Weihnachten

Richtig schenken, sich verschenken

image 25. Dezember 2022, 05:00
Bischof Joseph Maria Bonnemain. (Bild: Nicola Pitaro, zVg)
Bischof Joseph Maria Bonnemain. (Bild: Nicola Pitaro, zVg)
Zu Weihnachten wünsche ich Ihnen…
...Geschenke, die ihr Herz erfüllen. Solche, die man nicht kaufen kann, die unbezahlbar sind. Wir sehnen uns alle nach Frieden, Glück, Erfüllung, Wahrheit, Geborgenheit und Liebe. An Weihnachten spüren wir diese Sehnsucht besonders stark. All diese Wünsche kann man weder kaufen noch verkaufen. Man kann sie nur verschenken und geschenkt bekommen.

Bedingungsloses Geschenk

Gott hat sich uns in Betlehem nicht verkauft. Er hat sich uns zum Geschenk gemacht, ohne dass er etwas von uns im Gegenzug erwartet hätte. Bedingungslos und voller Liebe. Nur so verändern wir die Welt heute, bedingungslos und liebevoll.
Kostbare Geschenke sind nicht gekaufte. Das kostbarste Geschenk sind wir selbst. Wenn wir uns einander bedingungslos und voller Liebe verschenken, wird Weihnachten wahr. Heute wie damals. Gott hat uns an Weihnachten seinen Sohn geschenkt, das Jesuskind. So wurde er Immanuel, das heisst «Gott mit uns».
In diesem Jahr scheint das Bedürfnis, andere zu beschenken besonders gross zu sein. Die Menschen haben Freude, anderen eine Freude zu bereiten. Das ist kein unchristlicher Gedanke, ganz im Gegenteil. Richtiges Schenken ist selbstlos, bedingungslos und frei von jeder ökonomischen Logik. Für einmal spielen die Gesetze des Marktes keine Rolle. Die Kosten-Nutzen-Frage interessiert dann niemanden. Gut so, ohne das eine gegen das andere auszuspielen.

Sich selber schenken

Schenken zeigt: Wir Menschen brauchen mehr als nackte Zahlen und Fakten. Wir brauchen Zuneigung, Aufmerksamkeit und Liebe. Weihnachtsgeschenke drücken das aus. Sie stehen für den Schenkenden selbst. Ich denke, aus diesem Grund wird dieses Jahr mehr geschenkt – und das freut mich. Die Menschen haben verstanden, dass sie sich selber verschenken müssen und drücken dies durch ihre Geschenke aus. So wie der Herr uns an Weihnachten seinen Sohn geschenkt hat. Das kostbarste Geschenk überhaupt, den Retter und Erlöser.
Sobald wir in der Mitte unserer Herzen dem anderen Platz geben und uns nicht mehr selber in den Mittelpunkt stellen, werden wir zum Geschenk – für die anderen. Unsere Rettung und Befreiung ist all das, was man nicht kaufen oder verkaufen kann. Heute wie damals – so wird Weihnachten wahr.
Ich wünsche allen Menschen in ihrer Nähe, die nicht primär an sich selber denken, sondern ihre Herzen für andere öffnen. Menschen, die Freude haben, ihr Leben mit anderen zu gestalten. Selbstlose Menschen sind auch heute noch die Retter der Welt und lassen Weihnachten wahr werden, überall.

Bischof Joseph Maria Bonnemain (74) steht seit 2021 dem Bistum Chur vor. Bonnemain ist ursprünglich Medizinier. Er studierte danach Theologie und Philosophie in Rom. Er ist Mitglied der Prälatur vom Heiligen Kreuz und Opus Dei.

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