Schwyz: Schulen machen mobil gegen jugendliche «Maskenverweigerer»

Schwyz: Schulen machen mobil gegen jugendliche «Maskenverweigerer»

Behörden im Kanton Schwyz drohen Schülern, die keine Maske tragen, mit Denunziation an den Kanton. Das Bildungsdepartement will davon nichts wissen.

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von Philipp Gut am 24.12.2021, 08:05 Uhr
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Schulen im Kanton Schwyz gehen knallhart gegen Schülerinnen und Schüler vor, die im Unterricht keine Maske tragen. Das gilt auch für Betroffene, die aus medizinischen Gründen keine Maske anziehen dürfen und dies mit einem ärztlichen Attest belegen. Dies geht aus schriftlichen Dokumenten von Schulleitungen vor, die dem Nebelspalter vorliegen. Dabei handelt es sich um sogenannte Bezirksschulen (Oberstufe).
So erlassen die Schulleitungen unter anderem die Anweisung, dass Schüler mit einer Maskendispens speziell platziert werden, mit einem Abstand von anderthalb Metern zu den Kameraden. Noch härter ist das Vorgehen für alle anderen: Wer sich weigert, eine Maske zu tragen, muss gemäss Weisung nach Hause gehen. Besonders fragwürdig: Die Lehrerinnen und Lehrer sollen die «Maskenverweigerer» darauf hinweisen, «dass wir ihren Namen dem Kanton melden werden».
Weiter werden die Lehrer aufgefordert, keine Dokumente zu unterschreiben, die ihnen Eltern unterbreiten und auch keine Bestätigung auszustellen, «dass ihr Maskenverweigerer nach Hause geschickt habt». Ausserdem seien «Diskussionen» mit Schülern und Eltern zu vermeiden. Auch der Presse dürften die Lehrerinnen und Lehrer keine Auskunft geben.

Ist das ein Vorbild für junge Menschen?

Schliesslich wiederholt die Schulleitung in Fettdruck die Aufforderung an die Klassenlehrer, die Namen aller Schüler zu melden, die die Maske verweigern, und sie in folgende zwei Kategorien zu unterteilen: «a) Verweigert die Maske und ist zu Hause. b) Verweigert die Maske und lässt sich nicht nach Hause schicken.» Am Schluss betont die Schulleitung noch einmal: «Wie bereits erwähnt werden wir die Namen der Schülerinnen und Schüler sammeln und dem Kanton weiterleiten.»
Inhalt und Tonalität der Schreiben klingen eher wie aus einem autoritären Staat wie aus der Wiege der Schweizer Demokratie. Besonders die angedrohte Denunziation von Schülerinnen und Schülern an den Kanton wirkt befremdlich. Was ist denn das für ein Vorbild, das da jungen Menschen vermittelt wird? Wer nicht spurt, wird bestraft und verpetzt und muss mit unabsehbaren Konsequenzen rechnen? Ist dies die Charakterschule, die wir den Jugendlichen beibringen wollen? Und juristisch: Wie steht es mit dem Daten- und Persönlichkeitsschutz?

Wer sagt die Unwahrheit?

Aufgeschreckt durch die Recherchen des Nebelspalters geht das Schwyzer Bildungsdepartement auf Distanz zum Verpetz-Appell. Es folge «keinerlei Nennung gegenüber dem Kanton», teilt es mit. Damit widersprechen sich die beiden Instanzen. Ob die Schulleitung die Lehrerinnen und Lehrer falsch informiert oder ob das Bildungsdepartement aus Angst vor negativen Schlagzeilen die Unwahrheit sagt, muss daher vorerst offenbleiben.
Tatsache ist: Das Bildungsdepartement bestätigt in aller Deutlichkeit den harten Kurs der Schulen. So rechtfertigt es die erwähnte Gesprächsverweigerung gegenüber kritischen Schülern und Eltern sowie deren Wegweisung folgendermassen: «Lehrpersonen haben einen pädagogischen Auftrag gegenüber ihren Schülerinnen und Schülern zu erfüllen. Was die Maskenpflicht betrifft, sind sie an die kantonalen Weisungen gebunden, die auch im Elterngespräch nicht verhandelbar sind.» Auch die übrigen Massnahmen gegen die jugendlichen «Maskenverweigerer» bestätigt das Bildungsdepartement. Bis eben auf die schwarze Liste mit den Namen der Renitenten.
Affaire à suivre.

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