so schrieb Hunter Biden selber in seiner Autobiographie «Beautiful Things», litt er unter schweren Drogenproblemen. Er habe zuweilen «alle fünfzehn Minuten Crack geraucht», räumte er ein.
  • Vom Öl- und Erdgasgeschäft versteht Hunter Biden so gut wie nichts.
  • Burisma gilt als pro-russisch; sie gehört einem pro-russischen Oligarchen. Und es liefen ab 2014 Untersuchungen wegen Korruption gegen die Firma.
  • Joe Biden, damals unter Barack Obama US-Vizepräsident, sorgte wenig später dafür, dass der ermittelnde Staatsanwalt in Kiew entlassen wurde. Hielt er die Hand über seinen Sohn? Oder schützte er die pro-russische Burisma?
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US-Präsident Joe Biden mit seinem Sohn Hunter Biden
Die Hunter Biden-Geschichte ist schon länger bekannt. Sie wurde jedoch nie richtig untersucht – weder von der Justiz noch von den Medien. Ein Scoop der konservativen New York Post kurz vor den Wahlen von 2019, der beide Bidens in zweifelhaftem Licht erscheinen liess, wurde von den meisten Medien totgeschwiegen. Die grossen Social Media-Plattformen zensierten sie gar – mit dem Hinweis, es handle sich um «russische Desinformation». Inzwischen ist klar: Es stimmte alles – aber die Fakten missfielen offenbar den Medien, die seinerzeit in ihrer Mehrheit Joe Biden unterstützten.
Nun sucht die alte Geschichte den amerikanischen Präsidenten heim. Der Verdacht liegt auf der Hand: Wenn die Bidens so enge Geschäftsbeziehungen zu pro-russischen Kreisen in Kiew pflegten, erscheint es dann nicht als plausibel, dass Putin über weitere, bisher unbekannte Informationen verfügt, die er jederzeit gegen Biden verwenden könnte? Ist Biden erpressbar?
Vergangene Woche sagte Biden in einer langen Pressekonferenz, es käme darauf an, ob Putin einen «kleinen Überfall» in die Ukraine vollziehe oder es mit einem eigentlichen Krieg überziehe. Die Aussage, die von Bidens Stab sogleich berichtigt wurde, sorgte weithin für Kopfschütteln. Wenn Moskau noch eines Zeichens aus Washington bedurft hätte, dass es die Ukraine «ein bisschen» plagen darf, dann hatte Biden dieses nun gegeben.
Anfang Woche wies das amerikanische State Departement seine Botschaftsangehörigen in Kiew an, sich und ihre Familien in Sicherheit zu bringen. Offenbar rechnet man jederzeit mit Krieg. Was die USA dagegen tun werden, steht in den Sternen – oder Hunter Biden weiss es.
In der Regel kümmern sich die amerikanischen Wähler allerdings wenig um die Aussenpolitik, geschweige denn um die Ukraine, dessen Namen ihnen so fremd ist wie ein neu entdeckter Planet. Bidens Probleme liegen nicht in Kiew, sondern in Amerika:
  • Seit Wochen rutschen seine Umfragewerte ab. Es scheint kein Halten mehr zu geben
  • Inzwischen fallen sie gelegentlich sogar unter die magische Grenze von 40 Prozent
  • Eine Untersuchung des Center for American Political Studies an der Harvard University und dem Harris Poll hat vor wenigen Tagen ein Approval Rating von bloss 39 Prozent ergeben. Harvard-Harris ist renommiert. Diese Umfragen gelten als überaus präzis
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Wenn man die Ergebnisse im Einzelnen studiert, dann erweist sich die Lage für Biden als noch unwirtlicher. Es sind verheerende Zahlen. Darauf angesprochen, wie sie Bidens Leistungsausweis in verschiedenen Politikbereichen beurteilten, entgegneten die Amerikaner:
  • Wirtschaft: 35 Prozent halten seine Leistung für gut (approve), 58 Prozent halten sie für schlecht (disapprove)
  • Aussenpolitik: 35 – 54
  • Schaffung von neuen Jobs: 41 – 51
  • Corona-Politik: 34 – 51
  • Kriminalität: 36 – 55
  • Einwanderung: 34 – 57
  • Bekämpfung der Inflation: 31 – 61
Angesichts der Tatsache, dass die meisten Amerikaner in diesen Tagen Corona, die Inflation, die Kriminalität und die Einwanderung als die drängendsten Probleme ihres Landes betrachten, kann man ermessen, wie angeschlagen der Ruf von Biden ist. Worauf es den Amerikanern auch ankommt, gerade hier hat sich ihr Vertrauen in den Demokratischen Präsidenten zersetzt.
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Weil man in Europa oft als unanständig oder herzlos angesehen wird, wenn man sich Gedanken über Bidens Gesundheitszustand macht, sind folgende Zahlen gemäss Harvard-Harris von besonderem Interesse:
  • Nur 47 Prozent der Amerikaner glauben, dass Biden mental noch fit ist
  • 61 Prozent halten Biden für zu alt
Wladimir Putin, 1952 geboren, ist 69 Jahre alt. Er gilt als kerngesund. Er ist hellwach.
Amerika, die junge Nation, wirkt auf einmal uralt – ausgerechnet im Vergleich zu Russland, das seine Entstehung bis ins 9. Jahrhundert zurückverlegt.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag Markus Somm
Harvard-Harris Poll

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